27. November 2014, 15:31 Uhr | Aktualisiert vor 2 min | Als Startseite
Zuletzt aktualisiert: 28.09.2012 um 14:57 UhrKommentare

Karst: Acht Tage Genuss und Meer

Ein flammender Appell: Im Herbst, wenn das Laub blutrot leuchtet, ist die schönste Zeit für den Karst und seine köstlichen Osmize.

Foto © Fotolia / GET

Der Efeustrauß mit rotem Holzpfeil weist verlässlich den Weg. Am Ende wartet eine der unzähligen Buschenschanken - Osmize genannt -, die es nur in der schmalen Landzunge zwischen Gradisca d'Isonzo und Triest gibt. Ein genussvolles Stück Karst, das vom Magen direkt ins Herz zielt. Nichts wie hin. "Osem" heißt auf Slowenisch "acht", daher der Name Osmiza. Kaiser Josef II. erlaubte laut Dekret aus dem Jahr 1784, den Winzern ihren eigenen Wein acht Tage lang auszuschenken. Das tun sie immer noch. Sie wechseln sich so geschickt ab, dass man das ganze Jahr eine offene Osmiza im Karst findet.

Dort sitzt man dann unter Weinlauben und blickt wie verzaubert auf den Golf von Triest, sitzt Seite an Seite mit Einheimischen auf wackeligen Holzbänken oder in dunklen Kellern mit grob verputzten Wänden. Von einer Ecke klingt es slowenisch, von der anderen italienisch. Man lauscht dem melodischen Sprachengemisch des Karsts und genießt gekochten und rohen Schinken, Pancetta mit Kren, Salami in allen Variationen, Käse mit wilden Fenchelsamen und dazu selbst gebackenes knuspriges Weißbrot. Und natürlich Wein. Es sind einfache Bianci und Neri, die herb die Kehle hinunterrinnen.

Wenn man nach mehr Qualität giert, allora, die Edel-Winzer Edi Kante, Benjamin Zidarich, Danilo Lupin? und Boris Skerk aus Prepotto keltern DOC-Karstweine wie Malvasia, Vitovska, Terran und Glera. Letzterer wurde 1830 aus dem Karst-Dorf Prosecco in die Gegend von Valdobbiadene exportiert und machte international Karriere als allseits beliebter Prosecco.

Bei den Dolci treten die Osmiza-Köchinnen mit ihren Strudeln, Krapfen und Palatschinken in Konkurrenz. Kein Wunder, dass die älteren Bewohner des Karsts noch heute ein Loblied auf die Habsburger singen, die ihnen kulinarische Wohltaten, wie Osmize, Strudel und Kaiserfleisch, hinterlassen haben.

Loblied auf die Gegend

Ein Loblied auf die herzzerreißende Gegend zwischen kargen und im Herbst blutrot bewachsenen Felsen und tiefblauem Meer sang auch der Dichter Rainer Maria Rilke. Er machte Sommerfrische im Schloss Duino bei Marie von Thurn und Taxis-Hohenlohe. Rilke - inspiriert von Meer, Luft und Aussicht - schrieb dort seine Duineser Elegien. Die weltoffene Familie hat ihren Reichtum durch die Organisation des Postwesens erlangt. Und im Castello erfährt man auch, wo das Wort Taxi herkommt. Zu lange sollte man in den Hafen-Restaurants in Duino allerdings nicht verweilen, denn der Rilke-Weg ist ein Muss. Er windet sich über dem Meer von Duino nach Sistiana und ist an Dramatik und Ausblick nicht zu überbieten.

Den "brennenden" Karst muss man im Herbst erleben. Die Natur ist in flammendes Rot getunkt und misst sich kokett mit dem Blau der Adria. Die grauen Steindörfer, die wahllos in die Gegend gewürfelt sind, stemmen sich trotzig gegen die Bora, den heulenden Herbstwind, der die Lieblichkeit der Gegend oft ganz schön zerzausen kann.

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