25. November 2014, 01:58 Uhr | Aktualisiert vor 2 min | Als Startseite
Zuletzt aktualisiert: 13.02.2013 um 10:41 UhrKommentare

"Der perfekte Ort, die perfekte Zeit"

Christoph Luser, Film- und Bühnen-Jungstar, ist ab 14. Februar im Schauspielhaus Graz in Thomas Bernhards "Der Untergeher" zu erleben. Ein Gespräch über Genialität, Heimkehr und das Reisen mit leichtem Gepäck.

Foto © Foto: Fuchs

H err Luser, Sie wurden im Jahr 2000 noch während Ihres Schauspielstudiums von Anna Badora an das Düsseldorfer Schauspielhaus geholt, nun hat Sie Ihre einstige Entdeckerin erneut engagiert. Ist das für Sie auch eine Reise zurück zu den Anfängen?

CHRISTOPH LUSER: Es ist eine Reise in die schönste Richtung. Das alles hat sich einfach wunderbar ergeben.

Wie denn konkret?

LUSER: Ich habe mir häufig überlegt: Was könnte man in Graz machen? Auf jeden Fall sollte es ein Werk eines österreichischen Autors sein. Dann kam Intendantin Anna Badora mit dem Vorhaben, Thomas Bernhards Roman "Der Untergeher" als Bühnenversion zu zeigen. Danach fügten sich noch viele Dinge zusammen, vor allem, weil ich einen totalen Bezug zum Buch habe.

Inwiefern?

LUSER: Während meiner einjährigen Auszeit in Südamerika hatte ich dieses Buch als einziges mit dabei. Allerdings in der englischen Ausgabe. Passender Titel: "The Loser". Und jetzt muss man auch noch ergänzen, dass Regisseurin Christiane Pohle das Stück inszenieren wird, die ich wiederum von den Münchner Kammerspielen kenne. Zusammengearbeitet haben wir aber bisher noch nie. Also habe ich gedacht: Perfekt. Der Ort, die Zeit, die Konstellation, der Text.

Stichwort Text: Gibt es eine eigene Bühnenfassung für Graz? Das Buch selbst besteht ja fast aus einem endlosen Monolog.

LUSER: Ja, es ist ein Endlosmonolog, der aber total komponiert ist. Wie die Goldberg-Variationen selbst, die ja aus 32 Teilen bestehen, aber immer wieder eigentlich ein Thema variieren. Es ist natürlich unglaublich schwer, aus dieser Textmasse einzelne Szenen zu machen, aber das ist ja gleichzeitig das ganz besonders Spannende daran.

Thomas Bernhards Figuren pendeln fast immer zwischen Genie und Wahnsinn, er gibt den Schauspielern aber meist auch wahnsinnige Textmengen mit auf den Weg. Wie gehen Sie damit um?

LUSER: Ich bin fasziniert von dieser Sprachgewalt, der Sprache von Bernhard an sich, die ja eine wahnsinnige Berechtigung für die Bühne hat. Ich habe keine Figur zu spielen, man entwickelt eigentlich alles aus dem im Moment Gesagten, aus der jeweiligen Bühnensituation. Es ist nicht so, als würde ich Hamlet spielen. Ich gehe raus, bin der, der ich bin und nehme den Text in den Mund. Ich bin überzeugt, dass das auch dem Werk gerecht wird.

Eine gänzlich andere Art von Herausforderung, oder?

LUSER: Ganz sicher. Hinter Figuren des Illusions-Theaters, an das ich ohnehin nicht glaube, kann man sich verstecken. Hier ist das weitaus schwieriger. man ist ja geradezu nackt, ohne Perücke, ohne vorgegebene Gesten.

Wird es, was ja naheliegend wäre, da sich das Stück ja stets um den Pianisten Glenn Gould dreht, auch Musik geben?

LUSER: Ja, wir haben zwei Pianisten. Die spielen aber weder Bach noch die Goldberg-Variationen, sondern Bizet. Ich habe eigentlich ein gespaltenes Verhältnis zur Musik am Theater, weil sie oft schlicht missbraucht wird, um den Zuschauer zu verführen oder ihn in Stimmungen hinkippen zu lassen, die nichts mit der Aufführung zu tun haben. Die Haltung zur Musik am Theater ist häufig völlig verwahrlost. In diesem Fall ist das aber bestimmt nicht so.

Kleiner Themenwechsel: Sie sind als Schauspieler seit 2007 völlig ungebunden. Wie wichtig ist Ihnen diese Freiheit?

LUSER: Ich habe ein Grundvertrauen in mich. Deshalb habe ich auch keine Angst, den Beruf für einige Zeit einfach sein zu lassen.

Leben Sie als Nomade quasi noch immer mehr aus dem Koffer?

LUSER: Ja, derzeit wohne ich wieder bei meinen Eltern. Eine eigene Wohnung habe ich noch immer nicht.

Eine andere künstlerische Bleibe ist der Film. Gibt es neue Projekte?

LUSER: Im Sommer habe ich mit Edgar Reitz gedreht, der ja durch seine großartige "Heimat"-TV-Serie zu spätem Ruhm gelangt ist. Das war eine ganz tolle Arbeit und Erfahrung. Der Film dauert derzeit fast vier Stunden, heißt "Die andere Heimat" und soll in Cannes gezeigt werden. INTERVIEW: WERNER KRAUSE, JULIA SCHAFFERHOFER

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