28. Februar 2015, 21:49 Uhr | Als Startseite
Zuletzt aktualisiert: 10.11.2012 um 16:53 UhrKommentare

Der Feind in meinem Netz

Chinas Machthaber haben aufgrund des derzeitigen Parteitages die "Great Firewall" aktiviert. Während viele Millionen Chinesen von der Blockade betroffen sind, gibt sich die Parteispitze modern: "Parteitag reagiert positiv auf das Zeitalter des Internets."

Foto © APA

Mit den massiven Zensurmaßnahmen wegen des Parteitages der Kommunistischen Partei ist erstmals der Zugang zu den Google-Diensten von China aus weitgehend gesperrt worden. Außer der Suchmaschine waren vom späteren Freitag an auch alle anderen Google-Dienste wie Gmail und Maps nicht zu erreichen. Erst im Laufe des Samstags öffnete sich der Zugang langsam wieder. "Wir haben es überprüft, aber auf unserer Seite gab es keine Probleme", teilte Google der Deutschen Presse-Agentur in Peking mit.

<2>Zwischen Zensur und Jubelpropaganda

Nie zuvor waren nach Angaben von Experten so viele Menschen von der Blockade eines Webdienstes betroffen. Auch Tunnelverbindungen, die ungefilterten Zugang zu Informationen aus dem Ausland ermöglichen, werden seit Tagen attackiert und lahmgelegt. Im Gegensatz zu den beispiellosen Internetsperren und Cyber-Angriffen titelte die kommunistische Propaganda am Samstag in einem Bericht über Online-Aktivitäten der Delegierten in Peking: "Parteitag reagiert positiv auf das Zeitalter des Internets."

Es ist der erste Parteitag im Zeitalter sozialer Netze. Im Vorfeld hatten schwere Korruptionsskandale und Machtkämpfe die Partei erschüttert. Die rund 2300 Delegierten werden auf ihrer Sitzung bis Mittwoch einen Generationswechsel in der Führung einleiten. Der 69 Jahre alte Parteichef Hu Jintao wird vom zehn Jahre jüngeren, heutigen Vizepräsidenten Xi Jinping abgelöst. Am Donnerstag soll seine neue Führungsmannschaft vorgestellt werden.

Seit ihren Berichten über das Vermögen der Familien des künftigen Führers Xi Jinping und des scheidenden Regierungschefs Wen Jiabao sind die Webseiten der "New York Times" sowie der Nachrichtenagentur Bloomberg in China gesperrt. Die zusätzlichen Filter und Kontrollen anlässlich des Parteitages haben die ohnehin langsame Geschwindigkeit des Internets in China noch weiter gebremst, was auch die Arbeit von Unternehmen schwer beeinträchtigt.

Nach Baidu ist Google in China nur die zweitgrößte Suchmaschine, zählt aber zu den fünf wichtigsten Webseiten in China. Bei mehr als 500 Millionen Internetnutzern in China zählt Google damit viele Millionen chinesische Nutzer. Das Unternehmen hatte seine Server 2010 von China noch Hongkong verlegt, um seine Suchergebnisse nicht mehr selber zensieren zu müssen. Vorausgegangen war eine Cyberattacke auf Google, die offenbar aus China kam.

Auch Umgehung wird schwierig

Wer von China aus heute politisch heikle Suchwörter bei Google eingibt, endet meist vor einem blanken Schirm. Danach sind häufig auch andere Dienste wie Gmail vorübergehend gesperrt. Ein Neustart des Browsers bietet hier meist Abhilfe. Aber auch die Angriffe auf kommerzielle Tunneldienste haben ein bisher ungekanntes Ausmaß erreicht. Mit diesen VPN-Verbindungen (Virtual Private Network) können Nutzer in China die Sperren umgehen. Der "Großen Firewall" wird damit vorgegaukelt, dass nicht eine gesperrte Webseite angesteuert wird, sondern vielmehr ein unbekannter Server im Ausland.

Damit können die in China gesperrten sozialen Netzwerke wie Facebook und Twitter oder das Videoportal YouTube benutzt werden. Es gibt einen richtigen Boom bei diesen Diensten, die umgerechnet 50 bis 80 Euro im Jahr kosten. Allerdings arbeiten auch viele internationale Firmen in China für ihre internen Netzwerke mit solchen VPN-Tunneln und leiden auch unter den Störungen.

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