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Zuletzt aktualisiert: 04.01.2013 um 13:07 UhrKommentare

Smartphones als finanzieller Bumerang

Nach dem weihnachtlichen Konsumrausch kommt für so manchen die große Ernüchterung, wenn er auf sein Konto blickt und dort ein großes Minus klafft. Schuldnerberatungsstellen haben zu Jahresbeginn viel Arbeit.

Foto © Fotolia: mapoli-photo

"Im ersten Quartal melden sich österreichweit mehr Leute an als im restlichen Jahr", sagt Hans Grohs, Geschäftsführer der Schuldenberatungsdachorganisation asb. Mit den Weihnachtseinkäufen habe das nicht unmittelbar zu tun, sondern eher mit den Vorsätzen fürs neue Jahr. Vom Weihnachtsgeld ist bei vielen schon zu Weihnachten nichts mehr übrig gewesen.

Lockerer Umgang mit Geld

Natürlich werde "der lockere Umgang mit Geld, das man zum Teil nicht hat", um die Weihnachtszeit noch sichtbarer. Was ist mit dem Weihnachtsgeld? "Das kommt bei vielen schon im Oktober, November und dient da zum Teil zur Abdeckung der Kontoüberziehung", so Grohs am Freitag zur APA. "Gefühlt steht es vielleicht zur Verfügung, aber nicht am Konto. Genau dieses Denken ("das geht sich schon noch aus") ist des Pudels Kern. Es sei der "nicht kalkulierte, rationale Umgang mit Geld", der die Menschen in die Schuldenfalle treibe, erzählt Grohs. Seine Klienten haben also oft nicht nachgerechnet, was sich ausgeht und was eben nicht.

Wobei gut die Hälfte der 50.000 Personen, die sich österreichweit im Jahr an eine Schuldnerberatung wenden, generell über ein sehr niedriges Einkommen verfügt - meist aufgrund von Arbeitslosigkeit. Bei diesen Menschen ist das Geld so knapp, dass neben den Fixkosten kaum noch was zum Leben bleibt. "Oft haben sie auch keine großen Überziehungsmöglichkeiten", so Grohs. Ein weiteres Drittel aber lebt einfach auf zu großem Fuß. "Bei der Konsumverschuldung geht's darum, dass ich durchschnittlich verdiene, aber mehr ausgebe, um einen gewissen Standard zu haben", meint der Experte. Es seien vor allem junge Leute in der Altersgruppe 25 bis 35, bei denen die Brieftasche (zu) locker sitzt.

Neben teuren Flatscreens erweisen sich immer häufiger auch Smartphones als finanzieller Bumerang. Zum Anschaffungspreis kommen nämlich monatliche Fixkosten von 20 bis 30 Euro, und das meist über zwei oder Jahre. Grohs rät, sein Einkommen "nicht mit Verpflichtungen vollzupflastern". Das gilt für Handyverträge genauso wie für Ratenkäufe bei Autos, Möbeln oder Elektrogeräten. Letztere scheinen wieder populärer zu werden; dies, weil die Banken bei Konsumkrediten "weit nicht mehr so großzügig sind wie vor zehn Jahren", weiß der asb-Geschäftsführer.

Zwei Drittel der Menschen, die bei Schuldnerberatungen Hilfe suchen, stehen mit bis zu 50.000 Euro in der Kreide, ein Drittel hat sogar noch mehr Schulden. Ab welcher Höhe Schulden problematisch sind, hängt vom Einkommen ab. Der Experte empfiehlt prinzipiell jedem Haushalt, ein Budget zu erstellen, am besten einen Jahresplan mit Einkommen und Ausgaben. Der Jahresbeginn sei ein idealer Zeitpunkt dafür: "Was verdiene ich monatlich? Wann werden Versicherungen fällig? Wie sieht es mit kleineren Beträgen, zum Beispiel Gebühren, aus? Wie hoch sind meine monatlichen Fixkosten? Wieviel kann ich für Konsum zur Seite legen?" Grohs' Tipp: Ausrechnen, was an einem Tag an "Taschengeld" übrigbleibt.

Gefährliche Kreditkarten

Für alle Eventualitäten sollte man sich auch noch einen Sparpolster aufbauen. Wenn möglich, so Grohs, sollte man 15 bis 20 Prozent des Einkommens zur Seite legen. Für gefährlich hält der Experte Kreditkarten. "Da leiht man sich Geld, das man später zurückzahlt". Das Zahlen mit Bankomatkarte habe zwar im Kopf keine so "unmittelbare Wirkung" wie das Ausgeben von Bargeld. "Aber wenn ich weiß, wieviel ich täglich zur Verfügung habe, kann ich es umrechnen".

In Österreich leben geschätzte 780.000 Personen mit Zahlungsschwierigkeiten. Mehr als eine halbe Million Menschen gilt als manifest arm. 855.000 Personen oder 10,6 Prozent der Bevölkerung leben laut jüngstem Sozialbericht in langfristig verfestigter Armut.

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