28. November 2014, 17:02 Uhr | Aktualisiert vor 2 min | Als Startseite
Zuletzt aktualisiert: 08.01.2013 um 08:05 UhrKommentare

Untergewichtige Ideale

Wer (angeblich) zu viel auf den Rippen hat, fällt erst recht durch das Sieb: Paradox - doch so wollen es die Model-Heidis mit genormten Hungerhaken-Vorstellungen in ihren Shows. Mit welchem Recht eigentlich? Ein Kommentar von Thomas Golser.

Foto © APA

Model-Shows erleben nach wie vor ihre fetten Jahre - als ausgehungerte Antithesen zur gelebten Realität. Mit ihren angeblichen Idealbildern, denen kaum eine Frau ähnlich sehen wird (und zum Glück auch gar nicht ähnlich sehen muss). Durchaus schlanken Mädchen mit einer Konfektionsgröße von 36 wird allen Ernstes zur besten Sendezeit von den Model-Heidis in der Jury eingeredet, sie seien da und dort zu "moppelig". Eine Botschaft, die reichlich dumm und realitätsfremd - kurz gesagt: geistig akut unterernährt - ist.

Durch das Sieb

Wer (angeblich) zu viel auf den Rippen hat, fällt also erst recht durch das enge Sieb der Sendungsmacher: Paradox, aber so wollen es die Altvorderen mit ihren genormten Hungerhaken-Fantasien. Mut zur Natürlichkeit scheint noch immer nicht gefragt zu sein, der größte gemeinsame Nenner scheint zu lauten: Bist Du nicht mager, bist Du ohne Chance. Die wenigen Ausnahmen mit Kurven, dort wo sie hingehören (da und dort - und hier sowieso), fallen dann umso mehr ins Auge: Ein schwacher Trost. Eine Kandidatin lässt uns auf der Website von "Austria's Next Topmodel" (nach einem Schokoladen-Karamell-Cerealien-Werbespot) dann aber immerhin wissen: "Ich mag mein Arsch!"

"Da sitzen dicke Muttis mit der Chips-Tüte vorm Fernseher und sagen, dünne Models sind hässlich", wurde Modeschöpfer Karl Lagerfeld ("Mein Lebensziel ist es, Größe 48 zu halten") einmal zu diesem Thema zitiert. Die Debatte über zu dünne Models sei "absurd". Noch absurder wirken die dumpfen Klischees, die der Dauer-Sonnenbebrillte hier aufkochte: Wer Kritik an den den vielen unterernährten Models übt, sei also automatisch ein stoffwechselnder Couch-Potato, so sein verdrehtes Weltbild. Übergewicht ist in der Wohlstands-Gesellschaft ein Problem - doch es soll auch etwas dazwischen geben.

Von der Sucht

Magersucht ist eine schwere Krankheit, die im Extremfall lebensbedrohlich werden kann und immer häufiger an Frauen (aber auch jungen Männern) diagnostiziert wird: Ihre Ursachen sind komplex, vielfältig und noch immer nicht restlos erforscht - der Weg zur Heilung ein langer, steiniger und fordernder. Man wird den Auslöser dafür natürlich nicht zwingend in Model-Shows finden. Dass diese kaum dazu beitragen, jungen Mädchen zu einem gesunden und natürlichen Körperbild zu verhelfen, ist aber ebenso klar.

Dass eine Ministerin nun über Gesetze nachdenkt, ist wohl nicht falsch. Gefragt ist aber langfristig - wie so oft - vor allem auch der Konsument. Wer am Computer absurd verfremdete Fotos und auf der Hungerweide abgehaltene Fleischbeschauen ablehnt, sollte dies die jeweiligen Anbieter auch spüren lassen. Bis zu einer Trendumkehr dürfte es noch ein weiter Weg sein, doch er führt in eine schöne Wirklichkeit: Models mit Kurven.

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Zitiert

  • Ich mag mein Arsch!

    Eine Kandidatin der aktuellen Staffel von "Austria's Next Topmodel" kam auch ohne Akkusativ zum "Shoot".

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