28. November 2014, 23:55 Uhr | Aktualisiert vor 2 min | Als Startseite
Zuletzt aktualisiert: 22.12.2012 um 18:50 UhrKommentare

"Wir sind immer noch Rudeltiere"

Einmal mehr ist Leo Tolstois Roman "Anna Karenina" verfilmt worden. Vom Briten Joe Wright ("Abbitte") mit seiner Landsfrau Keira Knightley in der Titelrolle. Mit Julia Manfredi sprach sie über die Dreharbeiten.

Foto © Reuters

Die Kinogeschichte der letzten hundert Jahre zählt 13 Verfilmungen dieses Romans von Leo Tolstoi. In der Titelrolle finden sich Stars wie Greta Garbo, Vivien Leigh, Jacqueline Bisset, Sophie Marceau. Und nun auch die fragile Britin Keira Knightley. Ein Gespräch mit ihr.

Wie empfanden sie die Arbeit an "Anna Karenina"?

KEIRA KNIGHTLEY: Es war sehr aufregend und hat mir großen Spaß gemacht. Wenn man mit Joe Wright arbeitet, dann verpflichtet man sich zu nicht weniger als zur Besessenheit.

Wie oft haben sie Leo Tolstois Roman gelesen?

KNIGHTLEY: Zweimal. Zum ersten Mal als Jugendliche. Ich konnte mich noch daran erinnern, dass ich ihn sehr schön, mitreißend und romantisch fand. Vor Beginn der Dreharbeiten las ich ihn noch einmal und dachte: Scheiße, das Buch ist ganz anders. Es war sehr düster und die Hauptfigur war anders, als ich sie in Erinnerung hatte.

Ein Großteil der Handlung ist als Theateraufführung inszeniert. Was halten Sie von dieser Idee?

KNIGHTLEY: Die Idee geht auf Orlando Figes' kulturhistorisches Buch über Russland, "Nataschas Tanz", zurück. Darin schildert er die russische Aristokratie des 18. und 19. Jahrhundert, die zwar französisch und italienisch, aber kaum ein Wort Russisch sprechen konnte. Die Menschen trugen französische Kleider, bauten sich Häuser im französischen Stil, aßen französisches Essen und hatten sich eine französische Etikette zugelegt. Sie litten unter einer ausgemachten Persönlichkeitskrise. Als sich Joe des Stoffs annahm, fragte er sich, wo die Handlung angesiedelt werden sollte, bei der die Menschen statt sich selbst eine Rolle spielen. So ist er auf die Idee einer Theateraufführung gekommen.

Spielen wir nicht alle unterschiedliche Rollen im Leben?

KNIGHTLEY: Ja, wir alle spielen permanent verschiedene Rollen. Jetzt zum Beispiel verkörpere ich eine Schauspielerin, die ein Interview gibt. Sie spielen die Rolle eines Journalisten. Wenn wir nach Hause gehen, dann nehmen wir andere Rollen ein.

Konnten Sie bei der Gestaltung der Kostüme kreativ mitwirken?

KNIGHTLEY: Die Kostüme entwarf Jacqueline Durran, die sich nicht strikt an Mode des 1870er Jahre hielt, sondern auch Einflüsse aus den 1950er Jahren integrierte. Ich habe bei der Farbauswahl mitentscheiden können. Wir hielten uns an die Idee von der Hure von Babylon und haben die Farben dementsprechend ausgewählt. Es wurde viel biblisches Rot verwendet, um auf eine gefallene Frau zu verweisen.

Sie haben sich mal lustig darüber gemacht, dass Sie so oft in Kostümfilmen mitspielen.

KNIGHTLEY: Als ich jünger war, hatte ich das Gefühl, dass ich etwas falsch gemacht habe, nachdem ich einen Kostümfilm nach dem anderen gemacht habe. Bis ich erkannte, dass ich Geschichte einfach mag. Wenn ich in die Universität gegangen wäre, dann hätte ich bestimmt Geschichte studiert.

Anna Karenina wird von der Gesellschaft verstoßen, weil sie ihren Mann betrügt. Haben sich die Zeiten und Menschen geändert oder glauben Sie, dass die Menschen noch immer voller Vorurteile sind?

KNIGHTLEY: Ich glaube, dass sich die Gesellschaft und ihr Verhalten nicht wesentlich geändert haben. Die Regeln mögen heute anders sein, aber wir sind immer noch Rudeltiere. Wir wenden uns gegen den Einzelnen, wir verurteilen ihn, um uns besser und überlegener zu fühlen. Vor allem richtet sich dieses Verhalten noch immer stark gegen Frauen.

Sie werden für den Oscar gehandelt. Wie wichtig wäre Ihnen diese Auszeichnung?

KNIGHTLEY: Wenn man einen Film herausbringt und die Menschen plötzlich von Oscars reden, dann bedeutet das, dass sie den Film mochten. Wenn es dann tatsächlich passiert und man wird ausgezeichnet, dann ist das schön. Wenn nicht, dann macht das auch nichts. Letztlich macht man Filme für Menschen.

Wann haben Sie sich zum ersten Mal als öffentliche Person gefühlt?

KNIGHTLEY: Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, wie ich zum ersten Mal mein Gesicht auf einem Kinoplakat gesehen habe. Ich fühlte mich peinlich berührt. Es war in der U-Bahn und es handelte sich um "The Hole", einen Film, den ich mit 15 Jahren gemacht habe.

Wie reagieren Sie, wenn Sie von Menschen erkannt und angesprochen werden?

KNIGHTLEY: Leider nicht besonders gut. Ich habe immer noch nicht herausgefunden, wie man damit am besten umgeht.

Ist das ein großes Problem?

KNIGHTLEY: Nein. Abgesehen davon werde ich im Alltag nicht häufig erkannt, weil ich dann ganz anders gekleidet bin.

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