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Zuletzt aktualisiert: 31.03.2012 um 19:33 UhrKommentare

Symbolträchtigkeit im Dunkel

Glanzrollen für zwei Damen des Grazer Opernensembles: Margareta Klobuar und Dshamilja Kaiser brillieren als gleichwertige Rivalinnen in Gaetano Donizettis "Maria Stuarda".

Foto © Foto: Oper Graz/Karim Zaatar

Nach dem Klagenfurter Stadttheater (1980), der Wiener Staatsoper (1985) und dem Linzer Landestheater (2011) hat nun auch die Grazer Oper Gaetano Donizettis "Maria Stuarda" als ideales Vehikel für zwei Primadonnen entdeckt. Margareta Klobuar als Titelheldin und Dshamilja Kaiser als ihre Gegenspielerin Elisabetta lassen sich diese Chancen bei der steirischen Erstaufführung des 1835 an der Mailänder Scala aus der Taufe gehobenen Werks nicht entgehen.

Die Sympathie des Komponisten galt der Titelheldin, der von ihm Inbegriff verfolgter Unschuld gezeichneten Maria Stuart, die 1587 auf Befehl der englischen Königin Elizabeth I. hingerichtet wurde. Donizettis Musik konterkarierend, zeichnet Regisseur Stefano Poda die schottische Königin jedoch als herzlose, mannstolle Frau. Margareta Klobuar stattet sie mit sauberem Legato, zartem Piano und kraftvollen Spitzentönen aus.

Lyrische Basis

Als ihre Gegenspielerin Elisabetta entwickelt Dshamilja Kaiser mit ihrem beweglichen Mezzosopran Leidenschaft und maßvolle dramatische Attacke, ohne dabei ihre lyrische Basis und die Noblesse ihres Vortrags aufzugeben.

Der Höhepunkt der Oper, die von Friedrich Schiller erfundene und von Donizettis jugendlichem Amateurlibrettisten Giuseppe Bardari übernommene Begegnung der beiden Königinnen, die in Wirklichkeit nie stattgefunden hat, verpufft jedoch, weil just vor dem Wutausbruch Marias, die Elisabeth als "Bastard" beschimpft, der musikalische Fluss unterbrochen wird und das Licht sogar im Orchestergraben erlischt. Diese eigenwillig eingefügte Pause bricht den Spannungsbogen völlig ab.

Dirigent Gaetano d'Espinosa, der diesem kontraproduktiven Regieeinfall zugestimmt hat, neigt auch darüber hinaus zu philologischer Fahrlässigkeit. Einerseits kürzt er mehrfach zweite Strophen, obwohl sein Ensemble nie den Eindruck erweckt, es bedürfe dieser stimmlichen Schonung, andererseits tut er des Guten zu viel. Er stellt nämlich dem kurzen Preludio die nicht in Donizettis Handschrift überlieferte Ouvertüre voran, die nicht nur deshalb in der kritischen Edition von Anders Wiklund fehlt: In der italienischen Oper dieser Zeit gibt es kein einziges Beispiel für eine solche Kombination von Ouvertüre und Preludio.

Am Pult der Grazer Philharmoniker leistet Gaetano d'Espinosa ansonsten glänzende Arbeit: Er musiziert mit großer Sensibilität, beweist Gespür für melancholische Farben und beklemmende Stimmungen, achtet auf elastisch gestaltete Begleitfiguren und duftige Holzbläsersoli, begleitet geschmeidig und schürt die Dramatik nie bis zur Knalligkeit.

Auch der von Bernhard Schneider einstudierte Chor, der kultivierte Tenor Iurie Ciobanu als Leicester, Wilfried Zelinkas charaktervoller Talbot und David McShanes eifernder Cecil lassen keine Wünsche offen.

Zeitlupe

Der italienische Ausstatterregisseur Stefano Poda, der sich als Bühnenbildner offenbar von "Indiana Jones"-Filmen inspirieren ließ, meidet jegliche Realität. Er dekoriert die Bühne mit Dutzenden Herrschaftssymbolen in Vitrinen auf hohen Säulen, deutet mit Skelettresten die Folgen des Machtkampfs an, umgeht mit bodenlangen Kostümen zeitlicher Festlegung. Er hegt ein Faible für Nebelschwaden und Dunkelheit und neigt als Regisseur zur Zeitlupe. In Bewegung ist meist nur die Drehbühne. So liefert er zwar keine Interpretation, meidet aber auch banale Illustration - und lässt der Musik den Vortritt.

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