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Zuletzt aktualisiert: 04.03.2013 um 09:44 UhrKommentare

Papst-Wahl: Drei heikle Themen belasten Konklave

Pädophilie, Vatileaks und die Querelen rund um die Vatikan-Bank IOR könnten die Wahl des neuen Papstes beeinflussen. Derzeit finden in Rom die ersten Generalkongregationen zur Vorbereitung des Konklaves statt.

Foto © AP

Noch steht das Datum für den Beginn des Konklaves nicht fest. Die Verhandlungen vor Beginn der Papst-Wahl werden jedoch stark von drei heiklen Themen beeinflusst, die den Vatikan seit Monaten belasten: Die Missbrauchsskandale, die Vatikan-Bank IOR und der Fall "Vatileaks". Die Affäre rund um das Oberhaupt der Katholiken in Großbritannien, Kardinal Keith O'Brien, der nach Vorwürfen des unangemessenen Verhaltens gegenüber jungen Priestern zurückgetreten ist und daher nicht am Konklave teilnimmt, sagt viel aus über das Gewicht, das die Missbrauchsskandale bei den Diskussionen vor dem Konklave spielen werden. Die acht Jahre Pontifikat unter Joseph Ratzinger sind stark von den Missbrauchsskandalen geprägt worden, jetzt könnte das heikle Thema der Pädophilie die Wahl eines Nachfolgers Benedikts maßgebend beeinflussen.

Thema Missbrauch

Mindestens fünf Papst-Wähler sind wegen ihres umstrittenen Umgangs mit Missbrauchsskandalen unter Druck geraten. Der bekannteste ist der frühere Erzbischof von Los Angeles, Roger Mahony, der beschuldigt wird, Missbrauchsvorwürfe gegen Priester seiner Diözese vertuscht zu haben. Ein ähnlicher Verdacht trifft den belgischen Kardinal Godfried Danneels. Vor drei Jahren hatte die Polizei seine Wohnung durchsucht und seinen Computer beschlagnahmt, um festzustellen, ob er über Missbrauchsfälle in der belgischen Kirche zwischen den 60er und 80er-Jahren informiert war. Auch der irische Primas Sean Brady wurde beschuldigt, die Skandale rund um pädophile Priester in seiner Heimat verheimlicht zu haben.

"Das Thema Missbrauchsskandale wird im Konklave eine Rolle spielen und Spitzenfiguren im Kampf gegen die Pädophilie wie den Wiener Erzbischof Christoph Schönborn und den Bostoner Kardinal Sean O ?Malley bei der Papst-Wahl begünstigen", meint Iacopo Scaramuzzi, Vatikan-Experte der Nachrichtenagentur TMNews.

Thema Vatikan-Bank IOR

Auch die Zukunft der skandalumwitterten Vatikanbank IOR wird die Verhandlungen um die Wahl des neuen Papstes beeinflussen. Seit Mitte Februar hat die Bank zwar einen neuen Chef, den 54 Jahre alten deutschen Finanzexperten Ernst von Freyberg, die Affäre ist aber keineswegs ausgestanden. Der Vatikan steht unter Beobachtung des Anti-Geldwäsche-Ausschusses "Moneyval" des Europarates, der dem Kleinstaat noch im vergangenen Sommer zwar normative Fortschritte attestiert, doch zugleich bemängelt hatte, dass die konkrete Kontrolle unzureichend geblieben sei.

Diese heikle Frage könnte das Konklave dazu veranlassen, sich für einen "Manager-Papst" mit praktischem Sinn und Kompetenzen im Finanzbereich zu entscheiden, der sich verstärkt um mehr Transparenz in den Geldangelegenheiten des Vatikans kümmern könne. Zu den aussichtsreichsten Papst-Kandidaten zählen nicht zufällig zwei Mitglieder des IOR-Aufsichtsrats, der Brasilianer deutscher Abstammung Odilo Pedro Scherer und der indische Kardinal, Telesphore Toppo.

Thema "Vatikleaks"-Affäre

Das Konklave wird auch von der sogenannten "Vatileaks"-Affäre um gestohlene päpstliche Dokumente belastet. Immer wieder kursieren Gerüchte über einen Zusammenhang zwischen den vertraulichen Berichten dreier Kardinäle über den Fall "Vatileaks" und den Amtsverzicht Benedikts XVI. Die Kardinäle hatten dem Papst im vergangenen Juli, sowie am 17. Dezember die Ergebnisse ihrer Untersuchungen mitgeteilt. Darin sollen Sex und Korruption im Vatikan eine spektakuläre Rolle spielen, berichtete die römische Tageszeitung "La Repubblica" ohne genaue Quellenangaben. Das im Report der drei Kardinal-Kommissare gezeichnete Bild vom Zustand der römischen Kurie sei so dramatisch gewesen, dass sich Benedikt XVI. daraufhin definitiv zum bereits angedachten Rücktritt entschlossen habe. Von homosexuellen Seilschaften, die auch eifrig Geschäfte machen, war die Rede. Der Vatikan reagierte empört und sprach von Verleumdungen und ungeprüften Gerüchten, die das Konklave beeinflussen könnten.

Die drei emeritierten Kardinäle Julian Herranz, Jozef Tomko und Salvatore De Giorgi, Mitglieder der im Fall Vatileaks ermittelnden Kommission, werden Benedikts Nachfolger ihren Geheimbericht weitergeben. Die drei Purpurträger könnten jedoch schon bei den am Montag begonnenen Generalkongregationen den Kardinälen über den Inhalt des Dossiers berichten, was wiederum die Papstwähler bei der Suche eines Nachfolgers beeinflussen könnte, meinen Vatikan-Insider in Rom.

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Fakten

  • Im Vatikan finden derzeit erste sogenannte Generalkongregationen zur Vorbereitung des Konklaves für die Wahl eines neuen Papstes statt. Wie viele der Treffen es bis zum Konklave geben wird, ist offen. Ein Termin für den Beginn der Wahlversammlung soll festgelegt werden, wenn die 115 erwarteten wahlberechtigten Kardinäle in dem Kirchenstaat eingetroffen sind.

Interview mit Notker Wolf

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