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Zuletzt aktualisiert: 14.02.2013 um 21:39 UhrKommentare

Laut, mit einigen Macken

Kleine Zeitung-Analytiker Heribert Weber beim Fachsimpeln mit Sturm-Trainer Peter Hyballa. Ein Interview der etwas anderen Art.

Foto © GEPA | KLZ/Kanizaj

Sie waren bereits im Alter von 16 Jahren Fußballtrainer. Auf der einen Seite fehlte die Qualität zum Fußballprofi, auf der anderen Seite merkten Sie sehr schnell, dass Ihre Ansprache die Menschen begeisterte. Warum aber Fußballtrainer und nicht Politiker oder Schauspieler?

PETER HYBALLA: Ich hatte ganz klar zu wenig Talent. Daher begann ich, bei einem kleinen Verein Kinder zu trainieren. Nebenbei spielte ich hobbymäßig Fußball. Mit 18 Jahren machte ich meinen ersten Trainerschein, daraufhin studierte ich Pädagogik und Psychologie. Studienkollegen verdienten als Kellner ihr Geld, ich als Fußballtrainer. Ein Job, der mich schon immer faszinierte.

Gehören Sie zu den Konzepttrainern, die versuchen, ihr System millimetergenau auf das Spielfeld zu projizieren?

HYBALLA: Wichtig ist, dass du einen Plan hast und den durchziehst. Mein Vorteil ist, dass ich 20 Jahre Trainer bin. Routine und Praxis sind enorm wichtig. Egal, in welcher Klasse du trainierst, du hast immer mit Menschen zu tun und musst Lösungen finden. Ich bin zwar biologisch ein junger Trainer, aber wenn man alle Bundesliga-Trainer durchgeht, bin ich der erfahrenste. Das Gute für mich ist, ich kenne Theorie und Praxis. Ich war auf der Uni und kann auch über das wahre Leben reden.

Otto Baric hat einmal gesagt, dass man erst nach 10 Jahren als Profitrainer wirklich erkennt, wohin der Weg führt. Wo stehen Sie momentan?

HYBALLA: Ich muss in einigen Punkten vielleicht gelassener werden. Das fällt mir schwer, weil ich viel Energie in mir habe. Ich muss den Spielern ab und an mehr Mut zusprechen und darf nicht so aufbrausend sein. Dahin gehend ist meine Entwicklung noch lange nicht abgeschlossen. Am Anfang wunderten sich die Spieler über meine "lauten Anweisungen", inzwischen wissen sie, wenn ich mal durchdrehe, geht's um die Sache.

Sagen Sie das Ihren Spielern auch?

HYBALLA: Ja, ja. Jetzt bin ich sieben Monate hier. Inzwischen kennen sie meine Macken und ich ihre.

Gibt's ein Feedback von den Spielern?

HYBALLA: Nur durch Blicke. Es geht nicht darum, einen Spieler zu zerstören. Es geht darum, alle Möglichkeiten auszuschöpfen, ihn zu verbessern. Der eine oder andere kann noch immer relativ wenig mit mir anfangen, aber es wird immer besser. Darko Bodul konnte ich leider nicht ändern. Fußball wird immer mehr zur Pädagogik. Wir müssen die Fußballer-Sprache zurückholen.

Wie lautet diese?

HYBALLA: Ich sag dann schon mal: Reiß dir den Arsch auf. Aber nach außen hin verteidige ich jeden meiner Spieler.

Braucht der moderne Fußball eine Stammformation, eine Hierarchie und Führungsspieler in der Mannschaft?

HYBALLA: Bei Sturm habe ich viele Spieler mit ähnlicher Qualität. Führungsspieler sind auch international rar gesät. Außerdem war ich von einigen Führungsspielern enttäuscht.

Werden die Spieler zu wenig kritisiert und der Trainer zu viel?

HYBALLA: Ein Spieler wird selten gefragt, warum er eine hundertprozentige Torchance vergeben hat. Ich schätze Journalisten, die eine klare Sicht auf die Dinge haben. Ich bin mir bewusst, dass ich der Chef der Mannschaft bin, aber jeder Einzelne trägt Verantwortung.

Die Defensive wirkt stabiler, fehleranfällig ist sie aber immer noch. Was macht ihr dagegen?

HYBALLA: Wir üben das Pressing mit verschiedenen Spielformen. Wenn wir den Ball im Mittelfeld gewinnen und schnell nach vorne spielen, kommen wir oft zu großen Torchancen. Hektik gab es des Öfteren nach Ballverlust.

Hat im Herbst die Kraft für das Pressing gefehlt?

HYBALLA: Einige unnötige Abspielfehler haben zu dummen Gegentoren geführt. Das "Ausruhen am Ball" ist nicht gelungen, das Tiki-Taka in der Erholungsphase eines Spiels hat gefehlt. In der Vorbereitung haben wir gezielt daran gearbeitet, diese Schwäche zu vermindern.

Ist die österreichische Geselligkeit leistungshemmend?

HYBALLA: Es geht immer ums Gewinnen. Und das kriegst du in Deutschland mit der Muttermilch rein. Wenn du da nicht funktionierst, bist du raus. Und diese Härte habe ich manchmal in der Sprache. Hier geht's lockerer zu. Das ist vielleicht der große Mentalitätsunterschied. Im Training machen wir viel Spaß. Gemütlich darf jeder nach dem Training sein. Klem zum Beispiel, der ein bisschen mein Lieblingsschüler ist, könnte auch aus Deutschland sein. Er ist fokussiert, macht sein Ding und will ständig besser werden.

Wie sehen Sie die Qualität Ihres Kaders?

HYBALLA: Ich denke, dass die ersten drei Mannschaften und wir eine ähnliche Rolle spielen können, wobei die ersten beiden schon einen Tick besser sind.

Wer wird Meister?

HYBALLA: Austria Wien.

Wohin geht die Reise des WAC?

HYBALLA: Ich habe einen großen Respekt vor Nenad Bjelica. Solange sie hinter uns bleiben, ist alles okay (lacht).

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