Keines der großen Filmfestivals nimmt wie die Berlinale für sich in Anspruch, eine politische Haltung zum aktuellen Weltgeschehen einzunehmen.

Rosi ("Sacro Gra") beobachtet in seinem dokumentarischen Film "Fuocoammare" (Feuer auf See) das Geschehen auf der Insel Lampedusa und schuf, wie es das Fachmagazin "Screen" formulierte, eine "filmische Pieta" zur europäischen Flüchtlingskrise. Die französische Regisseurin Mia Hansen-Love wiederum bleibt in "L'avenir" nahe an ihrer Hauptdarstellerin Isabelle Huppert, während diese im neoliberal geprägten Frankreich entschlossen Misserfolge und Schicksalsschläge bewältigt.

Rosis intensiver Dokumentarfilm wird im aktuellen Kritiker-Ranking des "Screen" bisher für den Goldenen Bären leicht favorisiert, doch auch Hansen-Love hat mit ihrer zwar dialoglastigen, aber klugen Arbeit viele Anhänger gefunden. Jeff Nichols' "Midnight Special" übersetzt indes die Flucht einer Familie vor staatlichen Autoritäten und einer fanatischen Glaubensgemeinschaft in ein mysteriöses Science-Fiction-Genrewerk und erhielt dafür geteilte Kritiken.

Die Jury

Während Hollywood-Stars wie Meryl Streep, die in diesem Jahr der Jury vorsitzt, und George Clooney, der mit Treffen mit der deutschen Kanzlerin Angela Merkel und syrischen Flüchtlingen für Schlagzeilen sorgte, sich auf dem Roten Teppich dem Blitzlichtgewitter der Fotografen aussetzen, werden die Multiplex-Kinos am Potsdamer Platz wie jedes Jahr von tausenden Akkreditierten und unzähligen Interessierten gestürmt. Das Kino in der Krise? Von wegen.

Österreich

Den Aufschwung in der europäischen Kinolandschaft mit einem Besucherplus von durchschnittlich knapp acht Prozent im vergangenen Jahr wird in Berlin zum großen Auftakt des Filmjahres jährlich quasi sicht- und spürbar. Auch in Österreich stieg das Interesse am Kino mit einem Plus von über zwölf Prozent, wie die Europäische Audiovisuelle Informationsstelle am Freitag mitteilte. In Berlin ist das heimische Filmschaffen zwar nicht im Wettbewerb vertreten, aber dennoch präsent.

Händl Klaus wurde mit "Kater" im Panorama vom "Tagesspiegel" eine "feinziselierte Gefühlsstudie um die Themen Vertrauen und Verlust, Gewalt und Entfremdung" attestiert. Im "Cargo"-Magazin wiederum wird von einer Kritikerin die "dichte und konzentrierte" Darbringung von Briefen Bachmanns und Celans in Ruth Beckermanns "Die Geträumten" gelobt. Und Nikolaus Geyrhalters quasi-dokumentarische Arbeit "Homo Sapiens" über eine Welt ohne Menschen wird vom "Standard" als "außerordentlicher" Film mit starker Wirkkraft gefeiert.