28. November 2014, 20:26 Uhr | Aktualisiert vor 2 min | Als Startseite
Zuletzt aktualisiert: 31.12.2012 um 18:32 UhrKommentare

Bhutan setzt auf Politik des Glücks

In dem Himalayastaat Bhutan gilt das Glück der Menschen als Messlatte für den Wohlstand des Landes. Ministeriumsbeamte sind unterwegs, um die Leute zu fragen, wie gut es ihnen geht.

Foto © Reuters

Offiziell ist Bhutan eines der am wenigsten entwickelten Länder der Welt. Die Wirtschaft in dem Land ist allerdings im vergangenen Jahr um mehr als sechs Prozent gewachsen. Der Staat im Himalaya befindet sich in einem Prozess des langsamen Aufbruchs und der Öffnung.

Das ist - in einem Land, in dem 70 Prozent der Bevölkerung Bauern aus einfachen Verhältnissen sind - unter anderem an der immer größeren Verbreitung von Mobiltelefonen und Fernsehern zu erkennen.

"Bruttoinlandsglück"

Als Jigme Singye Wangchuk, der vierte König der Dynastie, es sich vor Jahren zum Ziel gesetzt hat, nicht das Bruttoinlandsprodukt, sondern das "Bruttoinlandsglück" als Handelsmaxime heranzuziehen, wurde das im Ausland als utopische Fantasterei belächelt.

Mittlerweile ist das Streben nach Glück in Bhutan aber in der Verfassung verankert: "Der Staat bemüht sich, jene Bedingungen zu fördern, die das Streben nach Bruttoinlandsglück ermöglichen." Und ansatzweise gibt es mittlerweile auch Nachahmer des Projekts im Ausland.

Um herauszufinden, was die Menschen glücklich macht, wurde am Centre for Bhutan Studies ein Fragebogen mit 250 Fragen und mehreren Hundert weiteren Detailfragen entwickelt. So etwa: "Haben Sie einen Computer?", "Gibt es in Ihrem Leben viel Unterhaltung?", "Wer kümmert sich um Sie, wenn Sie krank sind?", "Ist die Regierung gut oder nicht?", "Gibt es Streit im Dorf?", "Wie lange dauert es zu Fuß, das nächste Spital zu erreichen?"

Mit diesen und vielen weiteren sehr persönlichen Fragen konfrontieren die Glücksforscher etwa 7000 per Computer ausgewählte Bhutaner.

Der österreichische Dokumentarfilmer Harald Friedl hat zwei der fünf Teams von Ministeriumsbeamten zwei Monate lang auf ihrer Reise quer durch das gebirgige Land begleitet. Die gesammelten Eindrücke gibt er in seiner Doku "What Happiness Is" wieder, die nun in österreichischen Kinos zu sehen ist.

Bhuddismus als Basis

Die Antworten, die die Beamten bekommen, drehen sich nicht nur um materielle Werte, sondern auch um persönliche und soziokulturelle Probleme. Die Themen reichen von Politik über Spiritualität, Naturbewusstsein, Gesundheit, Psychologie bis Moral.

Dem Konzept des Bruttonationalglücks liegt die Philosophie des Buddhismus zugrunde. Die Auswertung der Antworten soll politischen Entscheidungen als Grundlage dienen. Das ist jedenfalls der Plan.

Im Dienste des Bruttonationalglücks werden aber auch drakonische Maßnahmen erlassen. So hat Bhutan etwa das strengste Anti-Raucher-Gesetz der Welt, um der Bevölkerung beim Loswerden von Süchten zu "helfen" und so auch das landesweite Glück durchzusetzen. Der Konsum von 200 Zigaretten beziehungsweise äquivalenten Mengen an Tabak pro Monat ist Bürgern von Bhutan gestattet, Tabakkonsum darüber hinaus wird mit Haftstrafen von bis zu fünf Jahren geahndet.

Die Idee, persönliches Glück von staatlicher Seite aus stärker in den Vordergrund zu stellen, wurde mittlerweile in mehreren Ländern zumindest ansatzweise aufgegriffen. Das indigene Prinzip des "Sumak kawsay" (gutes Leben) wurde etwa 2008 in die ecuadorianische Verfassung und 2009 in die bolivianische Verfassung aufgenommen.

Vorbildwirkung

In Frankreich denkt die Stiglitz-Kommission über das Bruttonationalglück nach. Das New Economic Foundation's Center for Well-Being in London erstellte einen Happy Planet Index, der Lebenserwartung und Zufriedenheit der Bevölkerung in Relation zu den konsumierten Gütern bewertet. Ansätze gibt es auch in Österreich.

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Fakten

  • Das unabhängige Königreich Bhutan, "Land des Donnerdrachens", ist ein Staat in Südasien.

    Mehr als 80 Prozent des Landes liegen über 2000 Meter Höhe. Das Land hat mit 38.394 km² etwa die Größe der Schweiz.

    Die Bevölkerung setzt sich aus drei Gruppen zusammen: den Ngalongs, den Sarchops und den Lhotshampas.

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