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Zuletzt aktualisiert: 28.04.2012 um 16:42 UhrKommentare

Kaiser Mischa und Popo-San

Mischa Petrovic & Ranko Popovic. Zwei Sturm-Legenden machen Karriere in der japanischen Fußball-Liga.

Foto © Fotolia

Die Uhr im Restaurant Jyuniban zeigt 19 Uhr. Das Lokal liegt nahe des Bahnhofs von Saitama. Die hiesigen Urawa Reds haben zwei Stunden zuvor Vissel Kobe 2:0 abgefertigt. Mischa Petrovic hat für sich und sein Trainerteam ein Hinterzimmer reservieren lassen. Auf dem Weg dorthin muss er durchs Lokal, wird erkannt - und plötzlich ist der Teufel los. Die Menschen springen auf, feiern Petrovic mit Sprechchören, Mädchen lassen sich aufgeregt mit ihm fotografieren. Es dauert zehn Minuten, bis die Sturm-Legende das rettende Ufer erreicht.

Kein Zweifel: Mischa Petrovic ist so etwas wie der Fußball-Kaiser im Land der aufgehenden Sonne. Seit Jahresbeginn trainiert er den FC Bayern Japans, eine halbe Autostunde nördlich von Tokio gelegen. "Schon als ich vor sechs Jahren nach Hiroshima kam, faszinierten mich die Urawa Reds. Ich dachte, was hat dieser Klub nur, dass 50.000 Fans für eine Atmosphäre wie in Europa sorgen? Hier zu arbeiten, das wär was!" Seit vier Monaten lebt der 54-Jährige, für den man in den Stadien eigens Raucherkammerl einrichtete, seinen Traum. Der aber mit Risiko behaftet bist: "Wenn du hier Erfolg hast, bist du ein Gott. Wenn nicht, bist du schnell weg." In fünf Jahren verschlissen die Urawa Reds sechs Coaches. Das ist die Kehrseite der Medaille. Mischas fußballerisches Kaiserreich, der Kultklub Urawa Reds, wankte zuletzt. Letzte Saison rettete man sich in letzter Sekunde vor dem Abstieg.

Doch der Mitsubishi-Konzern, der hinter den Urawa Reds steht, glaubt wie die Fans daran, dass Petrovic den Meister von 2006 wieder an die Spitze führen kann. Wie? Mit der bewährten Petrovic-Methode: Spielerisch wie Osim, mit frechen Eigenbau-Talenten und einer gewaltigen Dosis Menschlichkeit. So meinte Tomoaki Makino, Star-Spieler des Nationalteams, im Gespräch mit der Kleinen Zeitung: "Petrovic ist wie ein Vater zu uns." Was eine besondere Episode unterstreicht. In einem Fragebogen für ein Magazin erklärt Petrovic die Morisaki-Zwillinge Koji & Kazuyuki seines Ex-Klubs Hiroshima zu seinen Lieblingsspielern. Der Hintergrund: Beide leiden an Depressionen. "Leider in Japan noch immer ein Tabuthema." Zusammen mit seiner Gattin nimmt sich Petrovic der beiden an, holt Informationen über die neuesten Therapien ein, kämpft gegen die Isolation der Zwillinge an. Mit Erfolg, mittlerweile spielen beide wieder für seinen Ex-Klub. Eine Tatsache, die dem Mensch Petrovic vielleicht mehr bedeutet als der starke Start seiner Reds.

Schauplatz zwei: Das Trainingszentrum des FC Tokyo in Kodaira, im Westen des 35-Millionen-Molochs. Hier führt Ranko Popovic, oder Popo-San wie er in Japan genannt wird, das Kommando. Er übernahm den Aufsteiger gleich als Kaiser-Cup-Sieger, startberechtigt in der asiatischen Champions League. "Mein Ziel ist es, aus dem Klub eine Marke zu machen. Ähnlich wie Real für Madrid oder Arsenal für London. Wenn man an Tokio und Fußball denkt, soll man sofort an den FC denken." 25.000 Fans kommen im Schnitt zu den Heimspielen. "Meine Mission ist erst erfüllt, wenn unser 50.000er-Stadion zu 75 Prozent voll ist."

Zusammen sieht man Popovic & Petrovic nie. Ihre Freundschaft zerbrach während der gemeinsamen Zeit bei Hiroshima. Darüber wollen sie nicht sprechen. Sehr wohl aber über den SK Sturm, der beide auch 9500 Kilometer von Graz entfernt gleichermaßen bewegt. Popovic: "Als Osim Japans Teamchef wurde, meinte er: "Bei der Hochzeit lachen alle, aber bei der Scheidung muss man wahre Größe zeigen. Die hat Sturm bei Franco Foda nicht gezeigt."

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