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Zuletzt aktualisiert: 03.01.2013 um 20:40 UhrKommentare

Adriano Celentano: Ein Mann und 24.000 Küsse

Dicker Schädel, weiches Herz: Adriano Celentano, der uns mit "Azzurro" eine himmelblaue Wohlfühlhymne schenkte, feiert am 6. Jänner seinen 75. Geburtstag.

Foto © APA

Adriano Celentano! Allein der Name klingt wie ein italienischer Schlager! Aber als Jugendliche haben wir ihn nicht deswegen beneidet, sondern darum, dass er die schönste Zahnlücke von da bis Rom küssen durfte: Ornella Muti. Für dieses Zuckerschlecken hätte sich damals jeder von uns zum Affen gemacht.

Celentano machte. In fast 40 Filmen, deren Titel schon den Tiefgang der Drehbücher ausloteten: "Ein seltsamer Typ", "Serafino, der Schürzenjäger", "Yuppi Du", "Bingo Bongo" ... Und natürlich besagte Erfolgskomödie "Gib dem Affen Zucker", in der Barnaba, der etwas schlicht gestrickte Fahrer des römischen Stadtrundfahrtbusses Nr. 29, die exotische Prinzessin Christina eräugt und fortan seinen Hormonstau (zunächst) beim heftigen Holzhacken abbauen muss.

Naturgewalt

Zu Celentano und dem Filmchen aus 1981 passt, was Friedrich Torbergs Tante Jolesch einst weise sagte: "Alles, was ein Mann schöner is wie ein Aff, is ein Luxus." Der Mann, der aus einem Arme-Leute-Viertel in Mailand zu Italiens beliebtestem Entertainer aufstieg, würde das vermutlich sofort unterschreiben. Selbstironie war ihm nämlich nie fremd: "Ich bin sympathisch, und wer sympathisch ist, wird schöner". Also durfte Celentano, von Sophia Loren als "Naturgewalt" geadelt, "Ventiquattromilla baci" verteilen - 24.000 Küsse und noch viel mehr an seine Fans, denen er fast jedes Jahr eine neue, heiß ersehnte Platte schenkt.

150 Millionen Alben verkaufte der Sänger mit der Raufasertapete in der Gurgel in seiner bisher 55-jährigen Karriere und kooperierte mit Größen wie Cesária Évora oder Patti Smith, Manu Chao oder Chick Corea. Dabei hatte alles nicht wirklich gut begonnen: Schulabbruch im fünften Jahr, ein Job als Scherenschleifer, eine endenwollende Lehre als Uhrmacher, maue Auftritte als Komiker und Imitator. Aber dann legte Celentano 1957 bei einem Rockfestival in Mailand einen Hüftschwung à la Elvis Presley hin und wurde mit seinem lässig tänzelnden Gang zu "Il molleggiato". Dem "Abgefederten" flogen die Herzen und Ohren zu, erst recht, als er mit "Azzurro" aus der Feder von Paolo Conte 1968 seinem Land eine himmelblaue Wohlfühlhymne schenkte.

Dem Dickschädel Celentano, seit 1964 mit seiner Managerin Claudia verheiratet, ist selbst aber nicht immer wohl in Italien. Also kämpft er für die Umwelt und die Meinungsfreiheit, gegen Armut und vor allem gegen Silvio Berlusconi, den er in seinen klamaukigen TV-Shows immer wieder auf die Schaufel nahm im Duell "Narr gegen König - oder umgekehrt", wie er einmal ätzte.

Zwar schrieb Celentano schon 1972 eine "Ballata di Pinocchio", aber aus seinen Plänen, aus Carlo Collodis Märchen ein Musical zu machen, wurde bislang nichts. Angesichts der Parlamentswahl Ende Februar könnte er ja vielleicht einen neuen Anlauf nehmen. Der langen Nase kurzer Sinn: mit einem Musical über das holzgeschnitzte, häufig lügende Dummköpfchen Silvio B.

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Zur Person

  • Adriano Celentano, geboren am 6. Januar 1938 in Mailand.
    Sänger, Schauspieler und Fernsehmoderator.
    Verheiratet seit 1964 mit der Schauspielerin und Sängerin Claudia Mori, drei Kinder.

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