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Zuletzt aktualisiert: 17.04.2012 um 22:21 UhrKommentare

Das seltsame Weltbild eines Mörders

Anders Behring Breivik hatte am Dienstag seinen großen Auftritt: Ohne Emotionen schilderte er, warum er gemordet hat: Um Norwegen vor dem Bürgerkrieg zu bewahren. Die getöteten Kinder bezeichnet der Todesschütze als "politische Kämpfer" und erklärt, dass er den Angriff wieder durchführen würde.

Foto © AP

Verteidiger Geir Lippestad hatte vor schmerzhaften, schockierenden Aussagen gewarnt - zu Recht. "Das war Güte und nicht Bosheit, auch wenn die Methoden brutal waren", sagt der Massenmörder Anders Behring Breivik gestern zu seinen unfassbaren Attentaten vom vergangenen Sommer. Der 33-Jährige hat sich seine eigene Welt zurechtgelegt. Eine Welt, in der es gerecht und richtig ist, andere Menschen zu töten. Doch Breivik entlarvt sich auch selbst - als lebensgefährlich, aber auch wirr und ideologisch verblendet. "Ja, ich würde es wieder tun", betont er vor Gericht. Dabei ist er sich des Leids, das er verursacht hat, voll bewusst. "Ich weiß, es geht ihnen grauenvoll", sagt er zu den Angehörigen der Opfer.

Diese schütteln nur noch den Kopf. Sie müssen Unglaubliches hören. Über ihre Kinder, die grausam ermordeten Jugendlichen von Utøya, sagt Breivik kalt: "Das waren keine unschuldigen Kinder, sondern politische Aktivisten, die für den Multikulturalismus arbeiteten." Trotz dieser schwierigen Momente sei es wichtig, Breivik ausreden zu lassen, sagt John Hestnes von der Unterstützer-Gruppe für Opfer und Angehörige. "Das beweist, was er für eine Person ist."

Der rechtsradikale Islamhasser präsentiert dem Gericht eine Kurzfassung seines 1500 Seiten starken Manifests, das er kurz vor seinen Mordtaten per E-Mail an rund 1000 Adressen schickte.

Als Richterin Wenche Elizabeth Arntzen ihn auffordert, sich kürzer zu fassen, scheint er nicht in der Lage, frei zu sprechen. Für einen fairen Prozess sei es wichtig, dass er alle 13 vorbereiteten Seiten durchgehen dürfe, betont Breivik. Er erwarte nicht, dass die Menschen ihn verstehen. Doch das Massaker sei nötig gewesen, um Norwegen vor einem Bürgerkrieg zu schützen.

Immer wieder spricht Breivik von "wir". "Ich habe uns das Mandat gegeben", sagt er auf die Frage, wer ihm das Recht zum Töten gegeben habe. Er spricht über die "Tempelritter" - ein angebliches nationalistisches Netzwerk, von dem die Staatsanwälte sicher sind, dass es nur in Breiviks Fantasie existiert.

Trotz solch schwer nachvollziehbarer Gedanken wirkt Breivik kontrolliert. Er spricht ruhig, argumentiert in seiner Weltsicht logisch. Auf Hinweise der Richterin reagiert er aber nur scheinbar. Als diese ihn bittet, seinen Vortrag abzukürzen und nicht abzuschweifen, sagt er zwar "Ja", referiert aber weiter über das politische System in Asien.

Breivik hat seinen Tag vor Gericht geplant. Wird sein Plan gestört, gerät er leicht aus dem Konzept, wird rot - im sonst fast bewegungslosen Gesicht. Auch wenn klar ist, dass dieser Mann kranke Gedanken hat, präsentiere er sie doch logisch. Geisteskrank oder nicht? Das ist die große Frage, die das Gericht nun beantworten muss.

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