Schlechte Stimmung, mindestens zehn Flaschen Bier und zwei Beruhigungstabletten zum "Abschalten": Dies alles führte ein 34-jähriger Angeklagter am Montag bei einem Prozess in Salzburg als Grund an, warum er sich an den ihm zur Last gelegten Mordversuch an seiner Freundin in der Nacht auf 8. März im Oberpinzgau nicht erinnern konnte und er sich daher auch nicht schuldig bekannte.

Der Angeklagte soll laut Staatsanwältin Barbara Fischer auch versucht haben, seine 47-jährige Freundin zu vergewaltigen. Er habe sie nach einem Lokalbesuch gegen 4.00 Uhr in ihrem Bett mit den Füßen gegen die Oberschenkel und Knie getreten, ihr einen Polster gegen das Gesicht gedrückt und sie gewürgt, als sie einen Geschlechtsverkehr abgelehnt hatte. Der türkische Staatsbürger habe erst von der Frau abgelassen, als sie ihn in den Unterarm gebissen habe. "Der Angeklagte nahm zumindest billigend in Kauf, sie zu töten. Die Frau hat Todesängste ausgestanden. Sie rannte aufgelöst zu den Nachbarn, die dann den Notruf gewählt haben." Einem Gutachten zufolge hatte der 34-Jährige 1,24 Promille Alkohol im Blut.

Die 47-Jährige erlitt ein Würgetrauma, Prellungen am Oberschenkel, eine Abschürfung am Hals sowie Hämatome hinter den Ohren und an den Knien. Zudem leide die Frau immer noch an einer psychischen Folgestörung, sagte der Rechtsanwalt der Pinzgauerin. Neuro-Psychiater Ernst Griebnitz attestierte dem Angeklagten zwar eine kombinierte Persönlichkeitsstörung, er hielt ihn aber zur Tatzeit für zurechnungsfähig. Eine tief greifende Bewusstseinstörung schloss Griebnitz aus.

"Psychisch schwer krank"

Verteidiger Michael Dalus legte den Geschworenen nahe, dass sein Mandant, der als 14-Jähriger nach Österreich kam, psychisch schwer krank sei und seit dem Jahr 2002 ständig psychisch betreut werde. "Er war mehrfach in einer geschlossenen Anstalt. Er hat eine Sachwalterin bekommen, die für ihn die Dinge des täglichen Lebens regelt." Der Angeklagte schilderte dann selbst sehr ausführlich, dass die Krankheit im 21. Lebensjahr aufgetreten sei, er manisch depressiv sei und an Angstzuständen und Verwirrtheit leide. In einer tagesstrukturierten Einrichtung hatte der gelernte Bäcker zuletzt Arbeit gefunden.

Seine Freundin lernte der Angeklagte 2011 in einer psychiatrischen Anstalt kennen. Die beiden gingen dann eine lose Beziehung ein. Die Frau selbst beschrieb das Verhältnis bis zur Tat laut Staatsanwältin als "emotional positiv". Am Tag vor dem vorgeworfenen Übergriff habe er seine Krankheit überspielt, er habe ja sein Leben ohne Tabletten bewältigen wollen, erzählte der Beschuldigte. "Als ich bei meiner Freundin war, ist es mir innerlich schlecht gegangen, ich hab ihr das nicht gezeigt."

Nachdem er mit seiner Freundin ein Glas Sekt getrunken und sie sich gegen 21.00 Uhr ins Bett gelegt habe, sei er noch in zwei Lokale gegangen, er habe dort Bier getrunken und die zwei Tabletten genommen, sagte der Angeklagte. "Vom Alkohol werde ich nervös, unruhig und aggressiv. Jetzt weiß ich: Das war die falsche Kombination." An was er sich zur Tatzeit noch erinnern könne, fragte der vorsitzende Richter Günther Nocker. "Meine letzte Erinnerung war: Sie hat geschrien: 'Lass mich los, ich tue alles für dich.' Dann habe ich losgelassen. Als ich aufgewacht bin, habe ich mich im Spiegel gesehen. Da habe ich selbst Panik bekommen und mich gefragt: Was war los, sie ist nicht mehr da." Der Prozess wird morgen, Dienstag, am Landesgericht fortgesetzt.