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Zuletzt aktualisiert: 28.05.2012 um 13:12 UhrKommentare

Goldene Palme für Michael Haneke

Österreichs Meister-Regisseur Michael Haneke gewann in Cannes die Goldene Palme für seinen jüngsten Film "Amour". Vor drei Jahren war er für "Das weiße Band" mit dem Hauptpreis der bedeutendsten Filmfestspiele der Welt ausgezeichnet worden.

Foto © APA

Der österreichische Filmemacher Michael Haneke hat zum zweiten Mal die Goldene Palme bei den Filmfestspielen in Cannes gewonnen. Nach "Das weiße Band" (2009) wurde sein berührendes und zärtliches Drama "Amour" über Krankheit und Tod bei einem alten Paar am Sonntag von der Jury unter dem italienischen Regisseur Nanni Moretti zum besten Film des Wettbewerbs 2012 gekürt. Laut Moretti hätten einige Mitglieder der Jury gerne mehrere Preise an den Film vergeben, das Reglement verbiete dies allerdings.

Für die Ewigkeit

Es sei "eine Liebesgeschichte für die Ewigkeit" hatte das Filmmagazin "Variety" bereits nach der Premiere am Sonntag vor einer Woche über den Film geschrieben, hätte aber auch Hanekes Beziehung zum Festival an der Croisette meinen können: Seit 1997 regelmäßig im Wettbewerb vertreten, triumphierte er nun als erst siebenter Filmemacher ein weiteres Mal. Haneke reiht sich damit ein in die Liste der größten Regisseure wie dem Amerikaner Francis Ford Coppola, dem Japaner Shohei Imamura oder den belgischen Brüdern Dardenne, denen dieses Kunststück bisher gelungen war.

In "Amour" erzählt er in ruhigen und langen Einstellungen in einer bürgerlichen Altbauwohnung von den letzten Monaten des Ehepaars Georges und Anna, das seit Jahrzehnten verheiratet ist und nach Annas Schlaganfällen mit deren schleichendem Verfall lernen muss umzugehen. Der Film ist ein erschütterndes und intensives Kammerspiel, das nicht zuletzt von seinen großartigen Darstellern Jean-Louis Trintignant, Emmanuelle Riva und Isabelle Huppert lebt. Huppert spielt die Tochter der beiden pensionierten Musiklehrer. Für den "Hollywood Reporter" gilt "Amour" schon jetzt als eine Bank für die nächste Oscar-Verleihung, der US-Verleih wird den Film im Herbst parallel zum europäischen Start auch in den USA ins Kino bringen.

Haneke selbst genoss den Triumph am Sonntag im Kreise seines Produktions- und Darstellerteams. "Ich bin sehr glücklich. Und es gibt nichts, was ich sonst dazu sagen könnte", sagte der Regisseur zu Canal+. Und im ORF sagte Haneke Sonntag Abend in der ZIB: "Jeder Preis ist ja in erster Linie einmal wichtig, weil er unsere Arbeitsbedingungen verbessert, für jeden Regisseur. Wenn's hier ist, in diesem exklusiven Umfeld, und zum zweiten Mal ist es natürlich eine besondere Ehre, das freut mich". Hanekes Produzent Veit Heiduschka sprach gegenüber der APA von "einer Sensation" und einem "tollen Erfolg für Österreich". Von offizieller Seite regnete es ebenfalls Glückwünsche.

"Paradies: Liebe"

Das war die Jury 2012

Der italienische Regisseur und Schauspieler Nanni Moretti ("Das Zimmer meines Sohnes") war in diesem Jahr Jury-Präsident beim Internationalen Filmfestival Cannes, das zum 65. Mal stattfand.

Neben dem 58-Jährigen saßen in der Jury: der Modedesigner Jean-Paul Gaultier, die Schauspielerinnen Hiam Abbass, Emmanuelle Devos und Diane Kruger, der Filmstar Ewan McGregor sowie die Filmemacher Andrea Arnold, Alexander Payne und Raoul Peck. 2011 war Robert De Niro Jury-Präsident an der Cote d'Azur gewesen.

