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Zuletzt aktualisiert: 19.07.2012 um 11:27 UhrKommentare

Uraufführung der Oper "Solaris" in Bregenz

Im zweiten Jahr der mit "Achterbahn" von Judith Weir 2011 gestarteten Uraufführungsserie werden die Bregenzer Festspiele heuer vom Planeten "Solaris" umkreist.

Foto © APA

Nach Film- und Schauspielversionen - auch an der Burg in Wien - ist der Science-Fiction-Roman "Solaris" (1961) des Polen Stanislaw Lem nun auf der Opernbühne angekommen. Als Eröffnungspremiere der 67. Bregenzer Festspiele fand die Uraufführung von "Solaris", dem neuesten Werk des deutschen Komponisten Detlev Glanert (52), am Mittwochabend im Festspielhaus Bregenz statt. Das psychologisch komplexe Musiktheater wurde mit großem Schlussbeifall für alle Mitwirkenden bedacht.

Das Auftragswerk in Koproduktion mit der Komischen Oper Berlin entführte das Publikum - darunter Bundespräsident Heinz Fischer - für zweieinhalb Stunden in einen utopischen Kosmos im Bannkreis des Planeten "Solaris". In beängstigend kafkaesken und tiefenpsychologisch ausgedeuteten Szenen als Spiegelung eigener Ängste und Gedanken geht es um vergessene und verdrängte Schuld, um nicht geglückte Kommunikation, um Ausweglosigkeit, aber auch um Sehnsucht nach Liebe und Erlösung. Glanert hat für Orchester, Chor und Solisten eine durchaus tonale Musik geschrieben. Der Komponist wurde zuletzt in den freundlichen Applaus für alle Mitwirkenden einbezogen und auf offener Bühne von den Mitwirkenden sowie vom beeindruckten Publikum herzlich gefeiert.

Die Reaktionen von Besuchern und Kritikern waren allerdings nicht einhellig und reichten von "hingerissen" bis "gewöhnungsbedürftig". Noch dazu ist die Geschichte letztlich bedrückend und kreist um die Grundaussage, dass menschliches Erkennen und Kommunizieren außerhalb der bekannten Welt nicht vorstellbar und möglich ist. Glanerts "Solaris" entwickelt sich in einer beklemmenden Handlung, in der Gedanken und verdrängte Erinnerungen plastisch und leibhaftig Gestalt annehmen können (Libretto Reinhard Palm), zu einer beeindruckenden modernen Oper, die ihre musikalischen Wurzeln in der Klassik nicht verleugnet.

Der Kölner Generalmusikdirektor Markus Stenz, der 2006 in Frankfurt bereits Glanerts "Caligula" aus der Taufe gehoben hat, erwies sich am Pult der Wiener Symphoniker als präziser und umsichtiger musikalischer Leiter der Bregenzer Uraufführung. Einen wesentlichen Part hatte der Prager Philharmonische Chor mit der akustischen, jedoch unsichtbaren Umsetzung des bedrohlichen Planeten "Solaris". In der Regie von Moshe Leiser & Patrice Caurier und im Raumschiff Enterprise-Bühnenbild von Christian Fenouillat konnte das Vokalensemble seine Phobien und Hoffnungen voll aussingen.

Beeindruckend gelang dies dem Bariton Dietrich Henschel als Psychologe Kris Kelvin, der Sopranistin Marie Arnet als Wiedergängerin von dessen verstorbener Frau Harey, dem Tenor Martin Koch als verwirrter Kybernetiker Snaut oder dem Bass Martin Winkler als exzentrischer Physiker Sartorius. Nicht zu vergessen die Nebenrollen mit Mirka Wagner (Sopran) als Zwerg, Christiane Oertel (Mezzo) als Alte Frau und Bonita Hyman (Alt) als "Negerin".

Nach zwei weiteren Aufführungen in Bregenz (22. und 25. Juli) übersiedelt "Solaris" in der kommenden Spielzeit zum Koproduktionspartner an die Komische Oper Berlin.

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