19. Dezember 2014, 11:51 Uhr | Aktualisiert vor - min | Als Startseite
Zuletzt aktualisiert: 01.03.2011 um 16:56 UhrKommentare

Frauen in Chefetage: Reding droht mit gesetzlicher Quote

Die Vize-Kommissionspräsidentin Viviane Reding macht Ernst mit ihren Plänen, mehr Frauen in Führungspositionen zu bringen. Sollten europäische Firmen nicht binnen eines Jahres mehr Frauen in der Chefetage haben, drohen gesetzliche Quoten.

Foto © APA

Die EU erneuert den Druck auf Firmen, mehr Frauen den Weg in die Chefetagen zu ebnen. Vize-Kommissionspräsidentin Viviane Reding sprach am Dienstag in Brüssel mit europäischen Führungskräften über ihre Strategien zur Gleichberechtigung, wie die Kommission mitteilte. Sollten in einem Jahr nicht genügend Fortschritte feststellbar sein, schließt Reding demnach gesetzliche Quoten nicht aus.

"In den kommenden zwölf Monaten gebe ich der Selbstregulierung eine letzte Chance", erklärte Reding. Die börsennotierten Unternehmen sollten sich selbst dazu verpflichten, den Frauenanteil in den Vorständen bis 2015 auf 30 Prozent und bis 2020 auf 40 Prozent zu steigern. Zum Internationalen Frauentag am 8. März 2012 werde die Kommission prüfen, ob es Fortschritte in diese Richtung gegeben habe. "Wenn es nicht passiert, können Sie auf meine regulatorische Kreativität setzen", erklärte Reding nach einem Treffen mit Chefs europäischer Großunternehmen aus zehn EU-Staaten. Aus Österreich waren als Vertreter der Strabag Alfred Gusenbauer und von Post, OMV und Telekom Austria Peter Michaelis als Teilnehmer des Treffens genannt.

Europas Unternehmen sind der Kommission zufolge weiter überwiegend in männlicher Hand. So seien nur zwölf Prozent der Mitglieder der "höchsten Führungsgremien" der größten Firmen Frauen, 88 Prozent aber Männer. Frauen verdienen EU-weit durchschnittlich 17,5 Prozent weniger als Männer, der Lohnunterschied habe sich in den letzten Jahren nicht verringert.

Das Ungleichgewicht schade den Firmen, erklärte die Behörde. Unternehmen mit weiblichen Vorständen "erzielen höhere Betriebsergebnisse, sind attraktivere Arbeitgeber für junge Talente und haben ein besseres Kundenverständnis". Studien wiesen auf Zusammenhänge zwischen Geschlechtergleichgewicht und Spitzenleistungen bei Kreativität und Innovation, aber auch auf Feldern wie Rechnungslegung und Innenrevision hin.

Reding ist als EU-Justizkommissarin auch für Gleichstellungsfragen in Europa zuständig. Ihr zufolge sind zehn Prozent der Vorstandsposten in europäischen Großunternehmen von Frauen besetzt. In 97 Prozent der Fälle sei der Unternehmenslenker ein Mann.

In einem von Reding und Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek heute im "Standard" veröffentlichten Kommentar sprechen sich die beiden für einen Wandel in den Chefetagen aus. Es sei Zeit, dass sich die Unternehmen entscheiden: "Kommt der Durchbruch von alleine, oder muss der Gesetzgeber nachhelfen?"

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