Der zweite österreichische Film im 22 Filme umfassenden Wettbewerb, "Paradies: Liebe" von Ulrich Seidl, war nicht nur zu Beginn des Festivals kontrovers aufgenommen worden, sondern zählte auch in der Jury zu den am kontroversesten diskutierten Filmen. Laut "Variety" galt Seidls Film lange Zeit als Anwärter für den Regiepreis, ging aber schließlich leer aus. Den Großen Preis der Jury erhielt der italienische Filmemacher Matteo Garrone für seine Gesellschaftssatire "Reality", den Preis der Jury gab es für die Tragikomödie "The Angel's Share" des Briten Ken Loach.

Den Regiepreis sicherte sich sich der Mexikaner Carlos Reygadas für "Post Tenebras Lux". Und der Drehbuchpreis ging an den rumänischen Palmen-Mitfavoriten "Beyond the Hills" von Cristian Mungiu. Sein Exorzismus-Drama brachte auch den beiden Hauptdarstellerinnen Cosmina Stratan und Cristina Flutur die Auszeichnung als "Beste Schauspielerinnen". Der Däne Mads Mikkelsen spielte indes in Thomas Vinterbergs Drama "The Hunt" einen zu Unrecht beschuldigten Kinderschänder - und erhielt dafür die Auszeichnung als "bester Schauspieler".

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Preisträger der 65. Festivalausgabe

    • GOLDENE PALME: "Amour", Michael Haneke (Österreich)
    • GROSSER PREIS DER JURY: "Reality", Matteo Garrone (Italien)
    • BESTE SCHAUSPIELERIN: Cosmina Stratan und Cristina Flutur in "Beyond the Hills" von Christian Mungiu (Rumänien)
    • BESTER SCHAUSPIELER: Mads Mikkelsen in "The Hunt" von Thomas Vinterberg (Dänemark)
    • BESTES DREHBUCH: Cristian Mungiu (Rumänien), "Beyond the Hills"
    • BESTE REGIE: Carlos Reygadas (Mexiko), "Post tenebras lux"
    • PREIS DER JURY: "The Angel's Share", Ken Loach (Großbritannien)

Österreichs Erfolge in Cannes

  • Zwei Beiträge aus Österreich im Wettbewerb der Filmfestspiele in Cannes gab es bis heuer noch nie. In der 65-jährigen Geschichte des Festivals wurde überhaupt erst 1997 mit Michael Hanekes "Funny Games" die erste Produktion aus heimischer Schmiede in die Hauptkonkurrenz an der Croisette eingeladen. Mit "Paradies: Liebe" von Ulrich Seidl und "Amour" von Haneke zählte das Filmland heuer die Produktionen zehn und elf, die um die Goldene Palme und damit die bedeutendste Auszeichnung der Filmkunst ritterten - und im Falle von Haneke zum zweiten Mal erfolgreich.

Die Goldenen Palmen der letzten zehn Jahre

    • 2012: "Amour", Michael Haneke - Österreich/Frankreich/Deutschland
    • 2011: "The Tree of Life", Terrence Malick - USA
    • 2010: "Uncle Boonmee erinnert sich an seine früheren Leben", Apichatpong Weerasethakul - Thailand/Großbritannien
    • 2009: "Das weiße Band", Michael Haneke - Österreich/Deutschland
    • 2008: "Die Klasse", Laurent Cantet - Frankreich
    • 2007: "4 Monate, 3 Wochen und 2 Tage", Cristian Mungiu - Rumänien
    • 2006: "The Wind That Shakes The Barley", Ken Loach - Großbritannien
    • 2005: "Das Kind", Jean-Pierre und Luc Dardenne - Belgien/Frankreich
    • 2004: "Fahrenheit 9/11", Michael Moore - USA
    • 2003: "Elephant", Gus Van Sant - USA
    • 2002: "Der Pianist", Roman Polanski - Polen/Frankreich

Haneke als siebter Regisseur mit zwei Palmen

  • Michael Haneke ist erst der siebente Regisseur, dem es gelungen ist, zwei Goldene Palmen bei den Filmfestspielen in Cannes zu gewinnen. Der erste war der Schwede Alf Sjöberg 1946 und 1951, auch Francis Ford Coppola und Emir Kusturica finden sich in der renommierten Liste.

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