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Zuletzt aktualisiert: 05.02.2011 um 20:16 UhrKommentare

Mit 95 Jahren noch täglich in der Mühle

Ein Leben ohne seine geliebte Mühle ist für Alois Weinhandl unvorstellbar. Trotz seines hohen Alters verbringt der Müllermeister aus Dirnbach immer noch den ganzen Tag im Mühlenbereich.

Foto © Johann Schleich

Vieles hat sich im Müllerleben im Laufe von neun Jahrzehnten geändert. "Die Müller an der Raab waren die Fürsten des Raabtales. Zu denen fuhren auch die großen Bauern der Region zum Vermahlen ihres Getreides. Zu uns kamen die Keuschler", erzählt Alois Weinhandl. Gemahlen oder geschrotet wurden Roggen, Weizen, Hafer, Heiden und Mais, während das ehemalige Hauptnahrungsmittel der Bauern, die Hirse, auf der Stampfe nur geschält wurde. "In Milch gekocht zählte der Hirsebrei zur fast täglichen bäuerlichen Abendspeise. Jeder Bauer brachte zum Mahlen seines Getreides auch einen Sack Hirse mit", erinnert sich Weinhandl noch gut an die Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg.

Mehl statt Geld

Die Weinhandl-Mühle, die 1848 in den Besitz der Familie kam, arbeitete als Lohnmühle. Weil es an Geld fehlte, bezahlten die Bauern für das Mahlen des Getreides mit Mehl. Man sprach bei diesem Mahllohn vom "Maut nehmen". Während des Mahlens waren die Mahlbauern in der Mahlstube, spielten Karten und unterhielten sich. Das Mehl kam zurück in die Zwilchsäcke. Zuerst wurde das "schöne Mehl" hinein geschüttet, an der Sackaußenseite am oberen Mehlrand dann mit Kreide ein Strich gezogen, dann das Semmelmehl eingefüllt. So konnte der Bauer beim Ausleeren der Säcke feststellen, wann das feine Mehl kommt, um es in einen anderen Behälter zu schütten.

Ins Gedächtnis eingeprägt hat sich bei Weinhandl der 1. September 1939, als der Zweite Weltkrieg begann. Er arbeitetet allein in der Mühle, als junge Bauern kamen, die Nazis waren: "Ich habe sie angeschrien: ,So weit habt ihr es gebracht, dass jetzt Krieg ist!' Mein Vater stellte das Radio an das Fenster, dass alle hören konnten, was Hitler sagte." Schon am nächsten Tag musste Weinhandl einrücken. Ich Laufe des Krieges kam er bis 50 Kilometer nördlich von Stalingrad, wo er verwundet wurde. Nach Kriegsende geriet er in die Gefangenschaft in jugoslawischer Partisanen.

Der 95-jährige Müllermeister hat die Geschichte des Müllerlebens von der einfachsten Form des Enthülsens von Getreide mit Stampfen und des Mahlens mit Wasserradantrieb über den Turbineneinbau und weitere technische Neuerungen bis zur heutigen, nach modernen Richtlinien ausgestatteten Weinhandl-Mühle miterlebt. In der Ölpresse stand eine Holzspindelpresse in Betrieb, wie sie seit Jahrhunderten bekannt war.

Schwerarbeit

In erster Linie wurde Rips zu Öl gepresst, Kürbiskerne wurden nur in den Wintermonaten gepresst. Kürbiskernöl war viel seltener als Ripsöl. Die gemahlenen Kürbiskerne wurden von Frauen in Holzmultern mit den Händen geknetet. Der Ölschlegl, wie der Ölmüller genannt wurde, röstete die Masse, schlug sie in ein Leinentuch ein und presste sie auf der Holzspindelpresse aus.

Gut in Erinnerung sind Weinhandl die schweren Arbeiten des Müllers, das Tragen der schweren Mehlsäcke und der Holzbehälter mit unfertig gemahlenen Mehlen zu den einzelnen Stockwerken in der Mühle. All das wurde durch technische Neuerungen beendet.

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