27. November 2014, 11:46 Uhr | Aktualisiert vor 2 min | Als Startseite
Zuletzt aktualisiert: 23.04.2012 um 16:18 UhrKommentare

Gaultier wird 60: Schneidern, um geliebt zu werden

Seit 36 Jahren mischt Jean-Paul Gaultier die Welt der Luxusschneider auf: Das ehemalige "Enfant terrible" der Modewelt wird am Dienstag (24. April) 60 Jahre alt wird.

Foto © Reuters

Korsagen, Popo-Dekolletes und Nippelblitzer: Entwerfen, um von der Welt geliebt zu werden, ist ein ungewöhnlicher Beweggrund für das Mitmischen auf dem Jahrmarkt der Eitelkeiten. Doch Jean-Paul Gaultier passt in keine Schublade. "Dadurch werde ich geliebt", sagte der blondierte Designer erst vor wenigen Wochen bestimmt. Das ehemalige "Enfant terrible" der Modewelt, das am Dienstag (24. April) 60 Jahre alt wird, steht auf dem Höhepunkt seiner Karriere.

Stars lieben ihn

Madonna lässt sich von ihm ihr Tournee-Outfit schneidern und auch Lady Gaga schätzt ihn. Was auf Gegenseitigkeit beruht, auch wenn der Schneidermeister findet, dass die exzentrische Sängerin keine Stilikone sei.

Gaultier hat den richtigen Beruf gewählt. Promis drängeln sich in seinen Modeschauen und trotz Krisenzeiten hält sich der Franzose gut im Geschäft. "Es gibt viele Häuser, die mit Couture Geld verlieren", fügte der Designer in dem Interview mit der "New York Times" hinzu. Er verdiene zwar nichts, mache aber auch keine Verluste. Wichtig sei für ihn, dass er für Promis und alle, die sich seine Entwürfe leisten können, weiter schneidern kann. Und das sind noch recht viele.

In 36 Jahren hat er sich einen Platz im Olymp der Modedesigner gesichert. "Aufgehende Sonne", "Schock" oder "Pool party": Rätselhafte Namen hinter denen sich Kreationen verstecken, die sich stets erneuern. Kein Kleid oder Rock gleicht dem anderen. Die Frau als schlangenähnliches Wesen im Jersey-Minirock mit Pythonschuppen oder im hautfarbenen Gaze-Body, seine fantastische Schnittkunst ist fast schon Kunst. Und dass obwohl er nie sein Handwerk in einem Modestudium erlernt hat.

Gaultier wuchs als Sohn eines Buchhalters und einer Kassierin in der Nähe von Paris auf. Er wusste schon früh, was er wollte. Als noch sehr junger Mann schickte er seine Skizzen berühmten Modeschöpfern zu. Pierre Cardin entdeckte sein Talent als erster. Er engagierte ihn im Jahr 1970 als Assistent. Dann verlief alles wie in einem Märchen aus Tausend und einer Nacht: Als 24-Jähriger stellte er seine eigene Linie vor und 1978, nur zwei Jahre später, gründet er sein nach ihm benanntes Modehaus.

Sein Bedürfnis, geliebt zu werden, ist groß. Heute kreiert er Haute Couture für Männer und Frauen, von 2004 bis 2011 entwarf er die Damen-Linie für Hermes und im Parfumsegment brachte er einen Klassiker nach dem anderen auf den Markt.

Mit seinem Ringelpullover und seinen blondierten Haaren hat Gaultier alles erreicht, was man auf dem Jahrmarkt der Eitelkeiten erreichen kann. Seine Kreationen werden nicht nur getragen, sondern auch in Museen ausgestellt, wie derzeit in San Francisco im Young Museum und zuvor im kanadischen Montreal.

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