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Zuletzt aktualisiert: 28.09.2012 um 10:13 UhrKommentare

Kinderärzte wollen Mutter-Kind-Pass bis 18 Jahre

Derzeit enden die Untersuchungen mit dem 5. Lebensjahr, dann seien Vorsorgeuntersuchungen erst wieder ab dem Erwachsenenalter möglich.

Foto © Fotolia: Robert Kneschke

Die österreichischen Kinder- und Jugendärzte sprechen sich für eine Verlängerung des Mutter-Kind-Passes bis zum 18. Lebensjahr aus. Derzeit enden die Untersuchungen mit dem 5. Lebensjahr, dann seien Vorsorgeuntersuchungen erst wieder ab dem Erwachsenenalter möglich. "Diese Lücke gilt es mit regelmäßigen Gesundheits-Checks zu schließen", sagte am Mittwoch der Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde (ÖGKJ), Reinhold Kerbl, bei einer Pressekonferenz anlässlich der 50. Jahrestagung der ÖGKJ in Salzburg.

Jahrelang unerkannt

"Eine somatische Untersuchung für Kinder und Jugendliche gibt es heute nur bei einer Erkrankung", wies Kerbl auf dieses Defizit hin. Dabei könnten bei kontinuierlichen Kontrollen zahlreiche Probleme entdeckt werden, die ansonsten jahrelang unerkannt bleiben. Als Beispiele nannte er Haltungsschäden, motorische Störungen, Bluthochdruck, Sehstörungen, Zahnerkrankungen aber auch psychosoziale Probleme. Gleichzeitig sollten die Daten systematisch erfasst werden, denn derzeit wisse man eigentlich nicht, was in dieser Altersgruppe passiere. "Das ist keine Forderung, sondern ein Angebot an die Politik", so Kerbl. Die Maßnahme wäre "mindestens kostenneutral", weil spätere Erkrankungen dadurch vermieden werden könnten.

Die Untersuchung bei Schularzt schließt laut Kerbl diese Lücke nicht, weil etwa an Landesschulen dem Arzt pro Jahr und Schüler zehn Minuten zur Verfügung stünden, und in dieser Zeit müsste auch die Administration erledigt werden. Außerdem dürfe der Schularzt nicht kurativ tätig werden. Und mangels Dokumentation fehle auch eine Kontinuität. Wie wirkungsvoll der Mutter-Kind-Pass ist, stellte Kerbl mit einem Vergleich dar: 1962 starben in Österreich noch 32 von 1.000 neu geborenen Kindern, heuer sind es nur mehr acht.

Zur diesjährigen ÖGKJ-Tagung, die von Donnerstag bis Samstag dauert, erwartet Tagungspräsident Wolfgang Sperl rund 700 bis 800 Teilnehmer. In der Gesellschaft selbst sind rund drei Viertel der etwa 2.000 österreichischen Kinder- und Jugendärzte vertreten. Im Gründungsjahr

Palliativmedizinische Vorsorge

Ein weiterer Schwerpunkt der Tagung wird sich dem Fehlen palliativmedizinischer Versorgung für Kinder und Jugendliche in Österreich widmen. Im Gegensatz zu den meisten europäischen Ländern gibt es hier noch kein Kinderhospiz und auch keine Palliativbetten für Kinder, sagte Regina Jones, die Leiterin der ÖGKJ-Arbeitsgruppe Palliative Care im Kindes- und Jugendalter. Ihren Angaben zufolge würden in Österreich jährlich mindestens 500 junge Patienten eine derartige Betreuung benötigen, möglicherweise aber auch mehr.

Eine große Versorgungslücke gibt es auch in der Rehabilitation für junge Patienten. Sperl berichtete aber über Fortschritte: Der Österreichische Strukturplan Gesundheit 2013 habe anerkannt, dass österreichweit 334 Betten fehlen, außerdem seien Qualitätskriterien aufgenommen worden. Noch ausständig sei aber die Einrichtung derartiger Kliniken und eine Einigung auf kostendeckende Tagsätze, sagte Sperl.

Der Grazer Infektiologe Werner Zenz erhob die Forderung nach kostenlosen Impfungen gegen humane Papillomviren (HPV-Impfung), die unter anderem für Gebärmutterhalskrebs, aber auch für andere Erkrankungen bei Frauen und Männern verantwortlich sind. Bei einer vollständigen Durchimpfung könnten pro Jahr fast 400 Todesfälle verhindert werden. Die hohen Kosten für eine Impfung von 190 Euro würden beim Einkauf großer Mengen über das Gesundheitsministerium "drastisch weniger" werden.

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