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Zuletzt aktualisiert: 11.05.2012 um 11:14 UhrKommentare

Buch über Fälscher Beltracchi entlarvt Kunstmarkt

Foto © APA

Die beiden Journalisten Stefan Koldehoff (Deutschlandfunk) und Tobias Timm ("Die Zeit") decken in ihrem am Montag erscheinenden Buch "Falsche Bilder - Echtes Geld" die Mechanismen des verschwiegenen Marktes auf, der es dem verurteilten Kunstfälscher Wolfgang Beltracchi so leicht machte, Millionen zu kassieren, ein Leben in Luxus zu führen und die Kunstwelt über bald 30 Jahre zu narren.

Der spektakuläre Prozess gegen den "Fälscherfürst" endete im Herbst 2011 aber im Schnelldurchlauf. Beltracchi wurde auf Grundlage einer Absprache und eines auf 14 Werke begrenzten Geständnisses zu sechs Jahren Haft verurteilt, die er derzeit im offenen Vollzug verbüßt.

"Der Kölner Prozess hat bestenfalls die Spitze des Eisbergs aus Leichtgläubigkeit, Schludrigkeit und Geldgier des internationalen Kunstmarkts gezeigt", konstatieren die beiden Journalisten. Tausende Seiten Ermittlungsarbeit seien unbeachtet geblieben. Nach Sichtung der Akten stellen sie fest, "dass der internationale Kunstmarkt zuweilen einem Morast gleicht".

Steueroasen in Hongkong, Bildübergaben im Genfer Zollfreilager, Zwischenfinanzierer in der Karibik, Taiwan und auf den Bahamas und in Singapur, dubiose Vermittler und Kunstexperten, die Fälschungen mit Echtheitsexpertisen adeln und hohe Provisionen kassieren: Das Buch gleicht einem Krimi. Jährlich werden Milliarden auf dem Kunstmarkt umgesetzt. Die Gewinnmargen seien so hoch wie sonst nur im Drogen- oder Waffenhandel, so die Autoren. Im Kunstmarkt profitierten alle von der eisernen Diskretion. Kein Händler würde seine Quelle preisgeben, aus der er "marktfrische" millionenschwere Ware bezieht.

Beltracchi hätte nach Erkenntnissen der Autoren schon viel früher das Handwerk gelegt werden können. Mitte der 90er Jahre habe er sich den Ermittlungen der Polizei entziehen können, indem er sich mit seiner Frau Helene nach Frankreich absetzte. Schon in den 80er Jahren habe Beltracchi, der damals noch Fischer hieß, eine "Fälschungsfabrik" geführt.

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