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Zuletzt aktualisiert: 13.04.2012 um 07:58 UhrKommentare

Foda: Aufstieg und Fall eines Erfolgstrainers

Franco Foda ist ein Besessener des Fußballs. Mit dem SK Sturm erlebte er alle Höhen, aber auch Tiefen.

Ein Gespräch war mit Franco Foda nur bedingt möglich. Wie versteinert stand er da, schaute vom Parkplatz des Trainingszentrums in Messendorf zwischen den Autos hindurch auf das Spielfeld. Dort, wo seine Ex-Mannschaft gerade das Training absolvierte, die erste Einheit seit über fünf Jahren ohne ihn – ohne Franco Foda. Es hatte den Anschein, als ob er erst just in diesem Moment seine überraschende Beurlaubung so richtig realisierte: Er ist nicht mehr Trainer von Sturm Graz. Er spielt keine Rolle mehr im Verein. Er ist Vergangenheit. Er kann gehen.

Es tun sich Parallelen auf. Parallelen zu einem Abschied vor zehn Jahren: Damals war es Ivica Osim, der kurz vor seinem Abgang ein Training an der alten Wirkungsstätte in Messendorf fast versteckt beobachtet hatte. Trennungen – oder wie in diesem Fall eine Beurlaubung bzw. Dienstfreistellung – sind Stilfragen. Stil hat man – oder eben auch nicht. Foda hat einen, seinen Stil: Hart und konsequent ist er. Analytisch und autoritär. Stur und eigensinnig. Und für jene unangenehm, die mit Geradlinigkeit wenig anfangen können. Franco Foda war und ist kein Heiliger und gibt dies auch zu. "Ich teile aus, kann aber auch einstecken. Aber ich bin ehrlich", sagt der Deutsche. Ausgeteilt soll er oft haben und mitunter überhart. An seine Wutausbrüche hatten sich die Spieler längst gewöhnt, sie schon akzeptiert. Zumindest jene, denen klar war, dass es Foda stets um die Sache und nicht ums Persönliche ging – weil er im positiven Sinne ein Besessener des Fußballs war, der beides mitunter vermischte.

Haken des Endes hat ihn hart getroffen

Am Donnerstag hat Foda nicht ausgeteilt, der 45-Jährige musste einen Schlag einstecken. Und während er seine – oder nun eben nicht mehr seine – Burschen auf dem Platz beobachtete, fragte er: "Der Wievielte ist heute eigentlich?" Untypisch für den sonst so geplanten Menschen, der wohl die wichtigsten Spielsituationen der vergangenen hundert Begegnungen detailliert beschreiben kann. Der weiß, wann jeder Spieler Geburtstag hat und nie unvorbereitet vor die Kameras trat oder zu Interviews erschien.

Den 12. April 2012 wird Foda nie mehr vergessen. Der Haken des Endes hat ihn hart getroffen, führte aber nicht zum K. o. Nur angezählt wirkt er. "Ich weiß nicht, ob ich mir in den nächsten Tagen die Spiele von Sturm ansehen kann", sagt er und blickt zu Boden. Ein für ihn, der Gefühle in der Öffentlichkeit nie zulassen wollte, fast unüblicher Gefühlsausbruch. Bei seiner Abschiedsrede in der Kabine war sowieso alles anders. Foda soll mit den Tränen gekämpft haben, als er alle Spieler umarmte, ihnen alles Gute wünschte. Foda selbst sprach von einem sehr schwierigen Moment und sagte: "Ich musste mich zusammenreißen." Dass das Verhältnis zwischen Trainer und Spieler nicht immer friktionsfrei war, bestreitet niemand bei Sturm. Dass die Spieler in den vergangenen Wochen an seiner Absetzung gearbeitet haben sollen, glaubt Foda nicht: "Ich kenn die Burschen. Sie haben Charakter." Und er habe als Trainer immer Entscheidungen für den Verein getroffen – aber nie gegen eine Person.

15 Jahre Sturm Graz sind nun endgültig vorbei. 15 Jahre voller Erfolge: Als Spieler holte Foda zwei Meister- sowie einen Cup-Titel, spielte dreimal in der Champions League. Um dann den Job des Trainers sozusagen von der Pike auf zu lernen – mit dem Anfang beim Nachwuchs. Er durchlebte als Trainer die schwierigsten Zeiten – jene des Konkurses. Zunächst als billige Notlösung vom damaligen Präsidenten Kartnig auf den Trainersessel gesetzt, etablierte er sich bald und läutete die nächste Erfolgsära ein, die seine Handschrift trug und in den vergangenen zwei Jahren mit dem Cup-Sieg und dem Meistertitel ihren Höhepunkt fand.

Präsidenten kamen und gingen, Spieler ebenso – Foda blieb. Doch wie so oft im Fußball-Geschäft folgte auf eine Welle des Erfolgs ein Wellental. Ein kleines zwar bei Sturm, doch genug, um Unzufriedenheit entstehen zu lassen. Die Unangreifbarkeit Fodas – im Vorjahr noch zum Grazer des Jahres gekürt – wich. Der gefeierte Held wurde hinterfragt, die Ergebnisse waren nicht mehr das, was sie im Fußball-Geschäft sein müssen: besser als erwartet. Das Ende erfolgte am Donnerstag: der Rausschmiss. Über die Zukunft hat sich Foda keine Gedanken gemacht. Er ist "einfach leer", will alles sacken lassen, sagt er. Und schaut wieder auf den Platz. So, als ob er lautstark eingreifen will. Das kann er nicht mehr. Er steigt in sein Auto. Und fährt. Weg von Sturm.

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