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Zuletzt aktualisiert: 16.05.2012 um 19:13 UhrKommentare

Warum sich der KSV verabschiedet

Kapfenberg spielt in Mattersburg am Donnerstag das letzte Mal in der Bundesliga. Ein Blick zurück auf Golden Girls, Glatzen-Eid und eine Saison, die anders hätte laufen können.

Foto © GEPA

Ausgerechnet Mattersburg. Mit dem Spiel beim langjährigen Konkurrenten im Abstiegskampf gehen vier Jahre Bundesliga zu Ende. Zeit, die Gründe für den Abstieg zu suchen, die Höhepunkte Revue passieren zu lassen und einen Blick in die Zukunft zu werfen.

Analyse

Die vierte Bundesligasaison des KSV hätte vermutlich anders ausgesehen, wenn vor einem Jahr zwei Personal-Entscheidungen anders gefallen wären: Sturms Samir Muratovic hatte den Kuli zum Unterschreiben schon in der Hand, blieb dann aber bei Sturm. Und hätte man noch auf Leithammel Milan Fukal statt auf Matej Mavric vertraut - wer weiß?

Torjäger Deni Alar wurde in keinster Weise ersetzt, alle Alternativen waren Rohrkrepierer. Kein Herbst-Neuzugang schlug ein. Im Frühjahr hatte Neo-Coach Thomas von Heesen stärkere Spieler zur Verfügung, aber beim Toreschießen haben die vermeintlichen Goalgetter Nathan und Sanel Kuljic (je ein Elfertor!) ebenfalls versagt. Die Harmlosigkeit im Angriff und Fehleranfälligkeit in der Abwehr verhinderten viele Punkte. Rote Karten und Schiri-Pfiffe dämpften die Hoffnungen weiters.

Interessant der Vergleich von Kapfenberg I unter Werner Gregoritsch und Kapfenberg II unter Thomas von Heesen (siehe Tabellen oben): Gregoritsch schaffte 0,6 Punkte im Schnitt, von Heesen 0,73. Der Deutsche betont seine offensive Spielanlage, erzeugte aber nur 0,42 Tore pro Spiel (bei 1,31 Gegentoren) im Vergleich zu Gregoritschs 0,86 Toren. In der "TVH-Tabelle" (die 16. Runde unter Cheftrainer Manfred Unger bleibt unberücksichtigt) ist Kapfenberg auch Letzter, allerdings fehlt nur ein einziges Tor auf den "Nicht-Abstieg".

Höhepunkte

Als Highlights bleiben in den vier Jahren nach Glatzeneid und Ritterschlag die Triumphe in Erinnerung: das 5:2 im Schneetreiben von Salzburg, die 7:2-Gala gegen den LASK, ein 3:0 gegen Sturm und die Siege gegen die Austria. Bis auf Rapid hat man alle geschlagen. Der Stadionrekord von 11.100 Fans gegen Sturm bleibt wohl länger bestehen. Apropos: Mit neuer Tribüne und VIP-Klub hat man das Fekete-Oval ordentlich herausgeputzt. Einen weiteren "Rekord" konnte man verbuchen: Mit den "Golden Girls" aus Gußwerk hat Kapfenberg den "ältesten Fanklub der Welt". Der Fan-Kern ist treu, Schnitt heuer 3281 Besucher.

Gefühlsausbrüche gab es unter Gregoritsch zuhauf, wie die Euphorie um das erste Tor des 15-jährigen Michael Gregoritsch (Rekord). Später sollte die Kombination Vater-Sohn eher für Stunk sorgen. Und dass Gregoritsch das Herz stets auf der Zunge trug, sorgte auf den Tribünen und in diversen Kabinengängen auch für Unmut. Das Cup-Aus im Vorjahr war ein Tiefpunkt.

Ausblick

Wenig überraschend wird von Präsident Erwin Fuchs der sofortige Wiederaufstieg als Ziel ausgegeben. Nur die Statistik zeigt: Geschafft hat das in diesem Jahrtausend nur die Admira, die 2002 abgestiegen ist und 2003 ihr Comeback gefeiert hat. Spaziergang wird das für Kapfenberg keiner. Die Erstligisten sind eingespielt und der Absteiger immer der große Gejagte.

Außerdem hat Trainer Thomas von Heesen erstmals wirklich Druck. Nach dem desaströsen Herbst hatte er im Frühjahr nichts mehr zu verlieren. Jetzt muss er zeigen, dass er das Team formen und die Unkonzentriertheiten abstellen kann. Die Kompetenz spricht ihm niemand ab.

Viel wird vom Spielermaterial abhängen. Die Sommerpause ist kurz, Eile ist daher geboten. Denn wenn die neue Mannschaft (David Harrer wechselt zu Vaduz) nicht rasch zu einer Einheit wird, müssen die Falken in der Ersten Liga gleich wieder einem Rückstand hinterher hecheln.

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