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Zuletzt aktualisiert: 05.01.2013 um 21:08 UhrKommentare

Sie zaubern jedem ein Lächeln ins Gesicht

Zweimal pro Woche tapsen die Rote Nasen Clowndoctors durch die Geriatrie in Graz. Bei ihren Besuchen blühen die Senioren auf.

Foto © Marija Kanizaj

In der Wohnküche des Geriatrischen Gesundheitszentrums in Graz schnippeln die Senioren gerade hoch konzentriert Lauch, Karotten, Sellerie und alles, was in eine hausgemachte Gemüsesuppe gehört. Plötzlich stolpern Dr. Blume alias Sandra Pioro und Dr. Franz Tube, hinter dem Joe Hofbauer steckt, in den Raum. Die Senioren blicken neugierig auf. Sie freuen sich, Besuch zu haben, der Farbe in den Spitalsalltag bringt. Dr. Blume, die zum bunten Kleid quietschgelbe Strumpfhosen und eine rosa Handtasche trägt, stimmt auf ihrer rosa Gitarre ein Lied an und singt. Auch Dr. Franz Tube - er ist der letzte Grazer Stadtbauer - hat sich herausgeputzt und stapft mit seinen großen Schuhen daher. Die beiden tanzen um die Patienten herum - die Augen der Senioren strahlen, die aufkommende Heiterkeit ist spürbar.

Dann fällt das Augenmerk auf ihre Flügelchen. "Was haben Sie denn da, Flügerl?" "Na, ich bin ja ein Engerl - sieht man doch", antwortet sie mit einem Grinsen. "Na ja, so stimmt das nicht - zu Hause ist sie ein Bengerl", stellt ihr ziegenbärtiger Partner klar und zwinkert ihr zu. "Das schadet ja nicht . . .", steigt eine Patientin mit ein, lacht auf und zieht die anderen in ihren Bann.

Nun geht es weiter - die beiden mit den roten Nasen stolpern durch die Gänge und machen sich einen Spaß mit jedem, der ihnen entgegenkommt. Da wird auch vor dem Personal nicht haltgemacht - und schon "fladert" Dr. Tube ein rosa Nachthemd vom Wagen der Schwester und überreicht es seiner Angebeteten.

Den Augenblick nutzen

In ihrer jahrelangen Arbeit haben die Rote Nasen Clowndoctors ein Gespür für Menschen und deren Bedürfnisse entwickelt. Sie nutzen die Kraft des Augenblicks. An diesem Tag hat ein Patient Geburtstag - natürlich wird extra für ihn gesungen. Damit schaffen sie es, die Mauer des brummigen Mannes aufzubrechen und er beginnt, mit ihnen zu plaudern. Ein Stück weiter sitzt eine Dame im Rollstuhl, sie wirkt apathisch. Doch sobald die Clowns ihre Hand nehmen, wird ihr Blick sanfter und ihre Augen blitzen.

Doch es steckt viel mehr dahinter, Patienten aus der Reserve zu locken. Vor der Visite führen die Clowndoctors ein Übergabegespräch, bei dem sie über Befindlichkeiten der Patienten, Neuaufnahmen, Entlassungen oder auch Geburtstage informiert werden. Danach verwandeln sie sich nicht nur optisch, sondern schlüpfen auch mental in die Rolle. "Die Figur schützt uns vor zu viel Nähe", erklären die beiden. Und weil man "aufeinander achtgibt", machen die eigens dafür ausgebildeten Clowndoctors ihre lustigen Visiten nur zu zweit. Dabei blödeln sie aber nicht nur: Sie hören zu, hüten Geheimnisse und bauen Beziehungen auf - auch mit jenen, die schlecht hören, schlecht sehen und nicht mehr so mobil sind. Für sie sind alle gleich und das spüren die Senioren, die bei den Visiten aufblühen.

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