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Zuletzt aktualisiert: 18.12.2012 um 10:55 UhrKommentare

Lust auf ein wenig Weltuntergang?

Ein bisschen Weltuntergang ist eigentlich immer. Sich da auf ein bestimmtes Datum festlegen zu wollen, ist gleichermaßen überflüssig wie hirnrissig. Trotzdem sollte man vor dem nahenden Inferno noch sieben Warnhinweise beachten - in Sachen Alkohol, Beleidigungen, Rechnungen und mehr. Von Thomas Golser.

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Die Menschheit legt traditionell hartnäckigen Ehrgeiz an den Tag, wenn es darum geht sich selbst umzubringen oder den Planeten, den sie bewohnt (ein Ersatzteil dafür ist nicht vorrätig) zu schänden. Trotzdem geht gerade jetzt die wohlige Lust am letzten Stündlein um. Das Ende des Maya-Kalenders verkündete uns angeblich die nahende Sperrstunde für das Leben, wie wir es kennen. Dazu passend gab es viel hirnlose Werbung (Motto: jetzt billig kaufen, später sterben), spezielles Fernsehprogramm (Dokumentationen und seltsame Diskussions-Sendungen mit oft ebenso seltsamen Gästen) und viel Literatur. Und natürlich beteiligte sich auch das Internet an ein wenig Endzeitstimmung.

Die Apokalypse verkauft sich prächtig, angeheizt wurde schon das ganze Jahr über. "Zwei Dinge sind unendlich: Das Universum und die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher", bemerkte bereits ein Albert Einstein.

Vor dem Inferno bleiben also wenigstens sieben Warnhinweise zu beachten:

Alkohol

Die übermäßige Zufuhr von alkoholischen Getränken verschiedener Härtegrade direkt vor dem Ende der Welt ("Doomsday-Long-Drinks", "Weltuntergangs-Parties", "Höllen-Happy-Hours", "Trink' acht und zahl' sieben, wenn die Welt und Du dann noch stehen") dürfte dieses weder hinauszögern noch verhindern. Der so dem Untergang Geweihte könnte sich aber (und hier gibt es ja Erfahrungswerte) am nächsten Morgen (an dem der Planet noch immer da ist) selbst nach Weltuntergang fühlen. Merke: Die Apokalypse lässt sich nicht so einfach weg- oder schöntrinken. Versucht man es trotzdem mit endgültigem Einsatz, dürften Kopfschmerzen apokalyptischen Ausmaßes als gesichert gelten. Ganz egal, was Ihnen der Wirt an der Schank zu fortgeschrittener Stunde noch einreden möchte.

Rechnungen

Zum Kauf von günstigen Monats- oder Halbjahreskarten für den öffentlichen Verkehr wird ganz unabhängig von nahenden Weltuntergängen geraten: Einerseits erspart man sich damit Geld und schont die Umwelt - falls am 22. Dezember noch eine da ist. Andererseits dürften die Kontrollorgane mit Erklärungen wie "Entschuldigung, es warat wegen dem Weltuntergang gewesen, dass ich keinen Fahrschein mit dabei habe" nicht zu beeindrucken sein. Das gleiche gilt für Monatsmieten, Strom- und Heizungsgebühren, die nicht mehr fristgerecht überwiesen werden. Auch das "Gebühren Info Service" (im Volksmund als "GIS" bekannt und berüchtigt) dürfte Ausreden wie "Ich habe seit dem 21. Dezember überhaupt keinen Empfang mehr, alles ist weg", nicht gelten lassen.

Beleidigungen

Mit dem beherzten Beleidigen von Führungspersonal ("Jetzt kann ich Ihnen endlich sagen, was ich schon immer los werden wollte!"), auch in Verbindung mit feuchtfröhlichen Weihnachtsfeiern, sollte wenigstens bis zum 22. Dezember zugewartet werden. Dann ist noch immer genug bzw. mehr Zeit, um sich Worte der Kritik zurechtzulegen - und die Folgen davon können besser abgeschätzt werden. Andernfalls sind Probleme wohl vorgezeichnet: Steht die Welt nach dem Weltuntergang wider Erwarten noch immer, könnte dafür der eigene Job Geschichte sein. Viel besser scheint aber ohnehin die Taktik zu sein, Konflikte konstruktiv und positiv im Gespräch aus dem Weg räumen zu wollen. Sie hängen vielleicht langfristig an Ihrem Arbeitsplatz. Und Ihrem Chef liegt womöglich doch wesentlich mehr an Ihrer Arbeitskraft als Sie es bislang spüren konnten.

