23. November 2014, 08:27 Uhr | Aktualisiert vor 2 min | Als Startseite
Zuletzt aktualisiert: 21.12.2012 um 13:39 UhrKommentare

Mehr als 40.000 Minderjährige pflegen Angehörige

Rund 3,5 Prozent der Kinder und Jugendlichen zwischen fünf und 18 Jahren, das sind österreichweit etwa 42.700 Minderjährige, pflegen regelmäßig chronisch kranke Familienmitglieder. Das geht aus einer aktuellen Studie hervor.

Foto © fotolia.de/Uwe Annas

Laut einer Studie des Instituts für Pflegewissenschaften der Universität Wien, die am Freitag präsentiert wurde, pflegen 42.7000 Kinder unter 18 Jahren regelmäßig chronisch kranke Familienmitglieder. Sozialminister Rudolf Hundstorfer (S) wertete die Studie als guten Ausgangspunkt, um das bestehende Angebot zu optimieren und neue Unterstützungsformen zu etablieren.

Mehr als 7.000 Kinder an 85 Schulen in Wien und Niederösterreich wurden für die repräsentative Untersuchung, die auf einen Fünf-Parteien-Entschließungsantrag des Nationalrats zurückgeht, befragt. Das durchschnittliche Alter der pflegenden Kinder beträgt demnach 12,5 Jahre. 69,8 Prozent sind weiblich. Weder der Wohlstand, noch die Herkunft oder die Anzahl im Haushalt lebender Erwachsener haben laut Studie einen signifikanten Einfluss auf die Pflege bzw. unterstützende Haushaltsarbeit und Geschwisterbetreuung durch Kinder.

An negativen Auswirkungen zeigte sich, dass pflegende Kinder deutlich öfter als ihre Altersgenossen unter Müdigkeit, Schlafproblemen, Rückenschmerzen und Kopfschmerzen leiden. Deutliche Unterschiede zeigten sie auch in Bezug auf die psychische Verfassung. Den Aussagen "ich mache mir oft Sorgen" und "ich bin oft traurig" stimmten pflegende Kinder deutlich öfter zu als nicht pflegende Kinder.

In einem zweiten Studienteil wurden ehemalige "Young Carers" interviewt. Genannt wurden dabei negative Auswirkungen körperlicher, sozialer und psychischer Art, die von übersteigertem Kontrollbewusstsein bis hin zu Schuldgefühlen und Verlustängsten reichten. Oft wurde die Pflegeerfahrung aus aber auch positiv assoziiert.

Zentrale Punkte zur Verbesserung der Situation sind aus Sicht der Autoren die Bewusstseinsbildung, Enttabuisierung und Entstigmatisierung der Thematik. Außerdem solle das Angebot familienorientierter Unterstützungsmaßnahmen verbessert werden. Hundstorfer versprach in einer Aussendung, im kommenden Jahr mit Experten und Vertretern involvierter Organisationen entsprechende Vorschläge ausarbeiten zu wollen.

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