21. November 2014, 20:26 Uhr | Aktualisiert vor 2 min | Als Startseite
Zuletzt aktualisiert: 22.12.2012 um 19:36 UhrKommentare

Heiße Party statt Untergang

Die Welt ging am Freitag nicht unter, stattdessen mit den "Toten Hosen" in der Grazer Stadthalle so richtig die Post ab. Der Mercedes des deutschen Punk-Rock war voll auf Touren.

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Die Punks anno 2012 sind keine wütenden, mit Sicherheitsnadeln durchlöcherte Trunkenbolde, sondern liebe, offenbar auch humorvolle Zeitgenossen. Anders lassen sich die kleinen Weihnachtsmann-Mützen auf den Irokesen-Zacken des jungen Mannes, der gerade die übervolle Grazer Stadthalle betritt, nicht erklären. Frage nicht, wenn das Johnny Rotten sehen würde!

11.000 Menschen sind Freitagabend gekommen, um den Mercedes des deutschen Punk-Rocks brummen zu hören. Seit ziemlich genau 30 Jahren schaffen die Herren Campino, Andreas von Holst ("Kuddel"), Michael Breitkopf, Andreas Meurer und Vom Ritchie, besser bekannt als "Die Toten Hosen", den Spagat zwischen Politik, Engagement, Gefühlsduselei und Kindereien, ohne auch nur eine Spur peinlich zu sein. Hinter den Songs der "Hosen" kann man stehen, zu den Songs der Hosen kann man mitsingen und abtanzen.

Nach dem bemühten Umtata-Punkrock der Broilers entern Campino & Co. gegen 21 Uhr die Bühne und haben das tobende, textsichere Publikum von Anfang an fest im Griff. "Wenn schon Weltuntergang, dann mit euch hier in Graz", grölt Frontmann Campino in die Halle. Im Laufe des rund zweistündigen Konzertes wird er weitere Rosen streuen und als Hommage an die Austro-Diva Falco sogar dessen "Amadeus" anstimmen. Hier ist ein genialer Entertainer am Werk, der das rare Kunststück beherrscht, seine Fans zu berühren, ohne sich anzubiedern.

Schönes Pathos

Nach dem Opener "Ballast der Republik" vom aktuellen Album geht es Schlag auf Schlag, ohne dass das Hitfeuerwerk in Routine erstarrt. "Altes Fieber" bricht aus, "Bonnie &Clyde" finden sich, der rechte Recke "Sascha" treibt sein Unwesen, und am Ende der regulären Spielzeit kommt "Alex" in den brodelnden Saal und "Tag wie diese" werden mit einem Lichtermeer gefeiert. Schön ist das, viel Pathos rinnt das raus - aber niemand braucht sich dafür zu schämen.

Ein von Kuddel wunderbar gekrächztes "Still, still, still" und ein von Campino hingerotztes "Stille Nacht" tragen dem Kalender Rechnung, "Zehn kleine Jägermeister" beenden süffig den dritten Zugabenblock. Ernste Konkurrenz bekommt Campino nur einmal an diesem Abend: als er einen Fan auf die Bühne holt und dieser sich als hochbegabter Sänger und Performer erweist. Das hätte in die Hose gehen können - tat es aber nicht.

Mit der FC Liverpool-Hymne "You Never Walk Alone" endet dieser Glücksfall eines Konzertes. Und die Mützen auf den Irokesen-Spitzen wackeln zufrieden nach Hause.

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