22. Dezember 2014, 12:21 Uhr | Aktualisiert vor - min | Als Startseite
Zuletzt aktualisiert: 14.02.2013 um 21:07 UhrKommentare

"Es gibt keine alternative Therapie"

Expertin Fischer über den Drogenersatz.

Nach dem Vorstoß der Ministerin: Wie sind Ihre Erfahrungen mit der Drogenersatztherapie?

GABRIELE FISCHER: Die Sucht ist eine chronische Erkrankung - wir können nicht heilen, aber stabilisieren. Substitutionsmedikamente sind hervorragend geeignet, Patienten so zu stabilisieren, dass sie eine gute Lebensqualität haben. Das ist der 'State of the Art': die sogenannte Erhaltungstherapie mit Opioiden. Dazu gibt es keine Alternative.

Wer kommt für eine solche Ersatztherapie infrage?

FISCHER: Die Indikation ist die Opiat-Abhängigkeit. Meist sind es Heroinabhängige, aber es gibt auch immer mehr Abhängige durch Schmerzmittel. Vor Therapiebeginn müssen Patienten aufgeklärt werden und die Therapie muss von geschulten Ärzten gemacht werden! Aber das ist ein Problem in Österreich.

Wo liegt das Problem?

FISCHER: 70 Prozent der Betroffenen werden von Allgemeinmedizinern betreut, doch die Suchterkrankung ist eine schwere psychiatrische Erkrankung. Daher braucht es auch eine Diagnose durch den Psychiater, denn viele Süchtige haben Depressionen oder Angststörungen. Allgemeinmediziner werden oft allein gelassen. Jede psychiatrische Abteilung müsste bereit sein, Süchtige in einer Spezialambulanz zu betreuen. Dann würde es auch das Schwarzmarkt-Problem nicht geben.

Wie kann es passieren, dass Ersatzmedikamente auf dem Schwarzmarkt landen?

FISCHER: Die Medikamente sind nur so gut, wie sie verschrieben werden. Es braucht eine Qualitätssicherung durch die Ärztekammer: Der Arzt muss in Mengen verschreiben, sodass der Patient stabil ist, aber nicht zu große Mengen.

Es bleibt meist bei der chronischen Therapie - warum gibt es keinen endgültigen Entzug?

FISCHER: Eine langsame Reduktion der Opioide ist möglich - aber erst nach Jahrzehnten. Das passiert bei 20 Prozent der Patienten. Aber diese Therapie ist billig: Sie kostet acht bis zehn Euro pro Tag.

Wie schätzen Sie den geforderten Haar-Drogentest ein?

FISCHER: Vor Gericht hält er nicht stand, da die Methode massiven Schwankungen unterliegt: Je nachdem ob das Haar dunkel, hell oder dauergewellt ist, speichert es anders. Der Test ist international nicht akzeptiert. INTERVIEW: SONJA SAURUGGER

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