18. Dezember 2014, 11:33 Uhr | Aktualisiert vor 2 min | Als Startseite
Zuletzt aktualisiert: 06.10.2012 um 14:35 UhrKommentare

Eineinhalb Jahre Haft für Ex-Butler des Papstes

Der ehemalige päpstliche Kammerdiener Paolo Gabriele wurde am Samstag vom vatikanischen Gericht zu eineinhalb Jahren Haft verurteilt. Er hatte vertrauliche Dokumente des Papstes einem Journalisten zugespielt.

Foto © Reuters

Im Diebstahlsprozess gegen den früheren päpstlichen Kammerdiener Paolo Gabriele hat ein vatikanisches Gericht den Butler zu 18 Monaten Haft verurteilt. Die Staatsanwaltschaft hatte eine dreijährige Haftstrafe gefordert. Gabriele wird für die Prozesskosten aufkommen müssen. Als strafmildernde Umstände betrachtete Gerichtspräsident Giuseppe Dalla Torre die Tatsachen, dass Gabriele nicht vorbestraft sei, dass er mehrere Jahre im Vatikan gedient und dass er Reue für seine Tat gezeigt habe.

Der 46-jährige Gabriele, gegen den der Prozess seit einer Woche lief, beobachtete regungslos die Urteilsverkündung. Als er den Gerichtssaal verließ, grüßte er die Anwesenden, darunter seinen Vater, und lächelte.

Gabrieles Verteidigerin Cristina Arru hatte in ihrem Schlussplädoyer einen Freispruch für ihren Mandanten gefordert. Gabriele habe nichts gestohlen, sondern sich die Papiere vom päpstlichen Schreibtisch nur zu Unrecht angeeignet. Nicht ausgeschlossen wird, dass sie Berufung gegen das Urteil einreichen wird. Das Urteil bezeichnete sie jedenfalls als "ausgewogen".

Der Ex-Kammerdiener Benedikts wird jetzt vorerst weiterhin unter Hausarrest bleiben. Das vatikanische Gericht muss noch über die Haftbedingungen entscheiden. Gabriele dürfte die Haftstrafe in einem italienischen Gefängnis absitzen, da es im Vatikan keine Strafanstalten gibt.

Fraglich ist, ob der Papst jetzt seinen Ex-Butler begnadigen wird, nachdem dieser sich für schuldig erklärt hatte. Nach Angaben des vatikanischen Pressesprechers, Pater Federico Lombardi, sei es realistisch, dass der Heilige Vater Gabriele begnadigt. "Die Möglichkeit einer Begnadigung ist konkret", versicherte der Pressesprecher. Das Urteil sei "mild und Ausdruck von Menschlichkeit gegenüber dem Angeklagten".

Gabriele wurde vorgeworfen, vertrauliche Dokumente kopiert und dem italienischen Journalisten Gianluigi Nuzzi zugespielt zu haben. Der Angeklagte sagte in seinem Schlusswort, er habe aus tiefer Liebe zu der Kirche und zum Papst gehandelt. "Ich fühle mich nicht als Dieb", berichteten vom Vatikan zugelassene Prozessbeobachter nach der Verhandlung.

Der vatikanische Staatsanwalt, Nicola Picardi, berichtete in seinem Schlussplädoyer, dass Gabriele seinem Seelsorger, Pater Giovanni Luzi, einige päpstliche Dokumente weitergegeben habe, die dann in Nuzzis Bestseller "Sua Santitá" (Seine Heiligkeit) veröffentlicht wurden. Luzi berichtete, er habe die Dokumente verbrannt.

Laut Staatsanwalt Picardi hat Gabriele als Einzeltäter gehandelt. "Aus der Untersuchung ist keinerlei Beweis aufgetaucht, dass Gabriele mit Komplizen gehandelt habe." Der Kammerdiener sei zwar eine "beeinflussbare Person", er dürfte allerdings allein agiert haben. Ermittlungen rund um mögliche Komplizen Gabrieles seien jedenfalls noch im Gange, berichtete Pressesprecher Lombardi.

Nach der Bischofssynode, die am 28. Oktober zu Ende geht, wird der Vatikan auch den Prozess gegen den Informatikexperten Claudio Sciarpelletti aufnehmen, dem in der sogenannten Vatileaks-Affäre Beihilfe vorgeworfen wird. Vor einer Woche hatte das vatikanische Gericht beschlossen, Gabrieles Verfahren von jedem Sciarpellettis getrennt zu führen.

Gabriele hatte die vertraulichen Dokumente kopiert und Nuzzi zugespielt. Dieser schrieb in seinem Buch auf Basis der Informationen von schweren Machtkämpfen an der Kirchenspitze, sogar von einem Mordkomplott gegen den Papst, sowie von düsteren Geldwäsche-Geschäften der Vatikanbank IOR berichtete.

Gabriele wurde im Mai festgenommen. Ihm drohten bis zu vier Jahre Haft. Der Prozess vor einem dreiköpfigen Vatikan-Gericht begann vor einer Woche. Am Dienstag hatte der Angeklagte gestanden, seit 2010 vertrauliche Dokumente aus dem Vatikan entwendet zu haben. Zugleich bekräftigte er vor dem vatikanischen Gericht, dass er als Einzeltäter gehandelt und kein Geld für den Geheimnisverrat erhalten habe.

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