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Zuletzt aktualisiert: 21.04.2012 um 13:35 UhrKommentare

Meyerhoff begeisterte als "Robinson Crusoe"

Foto © APA

Den Besuchern des Wiener Burgtheaters bot sich Freitagabend ein ungewöhnlicher Blick - saßen sie doch bei der Premiere von "Robinson Crusoe. Ein Projekt einer Insel" zur Abwechslung mal auf der Bühne mit Blick auf den Zuschauerraum. Dieser wurde nämlich bei der Premiere von "Robinson Crusoe. Ein Projekt einer Insel" zum Spielplatz des gestrandeten Robinson. Am Ende gab es begeisterten Applaus.

Mit Kapitänshut am Kopf, Miniatur-Segelschiff in den Händen und dem argwöhnischen Vater (Ignaz Kirchner) am Stuhl neben sich, erzählt der Engländer Robinson Cruso (Joachim Meyerhoff) anfangs zuerst all jene Geschichten aus dem 1719 erschienenen Roman Daniel Defoes, die heute kaum geläufig sind. Bevor der besessene Seemann aus gutbürgerlichem Hause nämlich sein Dasein 27 lange Jahre auf einer einsamen Insel fristete, erlebte er stürmische Seen, Gefangenschaft durch Piraten und ein gutes Leben als Zuckerplantagenbesitzer in Brasilien.

Erst der Sklavenhandel ermöglichte ihm jene "streng geheime Expedition", von der der selbstherrliche Abenteurer immer geträumt hatte - und die ihn, wie das Schicksal so will, zur Einsamkeit auf einer fernen Insel verdammte. Unter Blitz, Donner und bedrohlicher Musik werden die Zuschauer, die auf Stühlen von der hinteren Wand der Bühne bis zur Mitte des Zuschauerraums sitzen, als Passagiere mit ins Unglück gerissen, ehe Crusoe ohne Bekleidung oder Orientierung am einsamen "Strand" zwischen den Sitzreihen wieder zu Sinnen kommt.

Verängstigt und verwirrt heißt es, sich an die Umgebung anzupassen: Eine ausgerissene Stuhllehne hält als Waffe her, der rote Sitzbezug als Bedeckung der Genitalien, das Stuhl-Innenfutter als kurzfristige Nahrung und die Loge als Versteck vor möglichen Feinden. Belustigt und entsetzt zugleich beobachtet der Theaterbesucher die fortschreitende Zerlegung "seines" Burgtheaters. Nach zahlreichen Jahren voller Einsamkeit taucht "Freitag" (Kirchner) auf und verleiht dem fortschreitenden Wahn des Gestrandeten eine neue Dimension.

Es ist eine schier unerschöpfliche Menge an originellen Ideen, die Meyerhoff und Regisseur Jan Bosse an diesem Abend aus dem Hut zaubern. Meyerhoff kann als archetypischer Crusoe die unglaubliche Bandbreite seines Könnens vom hervorragenden Redner zum vielseitigen Charakterdarsteller und komödiantischen Talent unter Beweis stellen und hat mit Ignaz Kirchner als naivem und ergebenem "Wilden" einen ausgezeichneten Partner an seiner Seite.

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