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Zuletzt aktualisiert: 24.11.2010 um 20:10 UhrKommentare

Mobbing und Co. im Internet: Wo der Spaß endet

Mobbing, Stalking, Identitätsdiebstahl. Viele Jugendliche mussten diese Seiten des Web 2.0 bereits kennenlernen. Seit 2001, als die ersten Fälle in Kärnten bekannt wurden, hat sich das Problem rasant vergrößert. Mehr Aufklärung in Schulen soll das nun ändern.

Foto © Ella/Fotolia

Im Grunde war es nichts weiter als ein harmloser Zeitvertreib. Wie meist in ihrer Freizeit war Anna* online. Ihre Freundesliste auf Facebook war gerade auf 183 angewachsen, ein gut aussehender Bursche namens "Ben" hatte ihr die virtuelle Freundschaft angeboten. Das Chat-Fenster ploppte auf und beim schriftlichen Geplänkels merkte die 15-Jährige, dass dieser "Ben" nicht nur gut aussah, sondern auch noch richtig nett war. Man könne doch mal telefonieren, meinte er. Klar, machen wir, schrieb sie zurück.

Ein paar Wochen später sitzt Anna mit ihrer Mutter in der Beratungsstelle von saferinternet.at und weint. Mehrmals täglich bekommt sie auf ihr Handy Anrufe von einem Mann, als der sich der angebliche "Ben" entpuppt hat. Er fordert sie auf, ihm Nacktbilder zu schicken. "Sonst vergewaltige ich dich", sagte er einmal oder: "Sonst bring' ich deine Mutter um". Irgendwann vertraut sich Anna ihren Eltern an.

Das ist kein Einzelfall, im Gegenteil. "Cyberstalking" und "Cybermobbing", also das permanente Verfolgen einer Person und Psychoterror im Internet, haben leider längst Einzug in die Welt der Jugendlichen gefunden.

Seit 2001, als die ersten Fälle in Kärnten bekannt wurden, hat sich das Problem rasant vergrößert. "Viel zu viele persönliche Daten oder Fotos werden ohne zu denken ins Internet gestellt", sagt der "Social-Media-Trainer" Klaus Strassegger. In Seminaren für Lehrer, Eltern und Schüler vermittelt er Kompetenzen in Umgang mit Computer und Handy.

Sorgloser Umgang

Social Media, Web 2.0

Unter Web 2.0 versteht man interaktive Elemente des Internets. Benutzer erstellen Inhalte und vernetzen sich. Zunehmend wird der Begriff Social Media verwendet. Das sind soziale Netzwerke zum gegenseitigen Austausch wie Facebook oder SchülerVZ.

Eine Aufforderung des Bildungsministeriums, dies in den Schulen verstärkt zu tun, ist vor kurzem in allen Landesschulräten Österreichs eingetroffen. Offenbar nicht zu Unrecht. Denn eine aktuellen Studie der EU hat ergeben, dass österreichischen Kinder äußerst sorglos mit ihren persönlichen Daten im Internet umgehen. Demnach stellen neun bis 16-Jährige etwa Telefonnummern, Bilder der Eltern oder Informationen über ihren Aufenthaltsort doppelt so häufig hinein wie ihre Alterskollegen in Deutschland.

Im Kärntner Landesschulrat ist man sich des Problems bewusst. Regelmäßig gibt es deshalb Tagungen für Direktoren und Informatikverantwortliche, die als Multiplikatoren fungieren sollen. In den Schulen findet das Thema im Informatikunterricht und fächerübergreifend Eingang. Wie genau allerdings, das entscheiden die Schulen für sich.

*Name geändert

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Interview

Ahnung haben

  • Eltern sollten sich Kenntnisse über Internet, Handy und deren Risiken verschaffen. Erwachsene, die nur verbieten und kritisieren, ohne eine Ahnung zu haben, werden oft nicht ernst genommen. Jüngere Kinder sollten nur beaufsichtigt surfen. Es empfiehlt sich, den Computer an einem zentralen Platz in der Wohnung aufzustellen.

Privatsphäre schützen

  • Es lohnt sich, genau zu überlegen, welche Angaben man über sich im Internet macht. Auf keinen Fall sollte man Bilder oder Texte veröffentlichen, die einem später einmal zum Nachteil werden könnten. Wenn möglich sollte man auch keine persönlichen Angaben wie Name, Wohnadresse oder Handynummer bekannt geben.

Urheberrechte beachten

  • Das Anbieten und Weiterverbreiten (zum Beispiel in Blogs oder Profilen) von Musik, Videos, Bildern und Software ist - ohne Einwilligung der Urheber - verboten. Es drohen mehrere Tausend Euro Strafen. Auch die Verbreitung von Fotos oder Videos, die andere nachteilig darstellen, ist meist nicht erlaubt.

Umsonst gibt es nichts

  • Auch wenn manches Angebot verlockend klingt - auch im Internet ist selten etwas wirklich kostenlos. Bei "Gratis"-Angeboten sollte man deshalb stets misstrauisch sein, besonders wenn man sich dafür mit Namen und Adresse registrieren muss. Teure Abonnements etwa können die Folge sein.

Dinge melden

  • Stößt man im Internet auf kinderpornographische oder rechtsradikale Inhalte, kann man dies unter www.stopline.at melden. Hat man Probleme mit Cybermobbing oder Ähnlichem, sollte man sich an den Klassenvorstand wenden. Eine Anlaufstelle ist auch die Kärntner Jugendanwaltschaft, die Sozialpädagogen in Schulen schickt.

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