23. November 2014, 04:56 Uhr | Aktualisiert vor 2 min | Als Startseite
Zuletzt aktualisiert: 05.01.2013 um 22:27 UhrKommentare

Make-up für Hort der Banden und eine Unbekannte

Die Hafen Marseille möchte von der "ville rebelle" zur "belle ville" werden, der Industrieort Kosice Beziehungen stärken. Ein Vorausblick auf die beiden Kulturhauptstädte Europas 2013.

Foto © KK

Kommen Sie herunter in die Hauptstadt!", lautet die augenzwinkernde Einladung, wie sie auf Werbeplakaten in den Pariser Metro-Stationen prangt. Hauptstadt Marseille? Ja, Hauptstadt der Gangster. So jedenfalls war bisher das Image des "französischen Chicago", das seit Jahrzehnten hauptsächlich mit hoher Kriminalitätsrate und mörderischen Bandenkriegen, mit ausgedehnten Armenvierteln oder der rüden Aussiedlung unbeliebter Roma in die Schlagzeilen kam.

Das soll sich ab heuer ändern. Die Metropole in der Provence, seit jeher von Einwanderern und der damit verbundenen Buntheit, aber auch gesellschaftspolitischen Brisanz geprägt, soll sich neu öffnen. Im Alten Hafen, wo ab 1900 viele Italiener, später Algerien-Franzosen und in jüngster Zeit vor allem Migranten aus den ehemaligen Kolonien in Afrika ankamen, entsteht eine architektonisch imposante Kulturmeile.

Hafen als Kulturmeile

Kernstück des größten Stadtentwicklungsprogramms in Westeuropa, für das man 660 Millionen Euro springen ließ und Paradearchitekten wie Jean Nouvel oder Frank Gehry engagierte, ist der von Rudy Ricciotti entworfene Glasquader des "Museums für mediterrane und europäische Kulturen" (MuCEM), der im März eröffnet werden soll. Daneben ragt die "Villa Méditerranée", von Stefano Boeri konzipiert, wie ein Riesensprungbrett über das Hafenbecken und soll samt seinem spektakulären Unterwassersaal "Zeichen für Toleranz und Solidarität" sein. Zusammen mit der neuen Anlegestelle "J1" von Catherine Bonte, die sich als Riesenhangar zum Meer hin öffnet, will man "Die Welt willkommen heißen", so das Motto in Marseille.

Aber nicht nur dort, sondern mit einem mit 80 povençalischen Städten von Aix bis Arles entwickelten Programm werden neue Kapitel aufgeschlagen. 100 Millionen Euro stehen bereit für 400 Ereignisse, die von Zirkus über Tanz bis Kulinarik die Vielfalt der gesamten Region zeigen soll.

Kommende Samstagnacht wird zum Auftakt des Kulturhauptstadtjahres in einem "grand clameur" fünf Minuten lang alles hupen und tröten, singen und klingen, tönen und dröhnen, was in Marseille nur Geräusche machen kann. Nach diesem "großen Aufschrei" wird die Stadt in völlige Dunkelheit tauchen, um bei einem Feuer- und Lichtspektakel neu zu erwachen - als bewunderte "belle ville" und nicht mehr als verrufene "ville rebelle", wie die Verantwortlichen hoffen.

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Information

  • Seit 1985 erhält auf Vorschlag der damaligen griechischen Kulturministerin Melina Mercouri jährlich mindestens eine Stadt den Titel "Kulturhauptstadt Europas". Den Anfang machte Athen.

    Der Europäische Rat verleiht den Titel auf Empfehlung der Europäischen Kommission. Um die zehn im Jahre 2009 neu hinzugekommenen EU-Länder einzubinden, werden seit damals bis 2019 jährlich zwei Titelträger ernannt - je aus einem alten und einem neuen Mitgliedstaat.

    Aus Österreich waren bisher Graz 2003 und Linz 2009 Kulturhauptstädte.

    2012 trugen Maribor (Slowenien) und Guimarães (Portugal) den Titel.

    Weiters fixiert 2014: Umea (Schweden) und Riga (Lettland).

    2015: Mons (Belgien) und Pilsen (Tschechien).

    2016: San Sebastián (Spanien) und

    Breslau (Polen).

    2017: Aarhus (Dänemark) und

    Paphos (Zypern).

    2018: Valletta (Malta) und geplant Maastricht (Holland) mit Aachen (Deutschland) und Lüttich (Belgien).

Zu den Städten

  • Kosice (deutsch: Kaschau) ist mit 240.000 Einwohnern nach Bratislava die zweitgrößte Stadt der Slowakei. Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte sich der Ort mit historischem Baukern und buntem Bevölkerungsmix zur Industriestadt, größter Arbeitgeber ist heute noch das Stahlwerk.

    www.kosice2013.sk

    Marseille ist mit 851.000 Einwohnern nach Paris die zweitgrößte Stadt Frankreichs. Der Hafenort, dessen Historie bis ins 7. Jh. v. Chr. als griechische Kolonie zurückreicht, ist durch Einwanderer geprägt, heute vor allem durch Migranten aus den ehemaligen Kolonien in Afrika.

    www.mp2013.fr

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