Bunkerplätze

Die weltweit begehrten Bunkerplätze für die Apokalypse sind längst ausgebucht - mindestens schon seit Anfang dieses Jahres. Wer sich jetzt noch "last minute" über Restbunkerbörsen einquartieren will, muss mit frech erhöhten Preisen und den schäbigsten Kojen rechnen. Nicht auszudenken: Die Welt geht (nicht) unter - und dann auch noch ein "Downgrading". Überhaupt - wer am 22. Dezember wieder nach oben will, wird feststellen müssen, dass dort ohnehin nichts mehr ist. Wozu also erst umziehen? Und sich selbst Kellerquartiere einzurichten, ist in einem Land wie Österreich und seiner diesbezüglich traurigen Geschichte ohnehin keine gute Idee. Ganz im Gegenteil.

Sektenbeitritt

Einstiegsangeboten und Schnupperabos für diverse Weltuntergangs-Sekten ist ebenfalls mit aller gebotenen Vorsicht zu begegnen. Der Mumpitz, der hier verbreitet wird, dürfte vor allem am eigenen Verstand irreparablen Schaden anrichten, während die Welt dann noch immer stehen bleibt. Das rettende Raumschiff kommt heute ohnehin nicht mehr. Als geistig tatsächlich anregende Alternative könnte man sich am Abend vor dem 21. Dezember ein gutes Buch schnappen, einmal schauen wie weit man damit kommt - und wenn nichts passiert, einfach mit Genuss weiterlesen. Man muss sich ja nicht gleich J.R.R. Tolkiens "Herr der Ringe" in seiner Originalfassung vornehmen. Falls es doch noch einen 22. Dezember gibt, kann man eine Suchmaschine bemühen, wann nun der nächste Weltuntergang ansteht: Wir googeln uns unser Leben - und das Inferno gleich dazu.

Telekommunikation

Weltuntergänge können auch kränken: Gerade vor dem 21. Dezember noch Rundum-Kurznachrichten auszuschicken und möglichst viele Telefonate zu führen ist schön und gut, allerdings sollte/kann man sich auch ohne Apokalypse bei lieben Menschen melden. Vor allem bei jenen, die einem wichtig sein sollten oder einmal wichtig waren und die man an der einen oder anderen Stelle aus seinem Leben verloren hat. Sich dann gerade vor dem Ende aller Tage zu rühren, wirkt irgendwie durchschaubar und billig. Das gleiche gilt auch für jene, denen nur zu Geburtstagen, Muttertagen/Vatertagen, Weihnachten oder in Silvesternächten einfällt, dass da jemand auf ein Lebenszeichen von ihnen wartet.

Proteste

In Sarajevo wurde für den 19. Dezember immerhin eine Protestkundgebung gegen den nahenden Weltuntergang organisiert. Aufgerufen wurde zur Demonstration (ihr Adressat ist bislang noch unbekannt) selbstverständlich im sozialen Netzwerk Facebook. Wo auch sonst? Erklärt wurde die umsichtige Aktion eigentlich recht plausibel. Man brauche keinen Weltuntergang in einem Land wie Bosnien und schon gar nicht in Sarajevo: "Wozu denn, wir haben bereits genügend Probleme", hieß es. Wertvolle, berechtigte Einwände.

Weltuntergang, bitte warten - wir Menschen erledigen das am liebsten selbst.

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Zitiert

  • Als Weltuntergang wird ein natürlich auftretendes, übernatürliches oder künstlich herbeigeführtes Ereignis bezeichnet, das die Menschheit, den Planeten Erde oder das Universum insgesamt vernichtet oder zumindest die herrschenden Lebens- und Begleitumstände massiv und desaströs zum Negativen verändert.

    Vor allem im Internet kursieren Spekulationen, die den 21. Dezember 2012 betreffen: Bei einigen Menschen galt dieses Datum als Seltuntergangstag, andere vermuteten einen Aufstieg der Erde in eine "höhere Dimension". Gestützt wurde dies hauptsächlich auf das angebliche Ende des Maya-Kalenders.

    Wikipedia klärt auf.

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