22. November 2014, 17:47 Uhr | Aktualisiert vor 2 min | Als Startseite
Zuletzt aktualisiert: 13.10.2010 um 21:18 UhrKommentare

Ein Wunder wird wahr, die Welt sieht zu

Chile atmet auf, die Welt schaut zu: Die Bergung der 33 eingeschlossenen Bergleute klappt wie am Schnürchen - einer nach dem anderen kommt nach 69 Tagen ans Licht.

Foto © Reuters

Als Alfonso Ávalos von dem Unglück in der Grube San José hörte, machte er sich sofort auf den Weg. 13 Stunden fuhr er von Salamanca aus, wo die Familie zuhause ist, nach Norden. Am 6. August stand er in der Atacama-Wüste vor dem Eingang der Mine - an dem hellblauen Schild mit der Mahnung "Gemeinsam achten wir bei der Arbeit auf Sicherheit".

Der Farmarbeiter Ávalos war ziemlich allein: "Am Anfang war niemand hier". Dann, sagt er, fand sich immerhin eine Handvoll Fremder ein, mit denen ihn zunächst nichts als das Bangen verband, weil auch sie einen Mann da unten hatten.

Unermesslicher Schmerz

Bangt man doppelt, wenn man, wie Alfonso Ávalos, gleich zwei Söhne hat, die von dem unterirdischen Erdrutsch eingeschlossen sind? Ja, sagt er einfach. Aber der Schmerz sei sowieso so groß, dass man ihn eigentlich weder verdoppeln noch halbieren könne.

Jetzt, nachdem die 33 aus der Mine San José gerettet sind, ist über dem strahlenden Triumph der spektakulären Rettung und der grenzenlosen Erleichterung der Horror der ersten 17 Tage in den Hintergrund getreten - als sie annehmen mussten, einfach zu verhungern.

Malt man sich aus, was den Männern zweieinhalb Wochen lang durch den Kopf gegangen sein mag, ist die Furcht der Angehörigen das Geringere. Am 15. Tag hörten sie die Sonde, die nach ihnen suchte. Sie verfehlte ihren Schacht um ein, zwei Meter. Dann stellte sie das Bohren ein. Es war wieder totenstill.

Als die Sonde am 22. August ihr Gefängnis traf, als die Bergleute den Bohrkopf rot anstrichen, um auf sich aufmerksam zu machen, als sie den Zettel mit dem berühmten Satz "Uns 33 geht es gut im Schutzraum" nach oben schickten, war Ávalos nicht mehr allein mit den anderen Angehörigen. Das Unglück wurde zur Sensation, die Chile und die Welt seitdem in Atem hält. Wie die Heuschreckenschwärme fielen die Presseleute ein. Ávalos hat gelernt, Interviews zu geben, aber Dienstagnacht ergriff er die Flucht: Er hielt die Belagerung einfach nicht mehr aus.

Als das Los entschieden hatte, dass sein Sohn Florencio, 31, als erster durch die 620 Meter lange und knapp 70 Zentimeter dünne Röhre hochgezogen würde, begann die Weltpresse den Zeltunterstand zu belagern, in dem die Familie Ávalos jeden Abend bei Mate-Tee die Beine einem mit glühender Holzkohle gefüllten Becken entgegenstreckt.

Die Ávalos saßen umzingelt und eingeschüchtert da, und als die Kameras immer näher kamen, rannte der Vater plötzlich wie in Panik davon - wie gehetzt vom Rudel der blindlings nachjagenden Fernsehleute.

Solche Ereignisse sind die beklagenswerten Begleiterscheinungen der globalen Reality Show mit dem Titel "Los 33".

  • Druckbare Version anzeigen
  • E-Mail

Kommentare

Es sind noch keine Kommentare vorhanden.

» Kommentar erstellen

Wir weisen darauf hin, dass dieses Forum nicht moderiert wird. Als Nutzer stimmen Sie der Speicherung der von Ihnen angegebenen Daten (Stamm-, Verkehrsdaten, etc.) ausdrücklich zu. Bei der Erstellung von Kommentaren haben Nutzer rechtliche Bestimmungen (zB Privat-, Strafrecht), die Netiquette und Forenregeln einzuhalten. Beschimpfungen, Verspottungen, Belästigungen, Ehrbeleidigungen, etc. sind daher verboten! Beiträge, die diesen Bestimmungen zuwiderlaufen, werden bei Kenntnis gelöscht, Nutzer allenfalls gesperrt. Die angegebenen Daten werden an staatliche Stellen (zB Polizei, Gericht) bei Untersuchung von vom Nutzer verbreiteten Materialien, oder sonst vorgenommenen ungesetzlichen Aktivitäten, weitergegeben. Weiters werden angegebene Daten (Name, Postanschrift und E-Mail-Adresse, jedoch keine Handynummer) an sonstige Dritte bei Verletzung von Rechten oder sofern deren Rechtsverletzung nachvollziehbar behauptet wird (zB gem. § 18 Abs. 4 ECG), weitergegeben. Mit der Erstellung von Kommentaren stimmen Sie dem ausdrücklich zu und verzichten auf die Geltendmachung von jeglichen Ansprüchen. Siehe dazu auch unsere Forenregeln/Betriebsbedingungen in den AGB.

Wartungsarbeiten

  • >> Liebe User!
    • Auf unserer Website gibt es einige Neuerungen:
    • Die bisherigen Gemeinde- und Bezirksseiten werden durch Regionalportale ersetzt – Sie erhalten hier alle wichtigen Neuigkeiten aus Ihrer Region.
    • Auf der Startseite werden Nachrichten nun in Ressort-Blöcke gegliedert (Sport, Politik etc.) - für einen besseren Überblick.
    • Aufgrund von technischen Umstellungen können wir vorübergehend keine Wetterinformationen und Gewinnspiele anbieten. Die Inhalte werden ehestmöglich wieder bereitgestellt. Vielen Dank für Ihr Verständnis.

    Weitere Informationen finden Sie HIER. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an: feedback@kleinezeitung.at
    Ihr Kleine Zeitung Team

Apps für alle