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Zuletzt aktualisiert: 06.05.2012 um 21:06 UhrKommentare

Aus für "Merkozy"

Die deutsche Bundeskanzlerin muss sich nach fünf Jahren an einen neuen französischen Präsidenten gewöhnen. Experten fürchten, dass es lange dauern könnte, bis sie sich mit seinem Nachfolger François Hollande zusammenrauft.

Foto © APA

Diese Konstruktion namens "Merkozy" war schon immer ein etwas merkwürdiges Gebilde. Jetzt ist sie Geschichte. Angela Merkel muss sich nach fünf Jahren mit Nicolas Sarkozy an einen neuen französischen Präsidenten gewöhnen: Francois Hollande - einen Mann, mit dem die deutsche Bundeskanzlerin bisher wenig verbindet und den sie persönlich auch noch kein einziges Mal gesehen hat.

Von "Merkollande" redet in Europa also aus gutem Grund niemand. Merkel hatte auch nie einen Hehl daraus gemacht, dass sie lieber mit Sarkozy weitergearbeitet hätte, auch wenn die Anfänge nicht ganz einfach waren. Die spannende Frage ist nun, wie schnell sie mit Hollande auf eine halbwegs gemeinsame Linie kommt. Nicht wenige Experten fürchten, dass das dauern kann.

Zwar verbindet die Kanzlerin und den neuen Präsidenten einiges, angefangen vom Alter. Beide sind Jahrgang 1954, nur wenige Tage voneinander getrennt. Beide gelten als Pragmatiker der Macht, die mit Polit-Theater nicht viel anzufangen wissen. Aber sonst liegen zwischen der CDU-Vorsitzenden und Frankreichs langjährigem Sozialistenchef Welten. Zu Hause gilt Hollande zwar als gemäßigt. Aber für deutsche Verhältnisse ist er eindeutig ein Linker.

Mit seiner Forderung nach einer Neuverhandlung des von 25 EU-Ländern vereinbarten Fiskalpakts brachte der 57-Jährige im Wahlkampf die deutsche Seite gegen sich auf. Das ging so weit, dass Merkel es ablehnte, ihm im Kanzleramt auch nur einen Termin zu geben. Auf die Frage, was Berlin von Hollande erwarte, lautete die Standard-Antwort im schwarz-gelben Regierungslager eine ganze Weile: "Wenig Gutes."

Vor einigen Tagen schon begannen beide Seiten aber damit, sich um freundlichere Töne zu bemühen. Im TV-Duell gegen Sarkozy überraschte Hollande letzte Woche sogar mit einem Lob. Deutschland habe es in Sachen Arbeitslosigkeit und Wettbewerbsfähigkeit "besser gemacht als wir". Von der Forderung nach einem geänderten Fiskalpakt rückte er ab. Jetzt will er nur noch einen Wachstumspakt als Ergänzung.

Dagegen hat auch Berlin im Prinzip nichts einzuwenden. Außenminister Guido Westerwelle (FDP) verkündete am Sonntag: "Wir werden uns nach der Wahl zügig an die Arbeit machen, um dem Fiskalpakt für weniger Schulden einen Wachstumspakt für mehr Wettbewerbsfähigkeit hinzuzufügen." Geklärt werden muss allerdings noch, wie ein solcher Zusatz-Pakt aussehen soll. Darüber gehen die Meinungen sehr weit auseinander.

Die Hoffnung ruht nun darauf, dass die deutsch-französische Freundschaft schon viele Machtwechsel überstanden hat. Im nächsten Jahr wird der Elysee-Grundlagenvertrag 50 Jahre alt. In dieser Zeit gab es immer wieder Präsidenten und Kanzler aus parteipolitisch unterschiedlichen Lagern. Der Sozialdemokrat Helmut Schmidt und der Konservative Valery Giscard d'Estaing kamen ebenso miteinander aus wie der Christdemokrat Helmut Kohl und der Sozialist Francois Mitterrand.

Am guten Willen jedenfalls sollte es nicht fehlen. Noch für den Sonntagabend war das erste Telefongespräch zwischen Merkel und Hollande geplant. Am 15. Mai - dem Tag der offiziellen Amtsübernahme - wird Frankreichs neuer Präsident zu seiner ersten Dienstreise in Berlin erwartet. Und gleich danach steht in den USA beim NATO-Gipfel und beim G8-Gipfel schon das erste gemeinsame lange Wochenende an.

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