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Zuletzt aktualisiert: 28.03.2012 um 23:03 UhrKommentare

Papstbesuch: Deutliche Worte in Kuba

Der Papst fordert in Havanna mehr Religionsfreiheit - auch bei dem kurzen Treffen mit Fidel Castro.

Foto © APA

Rund 300.000 Menschen versammelten sich auf dem Platz der Revolution im Herzen Havannas. Unter dem Denkmal des kubanischen Freiheitskämpfers Jose Marti und mit Blick auf das Porträts des Revolutionärs Ernesto Che Guevara zelebrierte Papst Benedikt XVI. die Abschlussmesse seines Aufenthaltes in Kuba. Die Stimmung auf dem brütend heißen Platz war freundlich aber reserviert. Nur selten brandete ausgelassener Jubel auf. Das bestätigte die Eindrücke der vergangenen drei Tage, in denen der Papst seine Reise auf der kommunistischen Karibikinsel absolvierte: die Kubaner schwankten zwischen verhaltener Euphorie und freundlicher Gleichgültigkeit für den Papst, der nach eigenen Worten als "Pilger und Hirte" gekommen ist, um die Gläubigen zu stärken.

In seiner Predigt forderte der Papst erneut mehr Freiheiten für die Kirche: "Kuba und die Welt brauchen Veränderungen!" Die werde es aber nur geben, wenn Menschen sich frei dazu entschließen könnten, Versöhnung und Brüderlichkeit zu leben. Die Kirche trage mit ihrem Einsatz im Bildungswesen weltweit zur Charakterbildung der Menschen bei. Er hoffe, dass dies auch bald in Kuba möglich würde.

Während die Opposition die zu sanfte Linie des Papstes mit dem kubanischen Regime kritisierte, halten andere die Predigtworte für überraschend direkt und klar. "Der Papst wurde sehr deutlich. Das ist wichtig für uns", sagt Padre Alvarez. Der Landpfarrer reiste mit einer Gruppe von Gläubigen an. Seit drei Uhr morgens warteten sie auf dem Platz, um an der Messe teilnehmen zu können. Diese Gruppe ist die Ausnahme. Bei einem durchschnittlichen Monatslohn von rund 20 Euro sind Bustickets oder ein Taxi unerschwinglicher Luxus. Die meisten mussten zuhause bleiben.

Die Erwartungen in den Besuch des Papstes waren von allen Seiten hoch. Während das Regime der Welt vor allem ein freundliches Bild des Landes vorführen wollte, erhofften sich viele den Beginn einer weiteren Öffnung und größerer Freiheit in Kuba. Die Hoffnung kommt nicht von ungefähr. Der Besuch Johannes Paul II. vor 14 Jahren war mitverantwortlich für einen Prozess der Öffnung des Landes und einer Verbesserung für die Kirche im vormals atheistischen Staat.

Wie sehr Johannes Paul II. mit seinem Besuch 1998 Kuba beeinflusst hatte, machte ein weiterer Höhepunktes der Reise deutlich: Im Rahmen eines spontanen Zusammentreffen des Papstes mit Fidel Castro brachte der schwerkranke 85-jährige Ex-Präsident seine Freude über die Seligsprechung des ehemaligen Papstes zum Ausdruck. Johannes Paul II. hätte eine große Bedeutung für das kubanische Volk.

Dass es aufgrund der Papstreise zu einem unmittelbaren Wandel kommen werde, können sich die wenigsten vorstellen. Obwohl im Land niemand mehr an den Sozialismus zu glauben scheint, funktionieren Bürokratie, Überwachung und die Autorität des Regimes nach wie vor. Bezüglich Menschenrechten und Wirtschaft gibt es auf Kuba durchaus auch Fortschritte zu verzeichnen.

Und obwohl es zu keinem Treffen zwischen dem Papst und Dissidenten kam, stärkte der Besuch des Benedikts gerade jenen den Rücken, die für eine weitere Öffnung und eine freie kubanische Gesellschaft eintreten.

*Der Autor ist leitender Redakteur von "alle welt", dem Magazin von Missio.

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