Die geschleppten Flüchtlinge dürften noch in Ungarn gestorben sein. "Faktum ist, dass es sich (bei den Festgenommenen, Anm.) tatsächlich um jene Tätergruppe handelt, die diese Schleppung am 26. bzw. 27. August durchgeführt hat", sagte Landespolizeidirektor Hans Peter Doskozil bei einer Pressekonferenz. Der Lenker des Lkw sei definitiv unter fünf in Ungarn Festgenommenen.

Laut dem Polizeichef könne man die Todesursache noch nicht zu 100 Prozent sagen, aber aufgrund der Anzahl der Personen und des Volumens des Lkw "gehen wir davon aus, dass innerhalb kürzester Zeit der Erstickungstod noch in Ungarn der Tod eingetreten ist", betonte Doskozil. Das Fahrzeug war laut technischer Untersuchung luftdicht. Laut Verena Strnad von der Staatsanwaltschaft Eisenstadt wurden die Obduktionen abgeschlossen.

Laut Landespolizeidirektor Doskozil war der Lkw, in dem die toten Flüchtlinge entdeckt worden waren, luftdicht abgeschlossen. Das habe die technische Untersuchung des Fahrzeuges, die bereits abgeschlossen sei, ergeben. Außerdem war das Kühlaggregat nicht angeschlossen. Dieses hätte allerdings auch keine Frischluftzufuhr ermöglicht, erläuterte der Polizeichef.

Unter den fünf in Ungarn festgenommenen Personen befindet sich laut Exekutive auch der Lenker. Dies haben sowohl DNA-Spuren und ein Handflächenabdruck gezeigt, als auch Zeugenaussagen untermauert.

Der Lkw sei am 26. August um 5.00 Uhr an der serbisch-ungarischen Grenze gestartet. Aller Voraussicht nach habe er um 10.00 Uhr die österreichische Grenze überschritten. Am darauffolgenden Tag, am 27. August, haben die Beamten dann den in einer Pannenbucht der Ostautobahn bei Parndorf (Bezirk Neusiedl am See) abgestellten Kühltransporter kontrolliert und die toten Flüchtlinge entdeckt.

Die genaue Rollenverteilung der insgesamt sechs Festgenommenen blieb unklar. Fünf Personen befinden sich in Ungarn, eine Person in Bulgarien in Polizeigewahrsam. Unter ihnen befinde sich der "Lenker dieses Transportes und die anderen Personen stehen in einem unmittelbaren Zusammenhang mit diesem Transport", sagte Verena Strnad, Sprecherin der Staatsanwaltschaft.

Die 71 toten Flüchtlinge dürften aus den Ländern Syrien, Irak und Afghanistan stammen. Man gehe derzeit davon aus, dass die sichergestellten Reisedokumente den Toten gehören, sagte Landespolizeidirektor Hans Peter Doskozil am Freitag in Eisenstadt.

"Angesichts des fortgeschritten Verwesungszustandes wird es vielleicht nicht in allen Fällen möglich sein, die Opfer identifizieren zu können", betonte der Polizeichef.

Im Zuge der Ermittlungen im Zusammenhang mit dem Schlepperdrama auf der A4 hat die Polizei einen ähnlichen Schlepperfall aufgedeckt. 81 Personen seien in einem fast bauartgleichen Fahrzeug wie der Todes-Lkw auf der A4 nach Österreich geschleppt worden, sagte Polizeichef Doskozil in Eisenstadt.

Diese 81 Geschleppten hätten sich in einer fast ähnlich lebensbedrohlichen Situation befunden wie die 71 offenbar erstickten Flüchtlinge. Diese Gruppe konnten sich aber in Gols (Bezirk Neusiedl am See) aus dem Fahrzeug befreien, hieß es am Freitag.

Die zweite Schleppung führte die "selbe Tätergruppe" am 27. August durch, genau jenem Tag, an dem der Lkw mit den 71 Toten auf der Ostautobahn im Burgenland entdeckt wurde. Das sagte Polizeichef Hans Peter Doskozil bei der Pressekonferenz. Dazu gebe es auch schon sechs Niederschriften.

Den 81 Personen sei es gelungen, "mit einem Brecheisen die Seitentür des Fahrzeugs während laufender Fahrt zweimal zu öffnen", erklärte Doskozil. In Gols im Bezirk Neusiedl setzte der Schlepper schließlich die Flüchtlinge aus. Dieser Fall sei "eindeutig auch dieser Tätergruppe zuzuordnen", sagte Doskozil. Hinweise zu dem Fall erhielt die Polizei, nachdem Medien Fotos der Verdächtigen veröffentlichten.