26. November 2014, 12:17 Uhr | Aktualisiert vor 2 min | Als Startseite
Zuletzt aktualisiert: 22.02.2013 um 08:40 UhrKommentare

Ganz nah am Herzen Afrikas

Wer nach Kamerun reist, erlebt freundliche Pygmäen, bunte Frauen, Krabben-Hellseher, kleine Königreiche mit Blutspritzern und afrikanische Gegenwart, die hart sein kann.

Foto © http://www.flickr.com/photos/beckmann/415873909/sizes/z/in/photostream/

Vermutlich gibt es kein freundlicheres Tor nach Inner-Afrika als den Markt von Marouna. Hier im hohen Norden Kameruns, kurz vor den zehrenden Fährnissen der Sahelzone, scheinen Vielfalt und Lebenslust ein letztes Fest zu feiern. Da sind sie, die Fulbe, die Mandara, die Kapsiki, die Mofu und wie sie alle sonst noch heißen. Freundliche Männer in T-Shirts, Kaftan oder Jeans. Frauen, in unendlicher textiler Farbenvielfalt mit Kopftuch, Schleier, mit baren Häuptern und manchmal, meist, wenn sie älter sind und aus den Bergen kommen, auch mit blankem Busen. Muslims, Animisten, Christen. Jeder wohlgesonnene Gott würde zufrieden lächelnd auf diesen Menschenmix blicken. Der irdische Betrachter wird mit einem Augenrausch und heiterer Freundlichkeit belohnt.

Atemberaubend

Der Weg nach Rhumsiki führt Europäer in scheinbar ferne Vergangenheit. Fast alle Leute wohnen in Rundhütten aus Lehm, Holz und mit Strohdach. Je nach Anzahl von Frauen und Kindern können die Gehöfte um ein Atrium herum erweitert werden. Möbel und Werkzeuge sind archaisch. Töpferinnen fertigen teils riesige Krüge für den Hausgebrauch. Wohl nirgendwo sonst werden leere Petflaschen so freudig entgegengenommen wie hier in den Mandarabergen, aus ihnen werden Trinkgefäße, Schüsserln und dergleichen.

Die Piste ist anspruchsvoll: Zweieinhalb Stunden quälen sich unsere Allradler mit läppischen 48 Kilometern ab. Dann eröffnet sich eine Berglandschaft ohnegleichen. Riesige Felspfeiler ragen aus ihr empor, vom atemberaubend gelegenen Camp fliegt der Blick weit übers Land. Adler kreisen, ein Dutzend Kuhreiher wirbelt durch das Himmelblau.

Hier in Rhumsiki besuchen wird das Krabbenorakel. Ein zerfurchter Alter sitzt in seiner Steinzeithütte, nimmt Fragen entgegen und liest aus den Bewegungen eines Flusskrebses die Antworten. Umgerechnet 1,40 Euro kostet das, für die (noch) raren Touristen ein Spaß, für die einheimische Hauptkundschaft manchmal lebensentscheidend.

Nachtzug

Wer von hier in den dampfgrünen Süden Kameruns will, wird erst noch einmal hundert Kilometern Buckelpiste unterzogen.

Danach wartet eine Asphaltstraße, in deren Schlaglöchern das halbe Mittelmeer Platz fände, 300 Kilometer bis Ngaoundéré. Dort empfiehlt sich der Umstieg auf den Nachtzug in die Hauptstadt Yaoundé. 14 Stunden und 620 Kilometer gemütliches Lungern in einer scheppernden Geräuschkulisse, die europäische Bahnfahrer meist schon vergessen haben. Mit dem Auto, so hören wir, hätten wir drei Tage gebraucht.

1000 Frauen

Die Chefferie Bafut bei Bamenda im Südwesten gewährt Einblick in die Machtstrukturen Kameruns. Es gibt an die 300 kleine Königreiche, deren Oberhäupter sowohl die religiöse als auch juristische Instanz sind. Auch wird ihnen von den Bauern ein Zehent gebracht. Sie sind der Regierung verpflichtet, lokaler Protest gegen sie ist nicht gestattet. Das Amt ist erblich und hier in Bafut ist Abumbi II König. Seit 1968 und wohl bis an sein Lebensende. Mit 21 Frauen und zahlreichen Kindern bewohnt er ein großes Anwesen, in dessen Mittelpunkt das Geisterhaus steht. Abumbis Vater hatte noch über 150 Frauen geboten, sein Großvater über rund 1000. Er hatte noch gegen die deutschen Kolonialisten gekämpft.

Vergangenheit und Gegenwart sind verflochten: Große Versammlungen werden immer noch per Tam-Tam-Trommel einberufen, im Hof finden sich Blutspuren regelmäßiger Ziegenopfer (der letzte Mensch wurde hier 1914 rituell getötet). Und dann sitzt da eine der Prinzessinnen vor der Hütte und spielt Musik vom Handy. Abumbi, ein eloquenter Machthaber, fährt Mercedes.

Ab in den Süden Kameruns. Das gesunde Grün des dichten Urwaldes und der Bananenfelder steht im tröstlichen Gegensatz zur Elendigkeit der meisten Behausungen entlang der Straße. Verhungern muss der Reisende nicht, Bananen, Ananas, Maniokkuchen, scharfer Pistazienkäse und mehr werden feilgeboten. Und wenn es für den Abend etwas mehr Eiweiß sein soll auch fette Buschratten. In jedem größeren Ort finden sich Grillöfen, an denen man Spieße mit Rind, Huhn oder Antilope bekommt, die lederhart sind, aber köstlich schmecken, ungerechnet 14 Cent das Stück. Endlich kommt man nach Kribi, wo ein Wasserfall direkt ins Meer fällt und kilometerlange Sandstrände warten.

Trommelorgie

In den Wäldern des Südens gibt es noch zahlreiche Pygmäendörfer. Unseres liegt immerhin noch zwei Wegstunden schmalen Buschpfades von der Straße entfernt. Sobald es dunkel ist, entfesseln die freundlichen kleinwüchsigen Dschungelbewohner auf Wunsch eine Trommelorgie, maskierte Tänzer wirbeln ums Feuer, stundenlang. Michael Jackson war eine lahme Ente dagegen.

Kamerun ist Afrika pur, Afrika sehr schwarz ist in Kamerun nie ferne. Es ist kein Ziel für Luxus-Patienten oder Safari-Pauschalisten. Es ist eine Einladung in die Riten und Wurzelstöcke dieses Kontinents zu schauen, in eine Vergangenheit, die oft nur ein paar Augenblicke von der Gegenwart entfernt ist.

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Wissenswert

  • Fläche: 475.440 km²
    Einwohner: 20,7 Millionen
    Anbieter: Raiffeisen Reisen, mit Air Brussels
    Reisedauer: 15 Tage
    Preis: Ab 3690 Euro
    Termine: Ab November 2013
    Infotelefon: 01 313 75 82 oder sonntags 0676 830 75 300
    E-Mail: buze@raiffeisen-reisen.at

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