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Zuletzt aktualisiert: 16.08.2012 um 12:33 UhrKommentare

Schule kann Bewegungs-Defizit nicht kompensieren

Trotz der Kürzungen 2003 steht der heimische Sportunterricht nicht so schlecht da. Dennoch können Schulen das Bewegungsdefizit unserer Kinder nicht kompensieren.

Foto © sport_digi120813.jpg | Foto: KLZ Digital

"Bei der Stundenzahl ist Österreich im Vergleich mit anderen Ländern nicht so schlecht", sagt Günter Amesberger vom Interfakultären Fachbereich Sport- und Bewegungswissenschaft der Uni Salzburg. Allerdings seien solche Vergleiche nur bedingt aussagekräftig, da nur die wenigsten einen differenzierten Überblick über verschiedene Schularten bieten. Dazu komme, dass durch die Schulautonomie die Anzahl der Sportstunden weiter verringert werde. "Fakt ist, dass die Zahl der Schulstunden das Bewegungsdefizit der heutigen Kinder und Jugendlichen nicht kompensieren kann", so Amesberger.

Tatsächlich umfassen die Vergleiche die verschiedensten Schülergruppen: So haben sechs- bis 15-jährige Schüler - das umfasst Volks-, Haupt-, Polytechnische Schule und AHS-Unterstufe - zwischen 60 und 120 Stunden Turnunterricht pro Jahr, zeigen Daten des europäischen Bildungsinformationsnetzes Eurydice. Im Vergleich kleiner europäischer Länder, die heuer bei Olympia gut abgeschnitten haben, ist das sogar ein sehr hoher Wert: In Ungarn, das diesmal acht Gold-, vier Silber- und fünf Bronze-Medaillen holen konnte, sind es zwischen 69 und 83 Stunden. Tschechien, mit vier Gold- und je drei Silber- und Bronze-Medaillen, bietet 59 Turnstunden pro Jahr an, Kroatien (drei Gold-, eine Silber-, zwei Bronze-Medaillen) 53 bis 79.

Laut OECD-Studie "Bildung auf einen Blick 2012" werden bei den Neun- bis Elfjährigen in Österreich zehn Prozent der Pflichtstunden für Sport genutzt. Der OECD-Schnitt liegt bei neun Prozent. Allerdings werden gerade in dieser Altersgruppe keine ausgebildeten Sportlehrer eingesetzt, sondern der Turnunterricht vom Volksschullehrer geleitet. "Von sinnvollem Sportunterricht kann keine Rede sein", mahnt Otmar Weiß vom Zentrums für Sportwissenschaft und Universitätssport der Uni Wien.

Eine Stunde täglich

Und auch wenn die Zahlen zum Sportunterricht nicht schlecht aussehen, schafft nur ein geringer Teil der Schulpflichtigen in Österreich die empfohlene Stunde an täglicher Bewegung: Bei der internationalen "Health Behaviour in School-aged Children-Study" (2009/10) gaben nur 30 Prozent der elfjährigen Mädchen und 40 Prozent der Buben an, sich über eine Stunde pro Tag so intensiv zu bewegen, dass sie zumindest phasenweise außer Atem kommen. Unter den 13-Jährigen sind es sogar nur noch 17 bzw. 34 Prozent, unter den 15-Jährigen neun bzw. 20 Prozent.

Das ist zwar immer noch besser als der Durchschnitt in den 38 untersuchten Ländern, Studien des Sportwissenschaftsinstituts Universität Salzburg zeigen dennoch deutlichen Handlungsbedarf: Demnach ist die körperliche Fitness in Hauptschulen und AHS-Unterstufen "unbefriedigend, Besorgnis erregend, sehr bestürzend sowie geradezu schockierend", die motorische Entwicklung der Mädchen "geradezu alarmierend".

Etwas besser steht es laut einer Studie im Rahmen von "Ugotchi", einer Initiative zur Förderung von Bewegung an Volksschulen, um die Fitness der Jüngsten: Denn Kindergarten- und Volksschulkinder schaffen die von Gesundheitsorganisationen geforderten 10.000 Schritte pro Tag unter der Woche "relativ leicht", so Thomas Mlinek von der Sportunion. Am Wochenende bewegten sie sich allerdings bereits wesentlich weniger.

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