24. November 2014, 17:22 Uhr | Aktualisiert vor 2 min | Als Startseite
Zuletzt aktualisiert: 06.08.2013 um 21:03 UhrKommentare

Netrebko - Domingo: Hochkarätige Raritätenpflege

Stürmischen Jubel und Standing Ovations ernteten Anna Netrebko und Plácido Domingo für ihre Rollendebüts in Verdis "Giovanna d'Arco".

Foto © APA

So viele "Karte gesucht"-Täfelchen wie gestern vor dem Eingang zur Felsenreitschule waren heuer bei den Salzburger Festspielen noch nie zu sehen gewesen. Das Interesse galt nicht nur der konzertanten Erstaufführung von Giuseppe Verdis Oper "Giovanna d'Arco" bei den Salzburger Festspielen, sondern vor allem zwei Rollendebüts. Erstmals sang Anna Netrebko die Titelpartie, erstmals gestaltete Plácido Domingo die Baritonrolle.

Sparprogramm

Mit "Giovanna d'Arco" präsentieren die Salzburger Festspiele ein interessantes Pendant zu ihrer Produktion von Friedrich Schillers Tragödie "Die Jungfrau von Orleans", auf der Temistocle Soleras Libretto für Verdis siebente Oper basiert, obwohl er Schillers Personal von 27 auf fünf Akteure reduziert und sich letztlich nur auf die drei Protagonisten konzentriert hat, wobei er die Figur des Vaters aufwertete.

Die Titelpartie ist für Anna Netrebko der ideale Einstieg zum Fachwechsel. Ihr schöner denn je klingender, dunkler werdender Sopran besitzt noch die leuchtenden Höhen, die Beweglichkeit für zarte Verzierungen und innigen Piani, um die naive Unschuld der Figur zu verdeutlichen, aber auch schon die dramatische Kraft, um als Kriegerin kämpferisch in Erscheinung zu treten.

Plácido Domingo, der 1972 bei der EMI-Einspielung unter James Levine den Tenorpart gestaltet hatte, bereichert jetzt sein konkurrenzlos umfangreiches Repertoire um die Baritonrolle von Johannas Vater Giacomo, der seine Tochter öffentlich attackiert, weil er glaubt, sie sei von Dämonen besessen. Diesen Zwiespalt zwischen Vaterliebe und Glaubenstreue bringt Domingo mit immer noch imposanten stimmlichen Mitteln packend zum Ausdruck. Wahrhaft königlich, mit in allen Lagen sicher strömendem, elegant geführtem, glanzvollem Tenor singt Francesco Meli den Part des französischen Monarchen Carlo VII.

Etwas zu schwerfällig wirkt der Philharmonia Chor Wien, dem in dieser 1845 uraufgeführten Oper eine gewichtige Aufgabe zukommt. Nicht zuletzt im Finale des Prologs, in dem Verdi die guten gegen die bösen Geister antreten lässt. Die ungewöhnliche Begleitung der Dämonen durch ein Harmonium übernahm in der Felsenreitschule ein Akkordeon.

Striche

Dennoch kehrte das mit rhythmischer Schärfe, aber ohne knallige Dramatik, farbig und impulsiv musizierende Münchner Rundfunkorchester unter Paolo Carignani die Qualitäten von Verdis Partitur sehr differenziert hervor. Ärgerlich bleibt aber, dass ihr, trotz ihrer prägnanten Kürze, der Dirigent immer wieder mit dem Rotstift zu Leibe rückte. Beileibe nicht nur dort, wo es galt, den eben erst von einer Lungenembolie genesenen Bariton zu entlasten oder Anna Netrebko den Aufstieg zum hohen D zu ersparen.

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