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"Der falsche Feind": Armer Mann, böse Frau

Scharfsichtige Analyse oder auf Krawall gebürstete Polemik? In ihrem Buch "Der falsche Feind" rechnet Christine Bauer-Jelinek mit dem Feminismus ab.

Foto © olly/Fotolia.com

Freunde, Hobbys, Zeit für sich – alles opfern sie der Familie. Sie rackern sich Tag für Tag ab, zu Hause bleibt ihnen aber nicht einmal das kleinste Eck, wo sie sich ausruhen könnten. Sie schuften Woche für Woche im Job, bei der Karriere wird aber das andere Geschlecht bevorzugt. Kind oder kein Kind? Selbst über ihre eigene Fortpflanzung dürfen sie nicht alleine entscheiden.

Männer sind arme Schweine. Dieses Bild zeichnet Christine Bauer-Jelinek in ihrem neuen Buch "Der falsche Feind".

Ihre These: Nicht die Männer sind an allem Unglück der Welt – von der Beziehungs- bis zur Wirtschaftskrise – schuld, sondern der Feminismus. Mitte der 90er-Jahre erreichte die Frauenbewegung alles: gleiche Rechte, gleichen Lohn. Aber nein, der "Allmachts-Feminismus", wie die Autorin ihn nennt, gab sich damit nicht zufrieden. Obwohl heute die Männer benachteiligt sind, haben es die Frauen mit ihrem fortwährenden Gejammer geschafft, den Feminismus zur „Staatsdoktrin“ zu erklären – und bekämpfen die Männer trotzdem weiter. Bauer-Jelinek kommt zu dem Schluss: Der Feminismus "bedroht den Zusammenhalt der Gesellschaft".

Barbara Blaha ist ein Paradebeispiel für eine "Allmachts-Feministin": Aus einer Arbeiterfamilie stammend, schaffte sie es bis zur Vorsitzenden der Österreichischen Hochschülerschaft. Heute, mit 29, arbeitet sie in einem Wiener Verlag, schreibt feministische Bücher und kümmert sich um ihre zwei Kinder. Dieses Wochenende ist sie in Hallstatt, wo sie ein politisches Symposium leitet. Sie kontert Bauer-Jelinek: Die Zahlen sprächen immer noch für sich. Selbst nach konservativen Schätzungen seien 12 Prozent der Summe, die Frauen im Durchschnitt weniger verdienen als Männer, nur mit dem Geschlecht erklärbar. "Trotzdem fragt heute niemand mehr, was strukturell nicht stimmt", sagt Blaha: "Wenn ich am Land aber keine Betreuung für mein Kind unter drei finde, darf ich mit meinem Mann – ganz individuell – unglücklich werden."

Thema von Elitefrauen

Christine Bauer-Jelinek gilt als Karriere-Coach vor allem bei Österreichs Managerinnen als erste Adresse. Auch die Krimiautorin und Journalistin Eva Rossmann schätzt Bauer-Jelinek als Trainerin, umso mehr wundert sie sich "über die unfassbaren Gemeinplätze in dem Buch. Erst werden sie aufgestellt, dann wird dagegen polemisiert." Vielleicht verwechsle Bauer-Jelinek die Lebenswelt der "sogenannten Elitefrauen", die sie berate, mit jener der normalen Österreicherinnen.

"Fassungslos" ist auch Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek: "Die Autorin bezeichnet sich als Linke, bekommt aber garantiert Applaus von der falschen Seite. Männer werden jubeln. Gratuliere!" Blaha findet, die Thesen könnten ebenso von Barbara Rosenkranz stammen. Die FPÖ-Politikerin kritisiert den "Genderwahnsinn", der den "geschlechtslosen Menschen" wolle.

"Die soziale Frage wird durch die Geschlechterfrage vertuscht", entgegnet Bauer-Jelinek. Der Feminismus spiele dem Kapitalismus in die Hände: Immer mehr Frauen wollen Jobs – und wer kann dann Löhne dumpen? Krippenkinder könnten später keine Bindungen eingehen – und wer wünscht sich denn flexible Arbeitskräfte? Die neoliberale Wirtschaft.

"Wer die Kluft zwischen Arm und Reich schließen will, muss vor allem Frauen – sie haben nun einmal weniger Geld als Männer – ermächtigen, ihr Leben in die Hand zu nehmen", sagt Heinisch-Hosek: "Das geht nicht mit Arbeitsplätzchen, nur mit Arbeitsplätzen." Auch Rossmann hält die Zuspitzung für kalkuliert: "Wenn ich als Frau fair bezahlt werden möchte, ist das doch ein Kampf gegen ungerechte Verhältnisse und nicht gegen die Männer."

Brigitte Ederer war nie Feministin, als SPÖ-Politikerin verfolgte sie andere Ziele. Heute ist sie als Mitglied des Siemens-Vorstandes Personalchefin von mehr als 400.000 Mitarbeitern. Ederer sagt: "Je älter ich werde, desto mehr sehe ich, dass es Frauen doch schwerer haben, Karriere zu machen."

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