28. November 2014, 18:14 Uhr | Aktualisiert vor 2 min | Als Startseite
Zuletzt aktualisiert: 25.05.2012 um 13:08 UhrKommentare

Schlechte Medizin - Kollateralschaden Patient

Das Buch eines Allgemeinmediziners gibt erschütternde Einblicke in den deutschen Medizinbetrieb. Fehlbehandlungen und schädliche Therapien sollen dort an der Tagesordnung stehen. Auf der Strecke bleiben die Patienten. Gelesen von Barbara Jauk

Foto © Fotolia: Gina Sanders

Nicht alles am deutschen Medizinbetrieb will Gunter Frank, der seit zwanzig Jahren als Allgemeinmediziner im Einsatz ist, verteufeln. Dennoch: Viel Gutes bleibt nicht übrig, wenn er in seinem Wutbuch "Schlechte Medizin" mit diesem abrechnet. Wären da nicht Tausende Mediziner, Krankenschwestern und Pfleger, die sich tagtäglich tatsächlich um das Wohl der Patienten bemühten. Besonderes Lob hat Frank für die Notfallmedizin über. Darüber hinaus sehe es für die Patienten im jetzigen System alles andere als rosig aus. Dies wurde dem Autor bereits vor vielen Jahren, kurz nach seinem Wechsel auf die "Innere", bewusst: "Schon bald beschlich mich das Gefühl, dass viele Patienten auf den Stationen der Inneren Medizin eigentlich nur verwaltet werden".

Wo krankt es?

Gerade bei Krankheiten wie Diabetes, Krebs und vielen chronischen Leiden sei gute Medizin Mangelware. Schuld seien Geldgier, fachliche Inkompetenz und schlichtweg falsche ärztliche Richtlinien, die sich an Normwerten (für Übergewicht, Cholesterin, Blutdruck, etc.) orientieren, welche quasi beliebig nach unten oder oben geschraubt werden können. "Von den Deutschen über 65 Jahre gilt jeder Fünfte als zuckerkrank. Die allermeisten dieser Menschen sind jedoch gar nicht krank, sondern werden durch die Absenkung von Normwerten buchstäblich für krank erklärt", so Frank. In der Folge würden Millionen Menschen Medikamente schlucken, die sie gar nicht brauchen. Das koste das Gesundheitssystem nicht nur Abermillionen, sondern im schlimmsten Fall – aufgrund der Wechselwirkungen – die betreffenden Patienten auch ihr Leben. Wer mit dem Leben davon kommt, müsse sich mit Nebenwirkungen, (geschürten) Ängsten und einer dramatischen Minderung der Lebensqualität herumschlagen. Hinter allem steckt ein "reines Geschäftsmodell, durch das gesunde Menschen zu gefährdeten und angeblich kranken Patienten umgedeutet werden", so der Autor.

Als Plädoyer für den gesunden Menschenverstand, den mündigen Patienten und gegen die "Götter in Weiß" entpuppt sich das "Wutbuch" nicht nur im Titel, sondern auch beim Lesen. Frank "plaudert" aus dem Nähkästchen und unterlegt dabei seine Behauptungen mit hiebfesten Zahlen und Fakten. Das Buch ist nichts für schwache Gemüter, dennoch sei es allen ans Herz gelegt, denn es öffnet die Augen, auch wenn man sie noch so fest zu verschließen sucht.

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