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Zuletzt aktualisiert: 06.05.2012 um 19:57 UhrKommentare

Hollande: Neuer Stil zieht in den Präsidentenpalast ein

Der wegen seines zurückhaltenden Auftretens oft unterschätzte Hollande fuhr bei den Präsidentschaftswahlen einen klaren Vorsprung vor Nicolas Sarkozy ein. Den Wahltag verbrachte er in der Provinz, gefeiert wird, anders als bei den Sarkozys nicht im Nobelrestaurant.

Foto © Reuters

Der Jubel bei den französischen Sozialisten kennt keine Grenzen: Erstmals seit 24 Jahren wurde am Sonntag ein Sozialist zum Präsidenten Frankreichs gewählt, erstmals seit der Ära von Francois Mitterrand, der von 1981 bis 1995 an der Spitze des Landes stand. Geschafft hat dies François Hollande, ein Mann, der lange als Provinzpolitiker und Parteisoldat belächelt wurde. Der 57-Jährige holte offenbar sogar ein besseres Ergebnis als sein Vorbild Mitterrand: 52 bis 53 Prozent der Franzosen stimmten für ihn, Mitterrand war bei seiner ersten Wahl auf 51,8 Prozent gekommen.

Schon lange vor den offiziellen Hochrechnungen der Institute um 20.00 Uhr feierten die Anhänger der Sozialisten in den Straßen von Paris, als die ersten Ergebnisse bekannt wurden. "Ich bin 24 Jahre alt, ich habe nur die Rechte an der Macht gekannt, ich bin sehr ergriffen", jubelte ein junger Mann. Fahnen und lautes Autohupen begleiteten die Welle der Begeisterung vor der Parteizentrale an der Rue de Solferino. Parteisprecher Benoit Hamon verkündete stolz, dass nun die "17-jährige Herrschaft der Rechten im Elysee-Palast zu Ende geht".

Dass mit Hollande ein neuer Stil im Präsidentenpalast einziehen wird, das machte der langjährige Parteichef der Sozialisten am Sonntag bereits deutlich. In der beschaulichen Provinzstadt Tulle verbrachte er den Tag, schüttelte Hände, ging dort wählen. In Begleitung seiner Lebensgefährtin Valerie Trierweiler will er vor der Kathedrale von Tulle am Abend seine ersten Worte an die Franzosen richten. Erst später am Abend will der künftige Präsident zusammen mit seinen Anhängern in Paris an der Bastille feiern, dort, wo auch Mitterrand am 10. Mai 1981 seinen historischen Wahlsieg gefeiert hatte.

Welten liegen zwischen den Auftritten Hollandes, der ausdrücklich auch als Präsident "normal" bleiben will, und den einstigen Siegesfeiern von Nicolas Sarkozy. Der unterlegene konservative Präsident hatte seine Wahl zum Staatschef 2007 im Nobelrestaurant Fouquet's zelebriert und gleich danach Ferien auf der Luxusyacht eines Millionärsfreundes gemacht. Dieser Hang zu den Schönen und Reichen wurde Sarkozy am Ende ebenso zum Verhängnis wie seine magere Wirtschaftsbilanz mit hoher Arbeitslosigkeit und Staatsverschuldung.

Für die Sozialisten (PS) war der Weg zum Wahlsieg steinig: Erst stolperte der große Hoffnungsträger Dominique Strauss-Kahn im vergangenen Jahr über seine Sex-Affären im New Yorker Sofitel. Danach musste sich das sozialistische Lager neu sortieren, denn Parteigrößen wie PS-Chefin Martine Aubry hatten ursprünglich zugunsten Strauss-Kahns auf eine Kandidatur verzichten wollen.

Schließlich gewann Hollande die Vorwahlen der Sozialisten, obwohl seine eigenen Parteifreunde ihn im internen Wahlkampf als "schlaff" attackiert hatten. Seine Ex-Lebensgefährtin Segolene Royal stichelte: "Können die Franzosen eine Sache nennen, die er in 30 Jahren politischen Lebens geschafft hat?"

Doch der wegen seines zurückhaltenden Auftretens oft unterschätzte Hollande schaffte es nicht nur, die Flügel seiner Partei hinter sich zu scharen, sondern auch seinen klaren Vorsprung gegenüber Präsident Nicolas Sarkozy monatelang zu verteidigen. Ausreißer oder Schnitzer gab es im Wahlkampf der Sozialisten kaum, sicher auch dank des für seine Vorsicht bekannten Hollande.

Mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), die sich im Wahlkampf mit ihrer Unterstützung für Sarkozy weit aus dem Fenster gelehnt hatte, will Hollande schon sehr bald telefonieren. Markige Wahlkampf-Sätze des Sozialisten wie "es ist nicht Deutschland, das für ganz Europa entscheiden wird" dürften bald Pragmatismus weichen. Und auch in Berlin, wo Hollandes Europa-Kurs anfangs auf Empörung stieß, hatten Merkel und ihre Mitarbeiter lange genug Zeit, sich auf den Wechsel in Paris einzustellen. Beide werden sich voraussichtlich schon in wenigen Tagen persönlich kennenlernen: Hollandes erste Auslandsreise wird nach Berlin führen.

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