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Zuletzt aktualisiert: 31.07.2012 um 21:05 UhrKommentare

Alexander Pereira: Netzwerke kontra Nabelschau

Festspiel-Intendant Alexander Pereira (64) sprach mit den Chefredakteuren der führenden Bundesländerzeitungen über den Glamour in Salzburg und das Verhältnis von Wirtschaft und Kunst.

Foto © AP

Der neue Intendant der Salzburger Festspiele, Alexander Pereira, kritisiert Teile der künftigen österreichischen Anti-Korruptionsbestimmungen scharf. Das Anfütterungsverbot, das ab 1. Jänner 2013 in Kraft treten wird, "ist ein absoluter Schwachsinn", sagte er in einem Gespräch mit den Chefredakteuren der führenden Bundesländer-Zeitungen. "Da werden Menschen von vornherein der Korruption verdächtigt."

Es sei "völlig absurd anzunehmen, dass ein Wirtschaftsminister, nur weil er sich zu einer Oper und zu einem anschließenden Abendessen von einem Sponsor einladen lässt, dann nur noch bei diesem Sponsor einkauft", sagte Pereira. "Wenn zwei wirklich etwas Unanständiges unternehmen wollen, dann werden sie sich wohl im stillen Kämmerlein treffen und nicht bei den Festspielen, wo sie ständig gesehen werden."

Wertesystem stemmen

Der 64-Jährige Wiener hält es für die Pflicht und Schuldigkeit von politischen Repräsentanten, jene Institutionen auch mit ihrem Besuch zu stärken, "die dem Staat dabei helfen, das bestehende Wertesystem zu stemmen". Die Korruption sei ein Thema, in ganz Europa, gewiss. "Aber man schießt hier übers Ziel hinaus." Es sei ein Wahnsinn, wenn hochrangige Persönlichkeiten nicht mehr zu den Festspielen kommen, "weil sie Angst haben, dass sie dann ein Problem bekommen", erklärte der Intendant.

Falsche Erziehung

Pereira tritt in der Kunst für eine enge Zusammenarbeit zwischen Staat, Wirtschaft und Privaten ein. In Österreich hätten diese PPP-Modelle keine große Tradition. "Der Staat hat nach dem Krieg alles an sich gerissen und sich für alleine zuständig erklärt. Sowohl für Inhalt wie auch für die Finanzierung. Er hat die privaten Leute verschreckt, ihnen gesagt: Schleicht's euch!" Es wurden ganze Generationen von Kunst-Intendanten "darin erzogen, gut Geld auszugeben, und nicht darin, wie man Geld auch hereinholen kann."

Er selbst habe mit Rolex, Servus TV oder Swiss Re nicht nur neue Wirtschaftspartner für die Festspiele gewonnen, sondern mit der Gründung von Freunde-Organisationen in Russland, der Schweiz und Spanien das Netzwerk privater Partner für die Salzburger Festspiele weiter ausgebaut. Das sei notwendig, um die Nummer 1 der Festivals in der Welt zu bleiben, sagte Pereira.

Weltunternehmen

Die Salzburger Festspiele seien ein Weltunternehmen und nicht aus der rein österreichischen Sicht zu führen. "Es hat in der Vergangenheit Schwächesignale gegeben." Pereira machte dafür vor allem die Politik verantwortlich, die Lohnerhöhungen des Personals gleich mehrmals nicht mitgetragen habe. "Dadurch stand weniger Geld für neue Produktionen und Qualität zur Verfügung." Hinzu kam ein Salzburger Hang, sich selbst als Nabel der Welt zu betrachten, nach dem Motto: "Was wollen denn die anderen?" Das wäre auf Dauer nicht gut gegangen.

Salzburg sei im Vergleich zu seinem früheren Posten als Operndirektor von Zürich "viel, viel bedeutender". Dafür sei die Luft in der Mozartstadt aber auch viel dünner. Er werde ständig nur nach der Auslastung von Aufführungen gefragt. "Dabei ist es allein die künstlerische Qualität, die zählt." Es sei erst in zweiter Linie wichtig und auch schön, wenn sich auch ein wirtschaftlicher Erfolg einstelle.

Mit dem Glamour, mit dem Pomp und Trara rund um Salzburg könne er gut leben. Auch die Karossen vor dem Festspielhaus und die Parties nach den Aufführungen störten ihn nicht, solange die Kunst im Mittelpunkt stehe. "Es ist mir heuer mit der Reihe geistlicher Musik ,Ouverture spirituelle' gelungen, gleich zum Beginn der Festspiele das wahre Kunsterlebnis stärker in den Vordergrund zu stellen."

Besorgt zeigt sich Pereira um die Entwicklung der Kulturkritik, die oberflächlicher geworden sei. "Es ist heute viel weniger Platz in den Zeitungen. Kritiker müssen sich kürzer und auch pauschaler halten. Dadurch werden sie manchmal verletzend." Kritiker seien sich oft ihrer Verantwortung nicht bewusst.

Glücksfall

Pereira lobte bei dem Treffen mit den Chefredakteuren übrigens die künftige Intendantin der Bregenzer Festspiele, Elisabeth Sobotka. Die derzeitige Grazer Opernintendantin sei ein Glücksfall für Bregenz, "vielleicht sogar eine Idee überqualifiziert". Er hätte Sobotka auch gern an einer großen Oper wie etwa in Hamburg als Intendantin gesehen.

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