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Zuletzt aktualisiert: 21.04.2012 um 23:53 UhrKommentare

In die Landluft gehen

G7 wandert weit(er). Von Graz nach Marburg, 125 Kilometer in fünf Tagen, gesäumt von jeder Menge Frühling - mit Bärlauch, blühenden Bäumen und frisch gedüngten Feldern.

Foto © Foto: Schafferhofer/Müller

Wir hätten mit dem Auto fahren können (50 Minuten), mit dem Zug (60 bzw. 90 Minuten) oder mit dem Fahrrad (ca. 70 Kilometer). Aber "Geh Sieben" hat nach dem Vorjahresmarsch am Grazer Umlandweg (GUW), auf dem wir einen 188 km weiten Bogen um Graz machten, die Wanderlust gepackt - und den 8-Kilo-Rucksack.

125 Kilometer lang ist die von den Naturfreunden zusammengestellte Wanderstrecke (siehe Grafik), die in die aktuelle Kulturhauptstadt führt. Zunächst auf dem "Grabenland-Trail" von Fernitz bis zur Grenze, einem circa 130 Kilometer langen Rundweg durch die Südoststeiermark. Durch eine sanfte, hügelige, wanderswerte Gegend, die von touristischer Infrastruktur weitgehend verschont wurde: Am Ende der Etappe I (St. Ulrich am Waasen) gibt es keine Übernachtungsmöglichkeit. Wir müssen es bis nach Allerheiligen bei Wildon schaffen. Also ändern wir den Routenplan noch vor dem Start und tauschen den Fußweg vom Grazer Zentrum nach Dörfla (zweieinhalb Stunden) gegen den Bus (30 Minuten).

Dörfla - Allerheiligen

So sind wir schneller aus der Stadt draußen, als uns lieb ist, und tauchen hinter dem Sportplatz Dörfla im Rekordtempo in die Natur ein. Schon nach fünf Minuten springt ein Reh an uns vorbei, in die Nase dringt Bärlauchduft. Die Stadt? Meilenweit entfernt. Nach dem Auwald der Mur passieren wir den kleinen Tierpark Aumühle vor Fernitz - wo 2011 unser Anfangs- und Endpunkt des Umlandweges war.

In Fernitz muss man aufpassen, die richtige Strecke (Nr. 792) zu wählen. Dort trifft man auf den Josef-Krainer-Weg mitsamt der Gedenkstätte zu seinen Ehren. Diese Strecke über St. Ulrich am Waasen und weiter nach Allerheiligen bei Wildon stand auch im Vorjahr auf dem Plan, doch diesmal ist alles anders. Die Frühlingssonne lässt alles in einem anderen Licht erscheinen als die brutalen UV-Strahlen vom letzten August. Wir wandern über frisch gesprossenes Gras, vorbei an blühenden Obstbäumen, hügelauf und hügelab - und begegnen wenigen Menschenseelen.

Bestens gelaunt kehren wir bei unserem ersten Übernachtungsquartier im Stiefingtal ein. Im Gasthaus "Harmonikahansl" wird aufgespielt und herausgeputzte Senioren wagen ein Tänzchen. "Wer ist überhaupt der Harmonikahansl?", fragen wir den Wirt beim Frühstück. "Ganz einfach, ich." Seit mehr als 70 Jahren ist der Gasthof, der nun in der dritten Generation von Johann Windisch geführt wird, für seine Hausmusik bekannt. Der Hansl wünscht uns eine gute Weit(er)wanderung und steigt in seiner Jacke der "Biker's Allerheiligen" auf den Traktor.

Allerheiligen - St. Stefan

War es anfangs noch der Bärlauch, begleitet uns fortan eine strengere Duftnote: frische Jauche. Die "Landluft" haftet so stark an Fleecepulli, Rucksack und Haar, dass wir beim Einkehren lieber draußen bleiben. In Frannach (Bezirk Feldbach) wäre eh kein Gasthaus offen gewesen. Dafür dankenswerterweise die WC-Anlage der Volksschule.

Über Kleinfrannach folgen wir den Seitenstraßen, bis wir auf eine hübsche Kirchturmspitze und einen fast schon städtischen Ort runterschauen: Kirchbach. Ganze drei Wirtshäuser sind offen: Das wird uns bis Marburg in keinem Ort mehr passieren.

Für eine der wenigen Übernachtungsmöglichkeiten gehen wir einen kleinen Umweg über den Rosenweg hinunter nach St. Stefan im Rosental. Erst einmal schlafen, denn: Nach Marburg ist es noch "a broada Weg", wie es Frau Schlögl ausdrückt. In ihrem Gästehaus schlupfen wir unter, nachdem wir den ersten Wein der Gegend am Nordzipfel der Weinregion beim "Rosenwirt" gekostet haben. Mehr Wein- und Beinarbeit folgt weiter südlich.

Nächste Woche: Etappe 3-5, von St. Stefan/Rosental nach Marburg.

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