27. November 2014, 18:19 Uhr | Aktualisiert vor 2 min | Als Startseite
Zuletzt aktualisiert: 23.04.2012 um 20:22 UhrKommentare

Die bezwungene Natur in der aktuellen Kunst

Es gibt keine Naturlandschaften mehr, die Zivilisation dringt in die entlegensten Räume vor. Die Jahresausstellung im "kunsthaus muerz" zeigt, wie sich das in der Kunst spiegelt.

Foto © Franz Pototschnig

Für Michael Goldgruber, den Kurator der Ausstellung "Ground Control" im Kunsthaus Mürzzuschlag, ist es völlig klar: Man darf den Bildern, die eine unberührte Natur vermitteln, nicht trauen. "Die Realität sieht anders aus, die Natur ist besetzt, verwaltet, reguliert und domestiziert", sagt Goldgruber.

Die idyllisch verklärte Sichtweise von "Universum" und anderen Programmen ist für Goldgruber angesichts der Ausbeutung, Verschmutzung und Zerstörung der Natur nichts anderes als Gehirnwäsche für die Zuschauer. Jede Landschaft bis in die entlegensten Winkel unserer Erde ist vermessen, verwaltet, kontrolliert und reguliert - also "zivilisiert".

Aber wie spiegelt sich das in der zeitgenössischen Kunst wider? Goldgruber machte sich auf die Suche nach der Rezeption von Landschaft in der Gegenwartskunst, und er hat ein sehr breites Spektrum an Bildern, Videos, Tondokumenten, Plastiken und Installationen zusammengetragen, die unter dem Titel "Ground Control" derzeit im kunsthaus muerz zu sehen sind.

23 Künstler nähern sich dem Thema auf sehr unterschiedliche Art und Weise. Sonja Braas etwa bildet Naturkatastrophen im Modell nach und fotografiert sie. Damit wird nicht nur kontrolliertes Chaos erzeugt, sondern auch der Begriff "Naturkatastrophe" hinterfragt.

Peter Sandbichler thematisiert in "Floating Maze" die fragile Tragfähigkeit unserer Erde, und zwar macht er das mittels Holzpaletten, die auf Gummibällen eine schwankende Plattform bilden. Gregor Sailer fotografiert die "touristische Eroberungsarchitektur" im Alpenraum. Klaus Dieter Zimmer zeigt "Freizeitentwürfe" mitten in der Natur.

Das Spannungsverhältnis zwischen Technik und Natur wird immer wieder thematisiert. Aber auch die Inanspruchnahme durch Sport und Freizeitindustrie ist ein ergiebiges Betätigungsfeld für die Kunst. Die Ausstellung im kunsthaus muerz zeigt in sorgfältig gewählter Anordnung, wie vielfältig die künstlerische Umsetzung von Zivilisationskritik ist.

Ground Control. Jahresmuseum im kunsthaus muerz. Do-Sa 10-18 Uhr, So 10-16 Uhr, für Gruppen nach Vereinbarung, bis 10. Juni. www.kunsthausmuerz.at

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