26. November 2014, 21:21 Uhr | Aktualisiert vor 2 min | Als Startseite
Zuletzt aktualisiert: 24.02.2013 um 21:51 UhrKommentare

Zwei Beben, die bis nach Wien zu spüren wären

Kärnten und Niederösterreich wählen, aber es geht um weit mehr. Die ÖVP bangt um ihr Kernland, die SPÖ um die sicher geglaubte Rückeroberung einer verlorenen Bastion, die FPÖ um ihren einzigen LH-Sessel.

Foto © APA

Es gibt einfachere Aufgaben für Meinungsforscher, als den Ausgang dieser beiden Urnengänge vorauszusagen. Wie viele Menschen, die sich heute als unentschlossen deklarieren, wählen am Sonntag Frank Stronach? "Das wäre schlicht und einfach raten", sagt Peter Ulram, Politikwissenschafter und Meinungsforscher.

In Niederösterreich könnte der Neue dem Landeshauptmann die absolute Mehrheit streitig machen, in Kärnten diffuse Unzufriedenheit mit den eingesessenen Parteien absaugen. Wie gut er abschneidet, wird unweigerlich Folgen für die Bundespolitik haben.

"Frank Stronach hat den Höhenflug der FPÖ harsch unterbrochen", sagt Ulram. Vor seinem Einstieg in die Politik sei die FPÖ an zweiter Stelle gelegen. Nun muss sie Protestwähler mit Stronach teilen und sich mit Platz drei begnügen. Das Wählerpotenzial für Proteststimmen hält Ulram für so groß wie nie. "Vor fünf Jahren sagten zwei Drittel der Befragten, die Parteien machten ihren Job ganz gut." Heute werfen zwei Drittel der Politik Versagen vor. "Das war nicht einmal am Höhepunkt Haiders so", analysiert Ulram.

"Eine Katastrophe"

Kann Pröll die Absolute nicht mehr halten, nennt Ulram das "eine Katastrophe für die ÖVP". Die innerparteilichen Machtverhältnisse würden sich dadurch "sehr stark verändern". Dazu müsste Pröll allerdings von 54 Prozent auf unter 48 Prozent abrutschen, was Ulram für unwahrscheinlich hält.

Fällt die Absolute, schwächt das auch ÖVP-Chef Michael Spindelegger, der von Pröll an die Parteispitze gehievt wurde. Andererseits könnte sich die Bundespartei vielleicht von der Dominanz der Länder freispielen, meint Ulram.

Für die SPÖ steht kaum weniger auf dem Spiel. In Niederösterreich ist nicht viel zu holen. Erfüllt aber Kärntens SP-Chef Peter Kaiser die Erwartung nicht, das Land für die Kanzlerpartei zurückzuholen, könnte es "zu brodeln anfangen", meint Ulram. Dann bleibe vor der Nationalratswahl nur noch die Hoffnung, dass Gabi Burgstaller Salzburg trotz allem hält. Deshalb sei es so wichtig für die Partei und ihren Vorsitzenden, dass Kaiser Dörfler aussticht. "Dann wäre die Schlappe bei der Bundesheerbefragung vergessen."

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