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Zuletzt aktualisiert: 31.12.2012 um 16:34 UhrKommentare

Sie trotzen auch der größten Kälte

Bei Kälte, Eis und Schnee brechen für sie harte Zeiten an: Fachleute erklären, wie Wildtiere auch harte Winter überstehen.

Foto © APA

Allein die Vorstellung, bis zum Hals in einem Schneeloch zu stecken, reicht aus, dass sich Gänsehaut breitmacht. Nicht so beim Schneehuhn. Zu seiner Überlebensstrategie im Winter gehört, sich einschneien zu lassen, bis nur noch der Kopf zu sehen ist - quasi ein gut isoliertes Iglu für Tiere.

Wenn die Temperaturen sinken und die Erde dick mit Schnee bedeckt ist, brechen für Wildtiere harte Zeiten an. Und jedes hat seine eigene Überlebensstrategie entwickelt. "Grundsätzlich sind Wildtiere gut an Schnee und Kälte angepasst", sagt der steirische Landesjägermeister Heinz Gach, "trotzdem herrscht im Winter eine erhöhte ,kompensatorische' Sterblichkeit, eine natürliche Auslese, der kranke und schwache Tiere zum Opfer fallen".

Vorsorglich wird deshalb im Tierreich isoliert und Energie gespart: Der Stoffwechsel wird reduziert, der Herzschlag verlangsamt und die Körpertemperatur besonders in den Extremitäten abgesenkt. Die Speckschicht wird dicker, das Fell oder Federkleid dichter.

Drastisch wirken sich jetzt Störungen durch den Menschen aus, Tourengeher oder Skifahrer. "Werden die Tiere gestört, müssen sie ihren Stoffwechsel rasch hochfahren. Das kostet viel Energie, bis zum Zehnfachen" - die in Form von Futter mühsam wieder ausgeglichen werden muss.

1. GAMS: Sie schützen gleich zwei Schichten: eine dichte Unterwolle und nach außen hin isolieren lange Grannenhaare, die im Winter schwarz, hohl und mit Luft gefüllt sind. Gach: "Dann stellt sie sich in die Sonne und speichert die Wärme wie eine Solarzelle." Dieses Fell isoliert so gut, dass der Schnee, der auf die Gams fällt, nicht schmilzt.

Gams, Hirsch und Reh fallen in eine Art Winterruhe, einen "partiellen Winterschlaf", erklärt Gach: "Dabei wird die äußere Körpertemperatur weit abgesenkt, die Läufe werden klamm und steif." Das könnten sich aber nur Tiere leisten, die nicht mit Störungen rechnen müssen.

2. HIRSCH: Wildbiologen haben entdeckt, dass auch die großen Tiere ihre äußere Körpertemperatur bis auf 15 Grad Celsius senken können. Herzschlag, Atmung und Stoffwechsel werden zurückgefahren. Der Unterschied zu Winterschläfern besteht darin, dass Rotwild nur etwa acht bis neun Stunden im "Energiesparzustand" bleibt. Das Fell wird im Winter graubraun.

3. REH: Dem Rehwild verschafft im Winter graubraunes Fell eine gute Tarnung. Rehe fressen alle fünf Stunden, brauchen dann aber Stunden zum Wiederkäuen. Dieser Rhythmus soll möglichst nicht gestört werden. Gach: "Um Schäden an Bäumen durch hungrige Tiere zu vermeiden, werden Hirsch, Reh und Gams gefüttert."

4. FUCHS, DACHS: Fuchs und Dachs ziehen sich im Winter in ihre Baue zurück, "wobei der Dachs gräbt und der Fuchs sich bedient", schmunzelt Gach. Nahrungsengpässe hat der Allesfresser Fuchs keine zu befürchten. Findet er keine Mäuse mehr, frisst er Aas oder Obst.

Dachse halten Winterruhe. Für den Winter haben sie sich eine dicke Speckschicht angefressen - und sich eine Heizung zugelegt. "Sie schleppen im Herbst feuchtes Laub in ihren Bau, das vergärt und wärmt. Manchmal kann man im Winter Rauch aus einem Bau aufsteigen sehen", erzählt der Wildbiologe Christopher Böck.

5. MURMELTIER: "Sie können ihre Körpertemperatur auf drei Grad und ihren Herzschlag auf drei pro Minute absenken", weiß Gach. Sie schlafen bis zu sieben Monate lang zusammengekuschelt in ihrem Bau und werden erst im Mai wieder munter.

6. HASE: "Hasen sind den ganzen Winter über munter unterwegs." Sie suchen sich Sonnenplätze an Wiesenrändern, fressen Eicheln, Bucheckern, Gras und Klee im Umkreis von Bäumen und Häusern und kuscheln sich in Mulden und Furchen, wo sie auch gut getarnt sind.

7. WILDSCHWEIN: Sie sind durch Fell und eine dicke Speckschicht besonders gut geschützt - wichtig, denn Winterzeit ist Brautschauzeit. Lange und strenge Winter setzen ihnen zu, weil das Wühlen in der gefrorenen Erde nicht möglich ist. Wie Füchse sind sie Allesfresser.

8. LUCHS, WOLF: Luchse und Wölfe bleiben im Winter aktiv. Der Luchs wird im Winter graubraun, der Wolf silbergrau. Beide brauchen Fleisch, zur Not Fallwild. Die großen Pranken verhindern ein Einsinken im Schnee. Das Winterfell des Luchses gehört zu den dichtesten im Tierreich.

9. ENTE: "Sie streichen ihr Gefieder regelmäßig mit Fett aus der Bürzeldrüse ein, als Schutz gegen Wasser." Das Federkleid wird dichter, die Füße werden weniger durchblutet, damit sie auf dem Eis nicht festfrieren oder es schmelzen. Enten schwimmen an eisfreien Stellen und suchen sich durch Gründeln am Rand von Bächen oder Teichen ihr Futter. Und nicht nur dort: Den Tieren kann man auch bei der "Grünäsung" auf Feldern begegnen.

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