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Zuletzt aktualisiert: 05.12.2012 um 22:05 UhrKommentare

Am Weg, den Frieden zu verbauen

Israel provoziert die Palästinenser mit neuen Siedlungsplänen und einbehaltenen Zöllen. Eine Lösung des Konflikts im Nahen Osten scheint verbaut. Ari Rath zeigte sich im Gespräch mit der Kleinen Zeitung enttäuscht - von Israel.

Foto © Reuters

Als Benjamin Netanjahu am Mittwoch in Berlin zum großen Treffen mit Angela Merkel eintrifft, gilt in der Stadt die höchste Sicherheitsstufe. 2400 Polizisten sind zusätzlich um den Schutz des israelischen Premierministers bemüht, darunter Scharfschützen und Bombenexperten. Schon im Vorfeld ließ Netanjahu ausrichten, dass er von der deutschen Kanzlerin "enttäuscht" sei (siehe rechts). Weil Deutschland nicht gegen den "Beobachter-Status" gestimmt hatte, den Palästina von der UNO kürzlich bekommen hatte.

600 Kilometer von Berlin entfernt fühlt man sich auch ohne schwer bewaffnete Exekutive wohl. Ari Rath, langjähriger Chefredakteur der Jerusalem Post, ist auf Einladung der Kleinen Zeitung im Grazer Joanneumsviertel zu Besuch und ist auch "enttäuscht". Aber nicht von Angela Merkel, sondern von Netanjahu und dessen Regierung - von Raths "Heimat". Es sei ein "großer Fehler Israels" gewesen, den UNO-Antrag der Palästinenser nicht zu unterstützen. Außerdem, so Rath weiter, wäre die Politik am besten Wege mit neuen Ansiedelungen das "Westjordanland zu spalten." 3000 israelische Wohneinheiten sollen in Palästinensergebieten gebaut werden - ein Ausbau Ost-Jerusalems als künftige Hauptstadt der Palästinenser wäre damit so gut wie unmöglich. Diese drohen Israel jetzt gar mit einer Klage wegen Kriegsverbrechen.

Rath, mit 13 aus Wien vor den Nazis geflohen, sehnt sich nach Frieden im Nahen Osten. In den späten 1970er-Jahren, als sich Ägypten und Israel zu einem Friedensvertrag durchrangen, ließ Rath eine Sonderausgabe seiner Zeitung drucken - am Sabbat, dem jüdischen Ruhetag. Eigentlich undenkbar, für ihn unverzichtbar.

Zwei-Staaten-Lösung

Heute plädiert der 87-Jährige für eine Zwei-Staatenlösung und ärgert sich, dass Israels Regierung zwar "Lippenbekenntnisse abgibt, aber nichts für die Sache tut." Im Gegenteil, ausgerechnet in der schwersten Krise der palästinensischen Autonomiegebiete will Israel Steuern und Zölle zurückzuhalten. Geld, das Israel für die Palästinenser einhebt, weil ein Großteil der palästinensischen Im- und Exporte über israelische Häfen läuft. Mit den zurückgehaltenen Summen würden jetzt einmal palästinensische Schulden beglichen, die bei den israelischen Elektrizitätswerken angehäuft worden seien, sagt Israel.

Israels Professoren-Armee

Derlei Dinge machen Ari Rath zu schaffen. Sogar ihm, dem "Optimisten", als den er sich selbst gerne bezeichnet. Er würde viel lieber über das "Positive an der israelisch-palästinensischen Symbiose" sprechen, oder darüber, dass "beide Seiten eigentlich des Kampfes müde sind, sogar die Hamas." 80 Prozent des israelischen Heeres bestehen aus Reservisten - "Rechtsanwälte, Universitäts-Professoren, lauter Familienväter. Von denen jubelt kein Einziger über einen Einrückbefehl."

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Netanjahu vs Merkel

  • Inmitten des Streits über Israels Siedlungspolitik reiste Premier Benjamin Netanjahu zu Gesprächen mit Kanzlerin Angela Merkel. Beim Treffen im Kanzleramt in Berlin ging es vor allem um die Siedlungspläne. Deutschland hat wie viele andere Staaten gegen den geplanten Bau von neuen Wohneinheiten in den Palästinensergebieten protestiert.

    Die Ankündigung der Bundesregierung eines "offenen Gesprächs unter Freunden" ließ auf ein kontroversen Gespräch schließen.

    Auslöser des Streits war die UN-Vollversammlung, wo Palästina zum Beobachterstaat aufgewertet wurde. Deutschlands Enthaltung bei der Abstimmung habe den Friedensprozess im Nahen Osten zurückgeworfen, kritisierte Netanjahu vor dem Treffen. Über die Kanzlerin sei er "enttäuscht". Außenminister Avigdor Lieberman sagte seine Reise nach berlin kurzfristig ab.

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