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Zuletzt aktualisiert: 23.12.2012 um 05:25 UhrKommentare

Neue Masche

Hauben mit Köpfchen: Kristina Forstlechner produziert als Mützenmafia die derzeit beliebtesten Wollstücke der Stadt.

Foto © Kanizaj

Viele stellen es sich ja so vor: Ältere Damen treffen sich bei Kaffee und Kuchen, tauschen Tratsch und nebenher schlingen sie Fäden um ihre Finger, verwurschteln Wolle. Ein neues Deckchen fürs Fensterbrett soll her. Wenn überhaupt: So war das vor einhundert Jahren. Heute häkeln sie längst alle. Eine ganz besonders erfolgreich. Sie treibt die Kunst der halben und ganzen Stäbchen auf die Spitze: Kristina Forstlechner, Oberhaupt der Mützenmafia.

Es war im letzten Jahr, da hat es der damals 22-Jährigen gereicht. "Ich war auf der Suche nach der perfekten Mütze, die zu meinem Wakeboard passt", erzählt die Jungunternehmerin. Gefunden hat sie das passende Stück nirgends. Zum Haareraufen, wirklich. Nur: Den Kopf in den Sand stecken, das macht man nicht. Vielmehr besorgte sich Forstlechner erhobenen Hauptes eine Häkelnadel und Wolle. Der Anfang einer ganzen Reihe von Kettenmaschen. "Die erste Mütze war noch pyramidenförmig, ich musste halt erst lernen, wie es richtig gemacht wird." Irgendwann - nach mehr als 30 fertigen Haubenproben - hatten die Handarbeiten dann aber mehr Kopf als Fuß, wie es bei Mützen im Idealfall eben sein soll. Und freiwillige Models, quasi Werbeträger, haben sich auch schnell gefunden. Familie und Freunde waren so begeistert von den Wollwerken, sie wurden flugs eingedeckt. Bald sollte dann auch schon das restliche Graz folgen.

Selbstläufer durch Selbsthilfe

Mit 23 Jahren ist Kristina Forstlechner jetzt Geschäftsführerin der Mützenmafia, beschäftigt zwischen vier und sechs Mitarbeiter, beliefert Großkunden in ganz Österreich, etwa den Sport Eybl in Kaprun, einen Concept Store in der Wiener Mariahilferstraße. "Klar, das war zu Beginn ein großer Spagat. Mit Uni, 20-Stunden-Job und Zeit für Freunde. Ein bisschen verzweifelt war ich zwischendurch schon." Vor allem: Niemand würde einem sagen, wie es gemacht gehört. Forstlechner: "Ich hätte mir ein ,Unternehmensgründung für Dummies' gewünscht." Auch ohne schlauen Ratgeber, das Geschäft läuft gut, jetzt im Winter sowieso, die Grazerin kann gar nicht allzu viel falsch gemacht haben. Daumen hoch.

Häkelheldin

Wenn Forstlechner über ihre Firma spricht, zeigen sich sofort ihre Stärken. Die Häkelheldin ist selbstbewusst, wirkt gleich so. Das muss sie aber auch. "Die größte Schwierigkeit ist, in meinem Alter ernst genommen zu werden. Da gibt's zuerst immer den Aha-Effekt, etwas Skepsis." Forstlechner überzeugt trotzdem. Weil man ihr schon auch anmerkt, wie bestimmend sie sein kann, kommt es drauf an. Außerdem setzt die Studentin - einfach, aber effektiv - ganz auf ihre Produkte. Mützen, Schals, Taschen, alles ist handgemacht, aus Österreich, die Qualität: eins a. So hat sie auch Kastner & Öhler als Kunden gewonnen. "Da waren noch andere Mützenhersteller, mit Ständen, mit allem Drum und Dran. Ich bin nur mit einem Korb dagestanden." Das reichte aus.

Dann musste geschwind gehäkelt werden. Die Bestellungen bei der Mützenmafia bewegen sich in hohen Hunderterstellen, flinke Finger sind gefragt. Und: Durchhaltevermögen. Forstlechner: "Ich habe noch immer Spaß an der Arbeit, ich habe noch immer den Biss, viele Ideen. Ich bin noch nicht angekommen." Mützen mit Nieten sollen folgen, neue Kunden, neue Helferlein auch. Und falls das Christkind noch Kapazitäten hat, einen Wunsch gäbe es: "Es ist vielleicht naiv, aber ich würde gerne durch die Straßen gehen und noch viel mehr Menschen mit meinen Mützen sehen." Dem Stadtbild würd's wohl nicht schaden.

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Grazer des Jahres 2012

Fakten

  • Kristina Forstlechner wurde am 19. Jänner 1989 in Graz geboren. Sie studiert BWL, steht kurz vor dem Abschluss als Bachelor. Nebenbei arbeitet sie als Marketingmanagerin bei einer Friseurkette. Seit einem Jahr ist Forstlechner auch Oberhaupt ihrer eigenen Firma, der Mützenmafia. Ihre Produkte - etwa gehäkelte Hauben und Taschen - kann man seit heuer unter anderem bei Kastner & Öhler kaufen.

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